
Rounder Records / VÖ: 13. März 2026 / Folk
foyvance.com
Text: Torsten Sarfert
Das Album «The Wake» des in Nordirland geborenen und in Schottland lebenden Singer-Songwriters Foy Vance bildet den Abschluss einer 26-jährigen künstlerischen Reise, die 1999 mit dem Tod seines Vaters begann. Der reisende Prediger, der mit seiner Familie in den Süden der USA zog und somit auch für die transatlantischen musikalischen Einflüsse mitverantwortlich war, prägte Vances Kindheit nachhaltig. In Anlehnung an den Spruch seines Vaters – «Gib mir den Jungen, bis er sieben ist, und ich zeige dir den Mann» – erschuf der Sohnemann daraus ein Projekt aus sieben Alben, die jeweils eine Phase seiner Entwicklung widerspiegeln und mit «The Wake» ihren Abschluss finden sollten.
Inhaltlich kreisend um Verlust, Sinnsuche und die Frage, was vom Menschen in einer zunehmend von Technologie geprägten Welt bleibt, zieht sich der Tod des Vaters als Echo durch Themen wie Glauben, Identität und Verantwortung. Jedoch nähert sich Vance diesen Fragen ohne religiöse Gewissheiten und Dogmen. Seine Perspektive bewegt sich vielmehr zwischen seiner spirituellen Prägung und einer skeptischer Distanz, wodurch Gott eher als offene Frage, denn als Antwort begriffen wird («I Think I Preferred The Question»).
Dabei werden zeitgenössische Themen über künstliche Intelligenz, Geld und digitale Kommunikation aufgegriffen und ein Bild einer Welt gezeichnet, in der die menschliche Erfahrung und Entwicklung auf den Prüfstand gestellt wird. Besonders im eruptiven Opener «A.I.» wird die Unersetzbarkeit menschlicher Imperfektion der Effizienz technologischer Systeme gegenübergestellt. Ein sprichwörtlich disruptiver Einstieg in ein Album, welches im weiteren Verlauf eher auf Harmonie und Sanftheit setzt. Stücke wie «Call Me Anytime» oder «Hi, I’m The Preacher’s Son» bleiben hingegen nah an familiären Beziehungen und zeigen Vance als reflektierenden Vater und Sohn. Und mit den beiden lupenreinen Gospels «I Ain’t Sold On Time» und «Bathed In Light» schuf sich eben jener «Preacher’s Son» mal eben sein eigenes Evangelium.
Produziert von Ethan Johns verbindet «The Wake» sehnsüchtigen Folk, heilenden Gospel-Soul und ungeschliffenen Southern Blues zu einem warmen, direkten Klangbild, das zwischen Intimität und Intensität schwankt und eine dichte, immersive Atmosphäre erzeugt. Statt klare Antworten zu liefern, durchläuft Songwriter, Maler und Filmemacher Vance einen musikalischen Prozess des Suchens und Verarbeitens. Das ist weniger ein abgeschlossenes Statement als ein Zustand, in dem sich persönliche Trauer, philosophische Reflexion und gesellschaftliche Unsicherheit überlagern.
Als Abschluss seiner Werkreihe wirkt Foy Vances «Totenfeier» wie ein stilles Ankommen mit leiser, universeller Hoffnung und transzendentaler Religiosität. Ein äusserst atmosphärisches Werk, auf das wahrscheinlich auch der verstorbene Vater sehr stolz gewesen wäre. Mission erfüllt.
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