
ANTI-Records / VÖ: 20. März 2026 / Folk
sonlittle.com
Text: Torsten Sarfert
Es scheint die Zeit für Priestersöhne zu sein. Im Fall von Son Little und Foy Vance teilen sie sich sogar den gleichen Produzenten, nämlich Ben Tanner, seines Zeichens Mitglied der Alabama Shakes. Und wenn man von Alabama spricht, geht für Musiker:innen aus dem Spannungsfeld amerikanischer Rootsmusik natürlich kein Weg am legendären Muscle Shoals Studio vorbei.
Eben dort nahm Singer-Songwriter Son Little sein neues Album «Cityfolk» auf. Der Titel sagt schon viel über die musikalischen Stossrichtungen aus: Folk ist die Grundlage und «City» steht natürlich für das Urbane – schön veranschaulicht durch das Albumcover, das einen hübsch begrünten Gullydeckel samt verantwortlichem Musiker zeigt.
Stimmliche Vergleiche mit Michael Kiwanuka, Lenny Kravitz, Marvin Gaye und Curtis Harding drängen sich auf, verschmelzen aber butterweich zu Littles eigenem, einzigartigen Timbre. Wie es sich für eine gute Indie-Produktion gehört, gibt es auch genug Ecken und Kanten, die «Cityfolk» trotz seiner souligen Sanftheit zu einem packenden Album machen, welches man nach den 11 Songs und knapp 42 Minuten Spielzeit irgendwie gleich noch einmal hören möchte. Leicht vertrackte Rhythmen und hie und da eingesetzte Elektronica, um den rein akustischen Charakter aufzubrechen, schleichen sich heimlich und unaufhaltsam über deine Gehörgänge mitten ins Herz und aktivieren unmerklich deine Extremitäten.
Little croont sich so entspannt über komplexe Themen wie Selbstoptimierung («Be Better» mit Kam Franklin), politische Teilhabe («Let’s Get Involved» mit Lizzie No) oder Zwischenmenschliches («Cherry»), dass man sich fühlt, als würde man direkt mit ihm auf dem grünen Gullydeckel im Gras liegen – in der Hoffnung, diesen niemals mehr verlassen zu müssen. Probier’s aus!
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