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Lucy Kruger & The Lost Boys – Pale Bloom

23/02/26
von David Spring

LucyKrugerAndTheLostBoys-PaleBloom

Unique Records / VÖ: 13. Februar 2026 / Indie, Art-Rock
lucykrugerandthelostboys.com

Text: David Spring

Was würde geschehen, wenn wir die Regierungschefs unserer Welt einfach mal für ein Wochenende in einen leeren Raum steckten? Kein Handy, keine Kameras, keine Berater, keine Schlagzeilen. Nur Stille. Würde das in unserer Dauerempörungsgesellschaft vielleicht zu etwas mehr Zurückhaltung und Reflexion führen, zu einem kurzen Innehalten, bevor wieder getwittert und eskaliert wird? Dieser Gedanke kam mir als Erstes, als ich mich durch «Pale Bloom», das neue Album von Lucy Kruger & The Lost Boys, hörte. Denn diese Platte tut genau das, was draussen so schmerzlich fehlt: Sie lässt die Ruhe sprechen.

Die Sängerin und Gitarristin Lucy Kruger zog 2018 von Südafrika nach Berlin und erkundet seither mit ihren Lost Boys die Welt zwischen Introspektion und explosiver Befreiung. Auf «Pale Bloom» scheint die Nadel in Richtung Innenschau auszuschlagen. Die Texte handeln von Verletzlichkeit und Selbstzweifeln, vom Bedürfnis nach Halt und der Angst vor Nähe. Es geht um dieses Ziehen in unserem tiefsten Innern, das wir im Alltag aus schierer mentaler Erschöpfung so gern übertönen. Krugers Stimme steht dabei im Zentrum und wirkt – mal flüsternd, mal kehlig beschwörend – wie ein sezierendes Instrument. Durch bewusstes Weglassen, subtile Betonungen und entblössende Intimität kreiert sie eine emotionale Wucht, die es in sich hat. Man nehme nur das formidable «Fawning», das nach vorne zieht und dich fesselt, obwohl dich die faszinierende Sängerin nur anhaucht und fleht: «Don’t forget me». Magisch!

Musikalisch überrascht «Pale Bloom» gerade wegen seines Minimalismus. Die Band arbeitet mit reduzierten Mitteln: zurückgenommene Gitarren, pulsierende Basslinien und sparsam gesetztes Schlagzeug. Dazwischen allerlei Soundscapes, die den Songs etwas mythisch Betörendes verleihen. So entsteht eine enorme Vielfalt, die durch beklemmende Intimität mehr Spannung aufbaut als jede Soundwand. Ambient-Flächen treffen auf post-punkige Trockenheit, fragile Balladen kippen unvermittelt in dichte, unter die Haut gehende Passagen. Man merkt, wie eingespielt dieses Kollektiv ist, wie genau es weiss, wann es schweigen und wann es aufbrechen muss. Ob in einem dringlichen, sinnlichen Werk wie «Ambient Heat» oder in einem düsteren, beinahe in Industrial abdriftenden Stück wie «Reaching»: jeder Ton, jedes Geräusch und vor allem auch jede Stille sind zwingend nötig und wirken niemals belanglos.

Die eigentliche Stärke des Albums liegt genau in diesem Spiel mit Dringlichkeit und Minimalismus. Der Opener «Bloom» benötigt weitestgehend nur eine sanfte Gitarrenmelodie und Krugers gespenstische Vocals, um sich direkt in deine Seele festzukrallen. Während andere Bands ihre Emotionen in immer grösser werdende Soundwände giessen, wählen Lucy Kruger & The Lost Boys den umgekehrten Weg. Sie reduzieren und lassen bewusst Luft, um Nachdruck zu verleihen. Darum ist es nicht leicht, die Musik mit der anderer Künstler:innen zu vergleichen. Vielleicht die grosse Laura Marling, stellenweise auch das vorzügliche Album «Invisible Empire/Crescent Moon» von KT Tunstall. Und dann wieder völlig eigen, wie im schaurig intensiven Zweigespann aus «Woolf», dem rockigen Highlight der Platte, und «Ghosts», einem cineastischen Abtaucher in die Abgründe der Emotionen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines faszinierenden, einzigartigen Albums. «Pale Bloom» ist niemals aufdringlich, dafür aber umso eindringlicher. In einer Zeit, in der alle ständig etwas sagen und sich lautstark beweisen wollen, entscheidet sich diese Band bewusst dafür, Ruhe zu bewahren. Genau darin liegt die Stärke. Lucy Kruger & The Lost Boys liefern mit ihrem siebten Studioalbum ein Werk, das nachhaltig nachhallt und dich nicht so bald wieder loslässt. Ein faszinierendes, nicht zu überhörendes Statement für Stille in einer viel zu lauten Welt.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Art Rock, David Spring, Indie, Lucy Kurger & The Lost Boys, Pale Bloom, Pop

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