
Domino Recording Company / VÖ: 11. Juli 2025 / Indie-Rock
wetlegband.com
Text: Torsten Sarfert
Auf ihrem selbstbetitelten 2022er Debüt firmierten die beiden Wet Leg Gründerinnen, Hester Chambers und Rhian Teasdale, noch als Duo. Das mehrfach mit Grammys ausgezeichnete Album schlug in Indie-Kreisen wie eine Bombe ein und katapultierte die Insulanerinnen von der Isle of Wight auf die relevanten europäischen Bühnen.
Neu sind Wet Leg nun zu fünft: Neben Chambers und Teasdale gehören inzwischen Henry Holmes am Schlagzeug, Ellis Durand am Bass sowie Josh Mobaraki an Gitarre und Synthesizer fest zur Band. Gemeinsam präsentieren sie den Nachfolger «Moisturizer» und frischen mit dieser unisex-Feuchtigkeitscreme die Zellen all jener auf, die sich für den guten alten Rock’n’Roll begeistern.
Wie schon beim Vorgänger geht es um Sex, Spass und Selbstermächtigung. Der musikalische Treibstoff ist nach wie vor eine dreckige Mischung aus Powerpop und Post-Punk mit hoher Oktanzahl. In einem Grossteil der Songs schwärmt Rhian Teasdale liebevoll-lässig von ihrer glücklichen Beziehung, die laut ihrer eigenen Aussage einen ganz neuen Menschen aus ihr gemacht hat. Diese Beziehung mit einem nicht-binären Menschen sollte 2025 eigentlich nicht weiter erwähnenswert sein, wurde aber dankbar von den Medien aufgegriffen und sorgte so für zusätzliche Reichweite. Jene lyrischen Liebesbezeugungen machen das Album dann zwar weniger rotzig, aber nicht weniger intensiv. Nebenbei auch etwas radiotauglicher, da nicht mehr ganz so oft das F-Wort zum Einsatz kommt. Kann ja alles nix schaden, wenn es denn der guten Sache dient.
In Sachen scharfkralliger, (queer-) feministischer Attitüde bleibt also fast alles beim Alten, nur weniger plakativ – und dennoch jederzeit bereit, reaktionäre Rechts-Rocker:innen und ähnliches Gesocks sprungfederartig aus der Hocke anzuspringen. Um Missverständnissen vorzubeugen, hat man das auch gleich eindrucksvoll auf dem Plattencover visualisiert. Gerne werden verbale Mittelfinger gereckt: «I don’t want your love, I just wanna fight» (Catch These Fists) oder «You wanna fuck me, I know, most people do (…) Oh man, I hope you’re gonna get out soon» (Mangetout). Daneben gibt es aber auch viel versöhnlichen Raum für unbeschwert Verliebtes: «It hit me like a roundhouse, left hook, uppercut / Kiss me once, once for luck / I’ve never been so, I’ve never been so deep in love» (Pond Song) oder «Yeah, I’m in love and you’re to blame / Put your mouth to mine and give me CPR» (CPR).
Nicht unbedingt Pulitzer-preisverdächtige Lyrik, aber darum geht es auch gar nicht. Viel wichtiger ist der energiegeladene und selbstbewusste Raum – durchaus im Sinne eines Safe-Spaces – den sich Wet Leg im zunehmend konformistischen Musikzirkus nehmen. Diesen nutzen sie in alter Punk-Manier, um gegen viele Widerstände allen, die es möchten, eine Identifikationsmöglichkeit für ihre Kernthemen zu geben. Und zwar mindestens von der «Isle Of Wight to Tokyo» (Pokemon) und hoffentlich auch weit darüber hinaus.
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