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Morphine Ridges – Bodies And Distance

15/09/25
von Torsten Sarfert

Morphine Ridges – Bodies And Distance

Jukebox Baby Records / VÖ: 15. September 2025 / Desert-Dreampop
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Text: Torsten Sarfert

Der Bandname Morphine Ridges ist Programm: bildlich trifft süsse Schmerzbetäubung auf raue, über Jahrmillionen aufgeworfene Bergkämme. Musikalisch übersetzt wird das von dem in Berlin ansässigen, internationalen Quintett in tranceartige, fieberwahnhafte Sounds aus träumerisch perlenden Wüstenrock-Gitarren, die sich in Superzeitlupe zu scharfkantigen, psychedelischen Distortion-Gewittern mit dissonanten Echos hochschrauben. Jeder einzelne der zehn Songs fühlt sich an wie eine Reise von ergreifender Schönheit mit ungewissem, nebelverhangenem Ziel.

Das Debütalbum «Bodies and Distance» ist wie ein Soundtrack zu dem Western, den David Lynch nie gedreht hat. Die atmosphärischen Echo-Gitarren ziehen wie ferne Stimmen über staubige Ebenen und Luis De Cicco lässt seine Lap-Steel-Gitarre gleichzeitig klagen und trösten. Dazu die Stimmen von Andreas Miranda und Verita Egert: brüchig, sehnsüchtig, manchmal kaum mehr als ein Flüstern – wie ein Windstoss, der die Stille zerschneidet.

Man spürt die Melancholie von Townes Van Zandt, die spröde Schönheit von Calexico und den cineastischen Schatten Ennio Morricones, gebrochen durch das psychedelische Prisma der Morphine Ridges. Es ist diese Mischung aus vertraut, eingängig und umarmend und den unerwarteten, überraschenden Twists, die den Sog erzeugt. Zunächst meint man, die umschmeichelnde Form der Songs zu erkennen, aber sie verzieht und verändert sich, wird gespenstisch, vernebelt und sorgt so für einen durchgängigen Spannungsbogen und permanente, wohlige Schauer.

Die Balladen sind spröde, manchmal fast unbeholfen schön, so, als wollten sie gar nicht unbedingt gefallen, sondern einfach sie selbst sein. Gerade darin liegt ihre Kraft: Sie verlangen Zeit, verlangen Aufmerksamkeit. Wer sich auf «Bodies And Distance» einlässt, wird hineingezogen in eine Landschaft, die keinen klaren Horizont kennt, in der alles zwischen Erinnerung und Fiebertraum verschwimmt.

Die Berliner Mischung aus Shoegaze, Dreampop und psychedelischer Western-Schwermut wirkt wie das namensgebende Morphin, ist wohl auch ähnlich suchtfördernd, aber garantiert wesentlich gesünder.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Bodies And Distance, Morphine Ridges, Shoegaze, Torsten Sarfert, Wave

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