
Honey Jar Records / VÖ: 1. August 2025 / Americana
thewoodbros.com
Text: Torsten Sarfert
The Wood Brothers, bestehend aus den Brüdern Oliver und Chris Wood sowie Multiinstrumentalist Jano Rix, haben sich seit ihrem Debüt 2006 als eine der spannendsten Formationen im Kosmos amerikanischer Roots Music etabliert. Ihre Mischung aus Folk, Blues, Jazz und Soul ist über die Jahre immer vielfältiger geworden, ohne dass sie ihre Handschrift verloren hätte. Wenn man nach Einblicken in den Zustand der menschlichen Existenz im Jahr 2025 sucht, wird man mit dem neunten Album des Grammy-nominierten progressiven Americana-Trios fündig. Mit ihrem neuen Album «Puff Of Smoke» zeigen sie einmal mehr, wie sehr sie Freude an der kreativen Suche haben und wie locker sie selbst komplexe Themen mit musikalischem Witz und Leichtigkeit verbinden.
Das Album, aufgenommen in ihrer Wahlheimat Nashville, ist geprägt von Spontaneität: viele Songs wurden in einem Take eingespielt, wodurch eine ungekünstelte, unmittelbare Energie entstand. Schon der Opener «Witness» lässt die Zuhörenden in eine unwiderstehliche Klangwelt eintauchen, die mit New-Orleans-Brass, einem treibenden Groove und mitreissenden Melodien vom ersten Ton zu fesseln weiss.
Ausserdem lohnt es sich, mindestens ein Ohr auf die Texte zu werfen, mit denen man durchaus eine wahre Freude haben kann (ausser vielleicht, man fühlt sich irgendwelchen quasi-religiösen MAGA-Eiferern verbunden):
«Pray comma God listens is what I read
Way up high on a sign
That’s what it said (…)
And I pray God listens to the band I’m in
And the song we’re singing»
(«Pray God Listens»)
oder
«Every day is a puff of smoke
A little cloud of heartbreak and hope
Maybe it’s God’s little practical joke
And if you’re lucky he stops by
And you take a little ride»
(«Puff Of Smoke»)
«The Trick» überrascht mit punkig verzerrtem Fender Rhodes und weiterhin ironischen Lyrics («Helpless hopeless, all the way stuck / The trick is not to give a damn»), während «Above All Others» mit submarinen Synth-Klängen experimentiert und sich nebenbei ein gospelartiges Crescendo an und über die Wasseroberfläche schraubt. Stücke wie «Slow Rise (To The Middle)» oder «You Choose Me» haben eine entspannte, Jack-Johnson-ähnliche Front-Porch-Atmosphäre, die fast beiläufig wirkt und gerade deshalb ihren Reiz entfaltet. Immer wieder erinnert die Mischung aus traditionellem Country-Blues und modernen, elektronischen Elementen auch an die besten Zeiten von G. Love & The Special Sauce (übrigens auch ein guter Kumpel von Jack Johnson). Auch gelingt es der Band, selbst schwere Themen mit einer Leichtigkeit und einem Augenzwinkern zu verhandeln, die stark an Grossmeister John Prine erinnert.
Musikalisch ist «Puff Of Smoke» eklektisch, fast schizophren, wie Oliver Wood es selbst beschreibt, und immer wieder entstehen magische Momente, die sowohl musikalisch als auch textlich berühren.
Im Vergleich zu früheren Alben wie «One Drop Of Truth» oder «Kingdom In My Mind» wirkt «Puff Of Smoke» noch verspielter und experimenteller, weniger fokussiert auf klare Songstrukturen, dafür aber offener für Überraschungen und klangliche Abenteuer. Es ist das Werk einer Band, die nach fast zwei Jahrzehnten nicht satt geworden ist, sondern sich immer wieder neu erfindet und damit weiterhin relevant bleibt. Frei nach dem Motto «The Trick is not to give a damn».
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