ARTNOIR
  • Berichte
    • Konzertberichte
    • Fotoreportagen
    • Interviews
    • Weitere Berichte
    • Bild-Archiv
  • Rezensionen
    • Musik
    • Alles andere
  • Backstage
    • Kontakt
    • Team
    • Join Us
    • Support Us
  • Kalender
  • Playlisten

Tropical F**k Storm – Fairyland Codex

21/06/25
von David Spring

TropicalFuckStorm-FairylandCodex

Fire Records / VÖ: 20. Juni 2025 / Avantgarde, Noise-Rock
Facebook

Text: David Spring

Der Planet kippt aus der Bahn, das Internet implodiert in einer pyroklastischen Wolke aus Fake News, Verschwörungstheorien und abtrünnigem Hass. Dazu tönt aus dem Lautsprecher ein schräger Chor aus Wut, Wahnsinn und Witz. Willkommen im «Fairyland Codex», einem Märchenwald der Dissonanzen, bevölkert von verlorenen Seelen, die lieber tanzen als kapitulieren. Und wer hat das zu verantworten? Sei ehrlich: Würde es dich wirklich überraschen, wenn die Antwort darauf eine Band ist, die sich Tropical F**k Storm nennt? Na also!

Die aus Melbourne stammende Combo ist, gelinde gesagt, bizarr. Irgendwo zwischen Noise Rock, Avantgarde und Post-Punk zu Hause, liefern sie seit 2017 Apokalypse und Groove, Nihilismus und tanzbaren Eskapismus. So jedenfalls die Legende, das neue Werk bricht nämlich, wie nicht anders zu erwarten, mit sämtlichen Erwartungen. Der Opener «Irukandji Syndrome» ist ein vertrackter Dark-Funk-Track mit knatterndem Bass und Gareth Liddiards bedrohlichem Bariton. Danach bist du wohlig nervös und zerrüttet, sodass dich «Goon Show» gleich völlig auf dem falschen Fuss erwischt. Der Drum’n’Bass-Beat erinnert an The White Stripes oder Death From Above 1975, Kitschins gospelartige Stimme und Liddiards monotone Spoken-Word-Performance wirken wie gefährliche Gegenpole, bis dich das «Gitarrensolo» gegen Ende hin dann wieder komplett aus der Bahn wirft. Soweit so TFS.

«Stepping On A Rake» hält sich noch mehr zurück und bietet mit spärlichem Gesang viel Raum für grosse Gitarren und noch grössere Gefühle. Trotz schmerzhaftem Titel ist der Film-noir-Western-artige Song ein Liebeslied. «Teeth Marché» geht danach luftiger zur Sache. Kitschin übernimmt die Lead-Vocals und zieht den Talking-Heads-Funk mit Coolness nach vorne. Doch auch hier bleibt die Band vergleichsweise geradlinig und zurückhaltend. Natürlich ist das kein massentauglichen Pop, wie etwa der Titeltrack mit seinen neun Minuten Länge und verstörenden Polka-Ausbrüchen zeigt. Doch ist «Fairyland Codex» weniger wilder Rundumschlag als ein zwar skurriles, aber verständliches Gesamtkunstwerk. Die ganz grossen Kapriolen früherer Alben fehlen, dafür wirkt die Platte dieses Mal beinahe erwachsen.

Das exzentrischste Stück ist «Dunning Kruger’s Loser Cruiser», für mich zugleich das schwächste. Repetitiv und mühsam trifft es eher, vor allem, da sich die endlos wiederholenden Textfetzen der gewohnt spitzen Zunge entbehren. Und an Zappas Dadaismus reichts dann halt doch nicht heran. Zum Glück kriegt «Bloodsport» aber wieder die Kurve und zeigt sich zwischen glorreich kruden Solos, funkigen Gesängen und unwiderstehlichem Groove als das heimliche Highlight der Platte. Danach folgt das verspielt lakonische «Joe Meek Will Inherit the Earth», bevor uns «Bye Bye Snake Eyes» dann auf einmal in einen Western-Film entführt. Das alles ist meist so verwirrend wie es faszinierend ist.

Tropical F**k Storm machen ihrem Namen alle Ehre und hinterlassen mehr Fragezeichen als Antworten. Der schummrig, bedrückende Closer «Moscovium» ist erneut mehr Filmsoundtrack als in einem klar definierten Genre zu Hause. Es ist erstaunlich, wie es dieser Band gelingt, so effektiv musikalisches Chaos zu verbreiten und dabei trotzdem kohärent zu wirken. Nicht alles gefällt oder gelingt, aber egal. Inmitten der Flut belangloser Plastikmusik tut es gut, mal wieder etwas so sperrig Eigenständiges zu hören. Die Welt steht eh am Abgrund, wozu also versuchen, krampfhaft normal bleiben?

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Experimental, Fairyland Codex, Progressive, Rock, Tropical F**k Storm

Veranstaltungen

  • 09.01.26
    DMB Records Label Night
    Werk 21, Zürich
  • 09.01.26
    Namaka
    Gaskessel, Bern
  • 10.01.26
    Cray
    Böröm, Oberentfelden
  • 13.01.26
    Burning Witches
    Mühle Hunziken, Rubigen
  • 14.01.26
    Burning Witches
    Salzhaus, Brugg

  • Impressum
  • Newsletter
   

Copyright © 2026 ARTNOIR | Code by momou!