
Xtra Mile Recordings / VÖ: 09. Mai 2025 / Folk-Punk
skinnylister.com
Text: Torsten Sarfert
Mit «Songs From The Yonder» liefern Skinny Lister ein Album, das die Live-Energie der Band in Reinform konserviert. Es klingt, als hätten sie ihren rohen und ungeschliffenen Sound direkt von der Bühne ins Studio verlegt. Dabei gelingt es ihnen, eine klangliche Brücke zwischen vogelwilden Pubs, weiten Küsten und melancholischer Reiselust zu schlagen. Die Songs klingen wie Geschichten, die zwischen zwei Guinness und einer Windböe erzählt werden. Mit viel Schweiss, Salz und Seemannsgarn.
Gleich zu Beginn setzt «Yorkshire Belle» ein Zeichen: ein energiegeladener Folk-Punk-Shanty, der nach Hafenstadt riecht und nach Kindheitserinnerungen schmeckt. Man spürt förmlich die Gischt im Gesicht. Es folgen Tracks wie «Set Us Straight» oder «Drinking Song», die stampfen, krachen und zum kollektiven Singen auffordern. Hier reissen die Londoner das Dach ab und lassen es mit Akkordeon, Kontrabass, Mandoline und allem, was vibriert ordentlich krachen.
Aber «Songs From The Yonder» ist mehr als ein Trinkgelage. Besonders in den ruhigeren Stücken entfaltet sich eine neue Reife. Das wunderbare «Tumbling Into Something» setzt Lorna Thomas’ rauchig-verletzliche Stimme perfekt in Szene und weckt dabei Erinnerungen an die grossartige Marianne Faithfull. Das titelgebende «Song From The Yonder» ist ein zart berührendes Duett zwischen Lorna und Dan Heptinstall, fast wie ein Gespräch im Morgengrauen nach einer durchzechten Nacht. In seiner Struktur und Stimmung erinnert es an das ikonische «Fairytale Of New York» von The Pogues, doch während Shane MacGowan und Kirsty MacColl ihre an Alkohol und Drogen gescheiterte Beziehung Revue passieren lassen, setzen Skinny Lister auf sanftere Zwischentöne und versöhnliches Miteinander.
Lyrisch bleibt das quirlige Quintett sich treu. So geht es um das Unterwegssein, das Weitermachen trotz aller Umstände und um die zarten, fragilen zwischenmenschlichen Bänder. Die Produktion ist erfrischend unpoliert und gibt dem Album jenen punkigen Charakter, den die Fans an der Band und ihren Live-Auftritten so lieben.
«Songs From The Yonder» trägt die DNA des Folk-Punks in sich und führt diese Tradition weiter, ohne in muffiger Nostalgie zu ersticken. Stattdessen spielt die Band den Folk-Punk ins Morgen. In diesem Sinne «Raise A Glass To Our Days – No More Minutes Left To Waste»!
![]() |


