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High Vis im KIFF – Kaum zu übersehen

05/06/26
von Patricia Taubert

High Vis im KIFF – Kaum zu übersehen

High Vis + Cage

KIFF – Aarau
Mittwoch, 3. Juni 2026

Text: Patricia Taubert

Das KIFF mag ein Ort vielseitiger Geschehnisse sein, doch eines ist gewiss: Für einen gepflegten Moshpit ist die Menge immer zu haben. Wenig überraschend wurde ich vergangenen Mittwoch erneut Teil dieses Spektakels. Es war von Beginn an warm im oberen Stübchen. Doch das hielt die High-Vis-Fans nicht davon ab, nochmal einen draufzusetzen. Was sich von Anfang bis Ende durchzog, war eine ausgesprochen spürbare Nähe zwischen Publikum und Band: Angefangen damit, dass sich Sänger Graham, frei von Singer-Songwriter-Star-Allüren jeder Art, bereits vor dem Auftritt des Support-Acts am Merch-Stand tummelte und mit charmantem Wortwitz die Werbetrommel für T-Shirts und Co. rührte. Das änderte sich dann auch während des Auftritts nicht, als sich plötzlich eine ganz andere Art der Publikumsnähe entwickelte. Aber dazu später mehr.

Den Auftakt machten Cage, ein Hardcore-Punk-Quartett aus Fribourg. Ab Minute 1 waren sie sowas von parat und trotz eines anfangs noch schüchternen Publikums, das vor der Bühne ordentlich Raum zur Entfaltung liess, waren alle Bandmitglieder mit vollem Körpereinsatz dabei. Sie brachten sogar eine eigene kleine Fanbase mit, die dafür sorgte, dass die besagte klaffende Lücke schnell gefüllt wurde. Das zauberte nicht nur der Band ein schnelles Lächeln ins Gesicht, sondern half auch den anderen Tanzlustigen dabei, sich ein bisschen aus dem eigenen Schneckenhaus zu trauen. Der Auftritt war derart treibend, dass der Cage-Frontmann beinahe auf dem eigenen Schweiss über die Bühne geschlittert wäre. Trotz eher düsterer und schwerwiegender Klänge feuerten Cage dem Publikum jede Menge positive Energie entgegen – inklusive Screams aus voller Kehle. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Stimmungsaufheizer, obendrauf rotierte das Quartett dann auch noch von Drums zu Gesang. Bei meiner Recherche vorab fand ich folgende Beschreibung, die ich im Nachhinein so unterschreiben würde: Zu Punk für Hardcore und zu Hardcore für Punk.

Es dauerte nicht lange, da traten High Vis auf die Bühne und peitschten mit ihren absoluten Publikumslieblingen «Drop Me Out» und «Walking Vires» die Stimmung gleich zu Beginn nach oben. Mit Erfolg: Wo vorher noch besagte Lücke klaffte, versammelte sich nun sämtliche Hörerschaft wie auf einem menschlichen Haufen – hätte das KIFF eine zweite Etage, so wären sie bis dorthin nach oben gestiegen. Das war nicht nur beeindruckend zu beobachten, sondern auch absolut mitreissend. Es wurde mitgeschrien, mitgeklatscht, sich umarmt. Mit voller Inbrunst spiegelte die Crowd der Band gekonnt die Texte zurück. Das freute das Gegenüber sichtlich. Gleichzeitig wurde ein Raum für jene Botschaften geschaffen, die High Vis in den Songs zu vermitteln versuchen: Frustration und zuweilen Wut gegenüber gesellschaftlicher Missstände, die grosse Bedeutung von Kamerad- und Freundschaften oder die Verarbeitung eigener Erlebnisse. All das eingebettet in Hardcore-Sound, Spoken Word und eine Prise Britpop.

Abgesehen vom Drummer versammelte sich die Band zu viert aufgestellt in einer Reihe auf der Bühne und gab nicht nur Tracks des 2024 erschienenen Albums «Guided Tour» zum Besten, sondern packte auch den ein oder anderen «Oldie» aus. Songs wie «Talk For Hours» und «0151» aus dem 2022 erschienenen Album «Blending» machten anhand des textsicheren Publikumschors deutlich, dass die Band eine mittlerweile fixe Fanbase aufgebaut hat – und das weit über ihre Heimat Grossbritannien hinaus. «Trauma Bonds» war der krönende Abschluss der Setlist und liess erneut ein ohrenbetäubendes Gröhlen durch die Menge fahren, bevor High Vis uns ohne Encore in den Abend entliessen. Trotz oder gerade wegen der Experimentierfreude, welche sie an den Tag legten, blieb die Performance nicht nur abwechslungsreich, sondern auch ausgesprochen tanzbar. Und damit meine ich nicht nur das klassische Moshpit-Erlebnis. Teilweise erinnerte mich der Abend sogar mehr an einen Club- als einen Konzertbesuch. Gern mehr davon! Trotz einer mit 50 Minuten Länge relativ kurzen Show hatte ich am Ende des Abends das Gefühl, viel mehr von der Band gesehen zu haben – oder sie vielleicht schon auch einmal gesehen zu haben? So heimelig war es. Und auch nicht allzu verwunderlich, dass High Vis im vergangenen Jahr sogar Turnstile auf deren Headliner-Tour begleiteten, die schon seit einer gefühlten Ewigkeit bei mir rauf und runter laufen.

Seit ihrer Gründung 2016 haben es High Vis geschafft, sich in der Hardcore und Post-Punk-Szene einen Namen zu machen. Dem Bandnamen, der sich by the way von der High Visibility-Kleidung mit ihren grellen und auffälligen Farben ableitet, machen sie damit alle Ehre. Und scheinen mit ihrer Strahlkraft hoffentlich noch das ein oder andere Mal durch die Schweiz.

High Vis Setlist Kiff, Aarau, Switzerland 2026
Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Aarau, Cage, Hardcore, High Vis, Indie, KIFF, Patricia Taubert, Post-Punk, Punk

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