
Eigenveröffentlichung / VÖ: 27. November 2025 / Indie, Rock
tales-of-water.com
Text: David Spring
«F**k today is hard!» Dieser einfache Satz entfleucht wohl vielen Menschen derzeit immer öfter. Es ist nicht leicht, zwischen dem Kümmern um diese zerbrochene Gesellschaft und dem gleichzeitigen Versuch, sich selbst in diesem Fass ohne Boden nicht zu verlieren, eine Balance zu finden. Nun, all diesen Fragen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, versucht das Wiener Quintett Tales Of Water mit ihrer neusten EP «FML».
Obwohl der Titel der Platte vielleicht an pubertären Pop-Punk oder Ähnliches erinnern lässt, kreieren Tales Of Water weitaus reifere Klänge. Irgendwo dem Electro Pop entstammend, aber eigentlich sämtliche Regeln des Spiels ignorierend, schaffen sie mit erdigen Bässen, spielerischer Perkussion und vielfältigen Synth-Sounds ganz eigene Welten. Der Opener «How Do I Care?» wird von einer intensiven Piano-Melodie und einem beinahe manischen Metronom getragen, während die eindringliche Stimme von Sängerin Lena Fink dir direkt in die Seele singt. Der Song ist funkig angehaucht, besitzt aber auch die wabrig düstere Atmosphäre eines Film Noirs und erwischt dich mit vielen liebevollen Details und endloser Kreativität perfekt auf dem falschen Fuss.
«Derb» zieht die Intensität weiter an, mit ausufernden Chören, beängstigend verzerrten Gitarren und bombastischer Perkussion, die weit über das übliche Schlagzeugspiel der meisten Bands hinausgeht. Und dieser Bass-Sound? Unfassbar! Dazu kommt wahrlich meisterhaftes Songwriting, das uns Tales Of Water hier präsentieren. Es folgt ein kleines Interlude namens «Busy», das mit jazzigen Akkorden und einer sanften Melodie die Sinne wieder etwas ordnet, bevor der Titeltrack die Emotionen erst richtig tief gehen lässt. Die hervorragende Komposition vermittelt perfekt das Bild dieser überforderten, erschöpften Person, die wir alle so gut in uns selbst kennen. Schon das eröffnende, gehauchte «Fuuuuuu*k» und die luftigen Synth-Spielereien sorgen dafür, dass jede Emotion spürbar wird, erst recht, wenn der versöhnliche zweite Teil dich dann an der Hand nimmt, als wolle er dir sagen, dass alles gut wird.
«Dance Alone» ist rastlos und treibend. Ein Song, der dich – ganz dem Namen entsprechend – auffordert zu tanzen und zu leben, am besten nicht alleine und mit allem, was du hast. Wundervoll! Damit kündigt sich leider schon das Ende der EP an, doch es folgt noch das fantastische «Skin Deep», das sogar mit einem eigenen Prelude daherkommt. Während das Intro nervöser Drum’n’Jazz ist, fordert dieser letzte Track nochmals alles an Emotion. Das intensive, cineastische Piano öffnet sich nach anfänglich beklemmenden Momenten und bringt uns ein düsteres, intensives Meisterwerk, das mit wenig auskommt und doch unglaublich viel in uns auslöst. Tales Of Water holen hier alles aus sich heraus, von furiosen Schreien und chaotischem Lärm bis hin zu einem episch fulminanten Ende, in dem alles zusammenkommt und dich sprachlos zurücklässt.
Was für eine Achterbahnfahrt! Tales Of Water agieren auf ganz hohem Niveau, und auch wenn die Musik verkopft und im Endeffekt nicht immer leicht verdaulich ist, so haftet den Kompositionen etwas Versöhnliches und Zusammenführendes an. «FML» malt unsere Welt genauso, wie sie im Moment ist: verwirrend, gefährlich, unsicher und doch auch wunderschön und voller Freude und Liebe, wenn man nur genau hinhört. So etwas zu erreichen ist keine schlappe Leistung, vor allem da die Band dabei stets sich selbst treu bleibt und unbeirrt ihren Sound kreiert. Wahrhaft vorzügliche Musik, die uns in den kalten Monaten einer sowieso immer kälter werdenden Welt nur guttun kann.
![]() |


