
ABCX / VÖ: 20. Februar 2026 / Indie
viicwoods.com
Text: Michael Messerli
Wer hat an der Zeit gedreht? Wenn man sie nicht linear betrachtet, sondern als Knäuel, muss man sie entwirren, bevor sie uns entrinnt. Denn eines ist gewiss: Das Ende kommt so oder so. Die Frage ist einfach, wie schnell. Die Zeit ist deshalb nicht linear, weil wir in unserer Vorstellung immer wieder zwischen dem Jetzt, der Vergangenheit und der Zukunft springen. Ein Faktor, der künftiges Verhalten ziemlich gut voraussagt, ist vergangenes Verhalten. Also sind wir in einer Art Zeitschlaufe gefangen. Zumindest scheinen sich die Dinge zu wiederholen, mit vielleicht immer schlimmeren Konsequenzen. Stichwort: Klimawandel.
Die Zukunft lässt sich entsprechend nur in Verbindung mit Gegenwart und Vergangenheit gestalten. Und hier taucht ein weiteres Thema auf, das Victoria Skoglund unter dem Namen Viic Woods ins Spiel bringt: «Try common sense». Kann man sich denn heute (noch) auf gewisse Fakten einigen? Weil nicht alle das Gleiche unter einem gesunden Menschenverstand verstehen. Die Antwort liegt womöglich in der Natur. Die funktioniert mit Ökosystemen und die funktionieren mit Kreisläufen. Also eben nicht linear. Dass dabei Wälder eine sehr wichtige Rolle spielen, ist bekannt. Skoglund ist ein schwedischer Nachname und man könnte ihn mit Waldhain übersetzen. Daher der Name: Viic Woods.
Victoria Skoglund bringt als Musikerin schon viel Erfahrung mit, auch wenn «Unravel Time» ihr Solodebüt ist. Sie veröffentlichte Alben mit Audrey, Mire Kay und No Favours. Auf ihrer Homepage findet man eine von ihr eigens zusammengestellte Playlist als Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen. 2023 erschien dann ihre sehr gelungene EP «The Water Between Us», auf der alles so klar klingt wie ein Bergsee. «Unravel Time» ist nun ihr Indie-Album, das unser schnelles Tempo in einer viel langsamer funktionierenden Natur thematisiert. Auf die Bremse zu treten, wäre angemessen: «Slow down time/ Break the beat/ Can we make this change soon enough?».
Entschleunigt ist die Musik von Viic Woods. Nicht leise oder bedächtig, sondern behutsam und überlegt. Ein klarer Appell, Verantwortung zu übernehmen («Silent Spring»). Weil Veränderung möglich ist («Not Impossible»). Das ist ideal vertont, arrangiert und hat den nötigen Flow. «Stone And Water» steht exemplarisch für das ganze Album, bildet in Kombination mit «Sometimes Seemingly Eternal» und «Why» den starken Überbau für etwas, das in seiner Schönheit nur zwei Stolpersteine haben könnte: «Unravel Time» wirkt am Anfang unscheinbar und spricht ein Thema an, das nicht alle hören wollen. Aber beides wird sich mit der Zeit ändern.

