
Loma Vista Recordings / VÖ: 2. Mai 2025 / Indie-Surf-Rock
skegss.com
Text: Torsten Sarfert
Manchmal stolpert man über Musik, die einen so unvermittelt packt, dass man sich fragt, wie sie bisher unbemerkt an einem vorbeiziehen konnte. „Pacific Highway Music“ von den Skegss ist genau so ein Fall. Bereits im März dieses Jahres flatterte die Ankündigung des neuen Albums ins proppenvolle Postfach, dazu eine kleine, aber feine Liste mit drei Tourdaten im benachbarten Deutschland. Alle längst ausverkauft. Bitte was? Wer sind diese Aussies, und warum habe ich noch nie etwas von ihnen gehört?
In Australien bereits 2024 erschienen, ist „Pacific Highway Music“ eine überbordende Sammlung dreckig-melodiöser Feel-Good-Songs. So frisch wie die Brise, die einem auf dem titelgebenden Pacific Highway ins Gesicht bläst, wenn man gerade mit dem Cabrio zum Surfen an den Strand von Byron Bay unterwegs ist. Ein sonnengetränkter Roadtrip entlang der australischen Küste, benannt nach der Strasse, die die Byron-Bay-Homies seit Jahren auf Touren und Surftrips begleitet. Mit Songs zwischen euphorischer Rastlosigkeit und nachdenklicher Schwere, klingen die Skegss dabei wie eine unbekümmerte Version von The Strokes zu ihren besten Zeiten. Kämen diese drei Sunnyboys nicht aus Down Under, sondern aus New York oder L.A., würden sie wahrscheinlich längst die grossen Hallen füllen und die Titelseiten der Musikmagazine zieren.
Zwischen psychedelischem, fuzzgetränktem Indie-Rock, lässigem Surf-Drive und fast folkigen Momenten entfalten die Skegss einen Klangkosmos, der sich in keine Schublade stecken lässt. Das ist sicher auch der Entstehungsgeschichte geschuldet: Demoaufnahmen in Joshua Tree mit Dave Catching (Queens Of The Stone Age) brachten klangliche Experimente, die im Studio weiterentwickelt wurden und in einem hyperorganischen, rotzfrechen Album mündeten, das gleichermassen unbekümmert, frisch und ausgereift klingt. Kein grosses Chichi, nur gute Songs, Instrumentierung auf den Punkt – und Groove! Da wundern die ausverkauften Konzerte nicht.
Übrigens: Eine besondere Ergänzung liefert die Ende Juni 2025 erschienene EP „Top Heavy“. Bei den sechs Songs treffen Country-Vibes auf entspannte Latin-Rhythmen, Cowbells und satte Trompeten-Linien sorgen für subtropisches Feeling. Bei „State Of Hawaii“ lässt Jack Johnson musikalisch freundlich grüssen, während „Blood In The Sky“ staubtrocken durch das australische Outback zieht und dem typischen Skegss-Groove eine flirrende Gelassenheit verleiht. „So Excited“ wiederum kann man sich problemlos auf einer grossen Festivalbühne vorstellen und es würde mich tatsächlich nicht wundern, wenn die lustigen Drei demnächst auf entsprechenden Line-Ups zu finden wären. Verdient hätten sie es allemal.
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