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Erin Osmon – Won’t Back Down: Heartland Rock and the Fight for America

07/05/26
von Torsten Sarfert

Erin Osmon - Won't Back Down: Heartland Rock and the Fight for America

WW Norton & Co / ISBN: 978-1324051374
Autorin: Erin Osmon / Amerikanische Originalversion

Text: Torsten Sarfert

Das uramerikanische (Sub-)Genre «Heartland Rock» dürfte hierzulande den meisten weitgehend unbekannt sein, dessen populärste Vertreter sind es sicherlich nicht: Keine Geringeren als Bob Seger, Tom Petty, Bruce Springsteen und John Mellencamp begründeten und prägten Ende der 70er-Jahre diese politische und rockigere Version von Folk und Country. Zentrale Themen waren (und sind) der «American Dream», das entsprechende alltägliche Leben der Arbeiterklasse und soziale Ungerechtigkeit. Der titelgebende Hit «Won’t Back Down» des streitbaren Tom Petty ist selbstverständlich nicht zufällig gewählt, fokussiert er doch in unmissverständlicher Weise das aufmüpfige, kämpferische Wesen des Heartland Rock.

Genrespezifische Entstehungsgründe, Einflüsse und fliessende Grenzen zu anderen Genres lassen sich oft nur bei eingehender Betrachtung von Künstler:innen und deren Texten erkennen. Dieser umfangreichen Aufgabe hat sich nun die renommierte und mehrfach ausgezeichnete Musikjournalistin Erin Osmon angenommen. Dafür hat sie sich die prägendste Dekade – nämlich jene der 80er-Jahre – herausgesucht und das Buch chronologisch und konsequent in zehn Kapitel gegliedert. Mit viel Liebe zum Detail und natürlich zum Genre beschreibt sie in «Won’t Back Down: Heartland Rock And The Fight for America» Ursprünge, Entwicklungen und Auswirkungen jenes Musikstils, der weit mehr ist als eine hemdsärmelige, massentaugliche und härter rockende Version eines Bob Dylan – zudem oft sträflich missinterpretiert als jubelpatriotischer MAGA-Soundtrack. Bestes Beispiel hierfür ist Springsteens ikonischer Hit «Born In The U.S.A.», dessen Geschichte natürlich ebenfalls im Buch Erwähnung findet.

Nicht nur, wer sich immer noch über den – aus gegebenem Anlass aktuell heftig aufgeflammten – politischen Aktivismus eines Bruce Springsteen wundert, sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Auch diejenigen, die mehr über die politischen Umstände in den von den «Reaganomics» geprägten 80er-Jahren erfahren wollen, über den damit einhergehenden «Recession Rock», den omnipräsenten US-amerikanischen Rassismus und die entsprechenden Reaktionen und Errungenschaften der Heartland-Rocker, kommen an diesem einzigartigen und fundierten Werk nicht vorbei.

Bei aller Ernsthaftigkeit liefert Osmon auch viele unterhaltsame Anekdoten, und man erfährt unter anderem, warum Bryan Adams (als Kanadier eher der Exot unter den Heartlandern) vom «Summer of ’69» schwärmt oder welchen vermutlich karriereruinierenden Titel John Mellencamp seinem Hit-Album «American Fool» ursprünglich nicht geben durfte.

Osmon widmet sich auch der nicht weniger wichtigen Rolle der eher unterrepräsentierten weiblichen Vertreterinnen und derer der LGBTQ-Szene. Das ist umso bemerkenswerter, da das Genre hauptsächlich von «old white males» besetzt ist. Die Verfasserin der Biografien von John Prine und Jason Molina sowie Mitarbeiterin der Country Music Hall of Fame in Nashville, Tennessee, kann dabei aufgrund zahlreicher selbst geführter Interviews aus dem Vollen schöpfen. Oft schlägt sie ausserdem einordnend den Bogen zur gesellschaftspolitischen Gegenwart der USA und gewährt so einen tiefen Einblick in das Herz des Landes (sic!).

«Keep on rocking in the free world», forderte Neil Young Ende der 80er-Jahre seine Fans auf. Im Interview mit Osmon fragt er sich allerdings: «How free is the free world anyway?» Möge die Unbeugsamkeit der Heartland-Rocker und ihr Kampf für Amerika dafür sorgen, dass solche Fragen weiterhin öffentlich und straffrei diskutiert werden dürfen und die Quelle grossartiger und relevanter Songs niemals versiegt. In diesem Sinne: «Don’t Back Down!»

 
Eingeordnet unter Weitere-Rezension Schlagworte: Anderes, Bücher, Erin Osmon, Rock, Torsten Sarfert, Won’t Back Down: Heartland Rock And The Fight For America

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