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La Dispute – No One Was Driving The Car

08/09/25
von Michael Messerli

La Dispute - No One Was Driving The Car

Epitaph Records / VÖ: 5. September 2025 / Post-Hardcore
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Text: Michael Messerli

Kontrollverlust ist oftmals schwer auszuhalten. Und dennoch geben wir die Kontrolle manchmal bereitwillig ab. Denn mit ihr kommt auch Verantwortung. Für die Dinge, die geschehen – oder die nicht geschehen. «No One Was Driving The Car» könnte es dann heissen, wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall baut. Wer die Kontrolle hat, trägt auch die Schuld und wer unsere globale Gemeinschaft genau beobachtet, der merkt, dass sehr bald nach Schuldigen gesucht wird, wenn etwas passiert. Vielleicht ist es deshalb zuweilen einfacher, die Kontrolle abzugeben oder sich nach einer Kontrollinstanz zu sehnen. Das fünfte Album von La Dispute ist ein Konzeptalbum, das sich zwischen Verzweiflung und Hoffnung bewegt. Inspiriert vom Film «First Reformed» von Regisseur Paul Schrader. Mit diversen Spannungsfeldern.

Eines davon ist eine andere Form von Glauben, die Zuversicht verspricht: Der Glaube an den Fortschritt. Wenn man aber gleichzeitig weiss, dass alles, das fortschreitet, unweigerlich auf den Tod hinausläuft, verliert auch dieser seinen Trost. Es ist lediglich eine Flucht nach vorne, denn es ist die einzige Richtung, in die das Wasser fliesst. Verbunden mit der Hoffnung, mit Innovation möglichst wenig an dieser Richtung ändern zu müssen. Ja, «No One Was Driving The Car» kann einen zu solchen oder ähnlichen Gedanken führen. Es ist anspruchsvoll und den Zugang findet man, wenn man sich von den Worten tragen sowie treiben lässt. Oder wenn man die vierzehn textlastigen, nichtlinearen Songs wie Filmszenen vor dem inneren Auge abspielen lässt. Nur: Wer führt Regie?

Am meisten drängt sich Sänger und Texter Jordan Dreyer als Antwort auf, denn die Musik folgt seinen Zeilen. Er erzählt die Geschichten. Manchmal schon fast mit einer Andeutung von Gesang («Autofiction Detail»). Die Band begleitet ihn wieder etwas heavier und verzerrter als auf den beiden Vorgängeralben. Man könnte auch sagen, sie verbindet das Beste aus den bisherigen Werken. Aber es bleibt im Gegensatz zum Meisterwerk «Wildlife» eine verkopfte Sache – oder um präziser zu sein: eine literarische. Denn das ist der Anspruch, so dass Dreyer tatsächlich manchmal klingt wie der John K. Samson des Post-Hardcores. Und das ist ein Kompliment. «No One Was Driving The Car» erschliesst sich einem nicht in ein paar Durchgängen. Erst einige Monate später wohl wird sich zeigen, was davon bleibt. Für den Moment ist es ein ungutes Gefühl in der Magengrube sowie die Erkenntnis, dass es Zeit ist, die Kontrolle zurückzuerlangen – und Verantwortung zu übernehmen.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: La Dispute, Michael Messerli, No One Was Driving The Car, Post-Hardcore, Punk

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