
Universal Music / VÖ: 10. Juli 2026 / Rock
rollingstones.com
Text: Torsten Sarfert
Mit «Foreign Tongues» liegt nun nach 64 Dienstjahren das 25. Studioalbum der unkaputtbaren und ultimativen Rock’n’Roll-Dinos The Rolling Stones vor. Publikums- und Presseecho sind erwartungsgemäss gewaltig. Natürlich stehen wie immer Cover, Produktion, Songauswahl, Texte, Videoproduktionen, Relevanz, Vermarktung (es gibt sogar eine FIFA-Edition des Albums! *smh*) auf dem meist ausschliesslich emotionalen Prüfstand.
Derweil lächelt sich das aus Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood bestehende Kerntrio in den Schlaf – und Mick Jagger zusätzlich aus der FIFA-VIP-Lounge in die TV-Kameras. Titelseiten vom Rolling Stone bis hin zum Coop-Magazin (!) versprechen exklusive Einblicke und Informationen, die die Welt weder kennt noch entbehren kann.
Ebenfalls erwartungsgemäss chartet «Foreign Tongues» dann auf Platz 1 der weltweiten Kernmärkte. Kein Wunder haben es die alten Herren mit einer derartigen Maschinerie wieder einmal geschafft. Dazu noch Studiogäste wie Paul McCartney am Bass, Robert Smith an irgendeiner Gitarre, Benmont Tench und Steve Winwood an diversen Tasteninstrumenten, ein letzter posthumer Song mit Charlie Watts an den Drums sowie Coverversionen von Amy Winehouses «Love Is a Losing Game» und Chuck Berrys «Beautiful Delilah». Da kann ja einfach nichts schiefgehen.
Tut es dann tatsächlich auch nicht. Denn «Foreign Tongues» bündelt einfach alles, was die Glimmer Twins & Co. zu dem machte, was sie bis heute sind: die dienstälteste und immer noch hochklassigste Rock’n’Roll-Band der Welt.
Vom bluesig-rotzig, rumpelnden Album-Opener «Rough And Twisted» bis zu besagtem Chuck-Berry-Cover – ebenfalls in bester schepprig-sumpfiger Country-Blues-Manier – ist alles dabei, was beim geneigten Stones-Fan zu tonnenweiser Dopaminausschüttung und anschliessend in den digitalen oder analogen Fachhandel führt (oder umgekehrt): Rock, Blues, Soul und «Sticky Fingers»-Country-Blues («Ringing Hollow» inklusive implizierter Trump-Kritik) ohne jegliche altersbedingten Abnutzungserscheinungen.
Im Gegenteil: Mick Jaggers Stimme klingt frischer denn je (auch im Falsett beim hitverdächtigen «Jealous Lover»), und auch an seiner schneidenden Blues Harp gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Keef klampft und rifft sich in gewohnt lässiger und schlafwandlerischer Coolness durch alle 14 Tracks und überrascht bei «Some Of Us» mit knarzigem, aber vergleichsweise stabilem Gesang. Ronnie wiederum lässt – nicht nur auf Zuruf wie bei der epischen Soul-Blues Nummer «Side Effects» – den Bottleneck gleiten, dass es eine wahre Freude ist.
Produzent Andrew Watt liess darüber hinaus noch die versammelte Mannschaft gemeinsam antreten und das komplette Album live einspielen. So entstand – trotz wiederholtem Watt’schen Loudness-War – ein wunderbar organisches und knackiges Werk auf der Höhe der Zeit, an dem es beim besten Willen nichts auszusetzen gibt. Höchstens am seltsam anmutenden Albumcover. Aber das ist ja eine andere Geschichte.
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