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Widowspeak – Roses

29/06/26
von Torsten Sarfert

Widowspeak - Roses

Captured Tracks / VÖ: 5. Juni 2026 / Dream-Americana
widowspeakforever.com

Text: Torsten Sarfert

Seit über fünfzehn Jahren erschaffen Molly Hamilton und Robert Earl Thomas aka Widowspeak ihre ganz eigene Klangwelt irgendwo zwischen Dream Pop, Americana, Slowcore und staubigem Indie Rock. Musik für leere Highways, Diners kurz vor Feierabend und Menschen, die mehr fühlen als sie sagen. Wer die Cowboy Junkies, Yo La Tengo, Cat Power oder die ruhigeren Momente von Neil Young und Tom Petty schätzt, wird sich hier sofort zuhause fühlen. Dazu kommt eine visuelle Atmosphäre, irgendwo zwischen einem fiebrigem David Lynch Film und einem melancholischen Edward Hopper Gemälde. Frühstück morgens um vier Uhr im Diner am Lonesome Highway. Oder so.

«Roses» ist vielleicht das romantischste Album der Band, aber ohne jeglichen Anflug von Kitsch. Es erzählt von Erinnerungen, alten Wunden, Hoffnung und dem Loslassen. Von den kleinen Momenten, die oft mehr über eine Beziehung erzählen als jede dramatische Szene.Schon «The Hook» blickt sehnsüchtig auf eine vergangene Liebe zurück. Gepresste Blumen, Konzerttickets und Postkarten werden zu Erinnerungsstücken. «No Driver» macht aus einem Auto ohne Fahrer eine eindringliche Metapher für Orientierungslosigkeit und emotionale Abhängigkeit. Der Titelsong «Roses» handelt von den Narben vergangener Beziehungen und dem Wunsch, trotz aller Enttäuschungen wieder Vertrauen zu schenken.

Die übrigen Songs setzen diesen roten Faden fort. Es geht um Veränderungen, Alltagsrituale, das Gefühl, auf etwas Besseres zu warten, und um die Erkenntnis, dass sich Liebe nicht festhalten lässt. Widowspeak finden ihre Poesie nicht in grossen Gesten, sondern in Diners, Kerzenlicht, alten T-Shirts oder einer Sanduhr. Gerade diese unscheinbaren, ruhigen Bilder verleihen den Songs ihre emotionale Kraft.

Robert Earl Thomas lässt seine Gitarren schön schräg schweben und twangen und Molly Hamilton singt mit ihrer zurückhaltenden und maximal immersiven Stimme, die gleichzeitig Trost und Melancholie ausstrahlt. Alles klingt organisch, analog und vollkommen uneitel. Kein Ton zu viel, keine Effekthascherei, stattdessen zehn Songs, die sich Zeit nehmen und Raum zum Atmen lassen.

Genau darin liegt auch die Stärke von «Roses». Widowspeak erfinden sich nicht neu, sondern verfeinern ihren eigenen Stil bis ins Detail und bleiben dabei zugleich roh und emotional. Ihr entrückter Genre-Mix klingt geschlossener und stimmiger denn je und zeigt, dass leise Töne oft nachhaltiger wirken als grosse Gesten. Diese Stimmung spiegelt sich auch im Albumcover wider: Ein Bukett leicht dorniger, von Insekten bevölkerter Rosen steht in einem schlichten Wasserglas und entfaltet darin seine ganze Pracht. Manchmal ist alles vielleicht gar nicht so schwer – solange es mit Liebe gemacht ist. Genau wie die Musik von Widowspeak.

 

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Americana, Pop, Roses, Torsten Sarfert, Widowspeak

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