
Gaswerk – Winterthur
Freitag, 6. März 2026
Text: Roger Strebel / Bilder: Christian Wölbitsch
Auf den ersten Blick und von aussen betrachtet scheinen die Mitglieder der Londoner Band Dream Nails als Menschen kaum unterschiedlicher sein zu können. Aber vielleicht bildet ja genau diese vermeintliche Unterschiedlichkeit die Basis für deren Art des durchaus selbstbewussten, aber immer ehrlichen und vor allem herzlichen Auftretens und die ganz eigene Interpretation von Punk. Das feine Gespür der Band für eingängige Melodien und Gesangsharmonien verleiht den Songs einen Hauch von Punk-Nostalgie aus den 1980er und 90er Jahren. Gleichzeitig wirken die Lieder auf Grund ihrer mal holzschnittartigen, mal komplexen und variantenreichen Struktur irgendwie erwachsen. So oder so trugen Dream Nails am vergangenen Freitagabend im Gaswerk Winterthur die einzelnen Tracks mit so viel Verve vor, dass man gar nicht anders konnte, als die Band von Beginn an ins Herz zu schliessen. Das Herumreichen eines Hufeisens als Symbol für Glück und Schutz, das Verschenken eines Sets Drum-Sticks, verbunden mit dem Aufruf, kreativ zu werden, Musik zu machen und eine Band zu gründen, oder die Charme-Attacke rund um das neue Album «You Wish» trugen das ihre zu einer schon fast familiären Stimmung bei.
Bis Mimi (Gesang, Bass), Anya (Gitarre), Lucy (Schlagzeug) und Alex, der die Band nicht nur mit Gitarre und Keyboard unterstützt(e), sondern auch sicher von A nach B fährt, Songs aus dem neuen Album spielten, präsentierten Dream Nails einen kleinen Querschnitt durch das selbstbetitelte Debütalbum von 2020 und «Doom Loop» aus dem Jahr 2023. Und dann war es Zeit für «You Wish». Wie Lucy mit einem Augenzwinkern bemerkte, hat es das Album, in dem die Band Themen wie Resilienz, Technologie-Angst oder Wissenschaftsgläubigkeit behandelt, in den Englischen Album-Charts bis auf Platz 97 geschafft. Songs wie «Organoid» oder «House Of Bones» warten dabei mit knackigen Bass-Linien auf, was mich als Neo-Bassisten natürlich besonders begeisterte. «You Wish» beinhaltet aber auch ruhige Songs wie «The Spirit Does Not Burn».
Ganz die selbstbewusste (aber das hatten wir ja schon) queer-feministische Punkband beendeten Dream Nails den Gig ohne Zugabe, dafür mit einer extended Version von «The Information» (ebenfalls aus «You Wish»), den Abend. Und da war noch einmal eine dieser Basslinien. Grossartig.
Apropos Selbstbewusstsein. Da waren auch noch Tupfen aus Zürich, die den Konzertabend eröffneten und tatsächlich zum allerersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen; vom Bandraum direkt auf die Bühne, wie mir Gitarrist Simon nach dem Konzert versicherte. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Tupfen, die seit gut einem Jahr als Band unterwegs sind, bestanden das Gesellenstück mit Bravour! Natürlich waren eine gewisse Nervosität und Zurückhaltung spürbar, und beim Song «Blaues Licht» mussten Tupfen einen zweiten Anlauf nehmen. Aber hey: letzteres passiert auch gestandenen Profis, die schon hunderte, um nicht zu sagen, tausende von Gigs mit im Gepäck haben.
Tupfen bezeichnen sich selber als Indie Band und tönen in der Tat genau so, wie ich mir Indie Musik vorstellt; was auch immer das genau bedeuten mag. Im November letzten Jahres habe sie mit «Stellt sich die Frage» einen ersten Song herausgegeben, im April 2026 werden sie «Genpool» releasen. In ihrem Set spielten Tupfen noch fünf weitere Songs und zogen mit ihren tanzbaren Grooves und ihrem sympathischen Auftreten das Publikum im Nu in ihren Bann. Man darf also gespannt sein, was von Tupfen, bei denen mit Marie (Bass) und Rahel (Schlagzeug) zwei Frauen den Takt angeben und mit Janic und Simon die Jungs für Gesang und Gitarre sorgen, als nächstes das Licht der Welt erblicken wird.

































































