
Bakraufarfita Records / VÖ: 10. April 2026 / Indie, Rock
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Text: David Spring
«I want to believe!», das dachte sich schon Billy Meier, als er 1970 auf einer Thurgauer Wiese stand und wohl genügend Psychopharmaka intus hatte, um ein Foto von einem UFO zu schiessen. Das Foto landete Jahrzehnte später im Keller von Fox Mulder, der dann mit seiner Partnerin Dana Scully Fernsehgeschichte schrieb und noch den einen oder anderen Alien-Kult beeinflussen sollte. Ein solches Alien ist natürlich auch ALF. Dieses flauschig-sarkastische Wesen, das jahrelang über unsere Bildschirme flimmerte, stammt vom Planeten Melmac. Und die Gewieften unter uns merken nun, weshalb wir uns diesem ganzen Alien-Kram widmen: The Melmacs haben nämlich ein wunderbares neues Album am Start!
«Euphancholia» heisst das gute Stück, das die sympathische Truppe aus Dresden getreu dem Titel bestens gelaunt und gleichzeitig nachdenklich und besorgt zeigt. Los geht es mit einem glorreichen Synth-Intro, das bei den ganz Alten unter uns sofort Erinnerungen an The Whos «Baba O’Riley» weckt. Falls du in der Welt von The Melmacs noch nicht so bewandert bist, merkst du schnell, dass die quietschmunteren Synths und die schrammligen Gitarren das Grundgerüst ihres Sounds bilden. Das folgende «Run For Your Life» ist vielleicht das punkigste Stück der Platte und zieht mit viel Rock’n’Roll im Herzen ungebremst nach vorne. Ein vorzüglicher Song, der stellenweise an Bands wie The Baboon Show erinnert und live abgehen wird wie Schmidts berühmte Katze.
The Melmacs machen zweifellos Laune. Die Musik ist positiv, mal punkig-rockig, mal süsslich-kitschig und wird dem euphorischen Teil des Titels absolut gerecht. Der melancholische Teil zeigt sich hingegen vor allem in den Texten. So tanzbar die Songs sind, so tief gehen die Worte, die Sängerin Bimmi uns voller Gusto entgegen schleudert. Ob Orientierungslosigkeit und Selbstzweifel im quietschfidel klingenden «Falling», Alltagsfrust und Durchhaltewillen im entspannten «These Days» oder der schmerzhafte Aufarbeitungsprozess einer toxischen Beziehung im grossartigen «Crying My Heart Out», das stellenweise an KT Tunstalls Country-Phase erinnert, man fühlt sich gehört und verstanden. In Zeiten, in denen wir alle immer weiter voneinander wegdriften, gibt es kaum etwas Schöneres.
Die Welt ist nicht einfach, und The Melmacs wissen das. Genau darum wirken die positive Musik und die nachdenklichen, teilweise intimen Texte so stark. Was die Band ebenfalls verdammt gut beherrscht, ist Mut machen und aufbauen. Allen voran «Keep On», ein rockiger Track mit erneut frohgemuten Keys und einem wunderschönen Text übers Weitermachen und Durchhalten, auch wenn mal wieder alles scheisse ist: «You’re full of passion, hungry for action, so keep on!» Am Ende steht «Electric Night», eine freudige Ode an die Community, denn zusammen geht es immer besser. Das Leben ist eine fortwährende Reise und auch wenn du überfordert bist und manchmal nicht mehr weisst, wo dir der Kopf steht, es geht weiter und du bist nicht allein.
Die Positivität und Aufrichtigkeit, die The Melmacs ausstrahlen, sind ansteckend und tun gut. Es bringt nichts, den Mut zu verlieren, auch wenn alles schwierig und verworren scheint. Aber auch das Verschliessen der Augen vor den Widrigkeiten ist keine Lösung, denn die Realität holt uns immer ein. Darum hätte der Titel «Euphancholia» nicht besser gewählt sein können. Es ist genau eine dieser Platten, die wir im Moment brauchen. Egal von welchem Planeten The Melmacs stammen, ihre Musik schürt auf jeden Fall den Glauben daran, dass es irgendwann wieder gut kommt und dass wir das schaffen werden. I still want to believe…
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