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Jay Buchanan – Weapons Of Beauty

05/02/26
von Torsten Sarfert

Jay Buchanan - Weapons Of Beauty

Sacred Tongue Records / VÖ: 6. Februar 2026 / Americana
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Text: Torsten Sarfert

Hand aufs Herz: Wer würde gerade nicht am liebsten einfach in einem Erdloch in der Wüste verschwinden und eine Auszeit vom omnipräsenten Wahnsinn der Welt nehmen?

Jay Buchanan – seines Zeichens Sänger und Frontmann der kalifornischen Hardrocker Rival Sons – hat genau dies getan. Für gleich drei Monate zog er sich in die Mojave-Wüste zurück und schrieb in einem unterirdischen, fensterlosen Bunker einer ehemaligen Goldmine die Songs für sein Solo-Album «Weapons Of Beauty». Man kann also durchaus von einem Kontrastprogramm zu einem sonst von Stress und Hektik geprägten Tourleben sprechen – sei es als Hauptact oder als Support von Grössen wie beispielsweise Black Sabbath oder den Rolling Stones.

In meditativer Abgeschiedenheit, demütigem Feuerschein und «sowohl erschreckender als auch befreiender» Stille (Buchanan), schrieb der Rock-Eremit introspektive Songs über Verlust, Sehnsucht, Ausdauer und die Suche nach Sinn. Songs, die nicht wie mit den Rival Sons von hochoktanigen Rock’n’Roll-Verbrennermotoren angetrieben werden, sondern mit dem Nötigsten versorgt von einem pantheistischen Americana-Gasgenerator. Herausgekommen ist bei allem Minimalismus trotzdem nichts weniger als das cinemaskopische Debüt eines Sängers, das heller und erhabener strahlt als die Milchstrasse über dessen staubigem Übergangsdomizil. Okay, das sind jetzt grosse Worte – aber «Weapons Of Beauty» ist auch ein wahrlich grosses Album.

Schon mit dem ergreifenden Opener «Caroline» öffnet Buchanan mit seiner Stimme ungeahnte, epische Räume, kongenial inszeniert von Begleitmusikern, für die das grosse Ganze offenbar die einzige Bestimmung ist. Alles atmet, vibriert, pulsiert und fühlt sich an wie ein musikalischer Perseidenschauer. Voraussetzung zur Erfassung dieses transzendentalen Ereignisses ist allerdings die Bereitschaft, sich mental ebenfalls in karge Klausur zu begeben. Sprich: Dies ist kein Album für zwischendurch, kein Album für Low-Quality-Streaming, sondern für das ganz grosse Kino. Und das lebt nun mal von der Abwesenheit äusserer Einflüsse. Oder wie in «High & Lonesome» besungen: «I’m rolling one last smoke – and sit by the fire light – I’m high and lonesome  – and the desert’s too quiet».

Für die ungeteilte Aufmerksamkeit wird man mit zehn ergreifenden musikalischen Kurzfilmen zwischen Southern Soul, Blues, Folk und Gospel belohnt – getragen von einer Stimme, die einen in den sprichwörtlichen Bann zieht. Denn bei all dem breitwandigen Drama, das «Weapons Of Beauty» bereithält, lässt sich nicht leugnen, dass Jay Buchanan momentan einer der grossartigsten Rock-Sänger ist. Dies bezeugen sämtliche Eigenkompositionen ebenso eindrücklich wie das Leonard-Cohen-Cover «Dance Me To The End Of Love». Letzteres macht sich der Kalifornier komplett zu eigen und weckt dabei Erinnerungen an Van Morrisons «Into The Mystic».

Mindestens genauso stark, wie das Album mit «Caroline» begonnen hat, endet es mit der nur von Klavier und Streichern begleiteten, titelgebenden Hymne «Weapons Of Beauty», die es in ihrer Intensität locker mit Nick Cave-scher Dramatik aufnehmen kann. Welche diese «Waffen der Schönheit» sind und gegen wen oder was sie eingesetzt werden sollen, drückt Buchanan folgendermassen aus: «Give me the songs – to sing in the fight – these weapons of beauty – will destroy the night». Dabei wirkt das finale leise Klicken des Fusspedals wie ein sanfter Aufruf zu eben diesen Waffen. Mögen sie universellen Frieden bringen. Jay Buchanan ist dies immerhin für knappe 50 Minuten gelungen.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Americana, Jay Buchanan, Rival Sons, Rock, Torsten Sarfert, Weapons Of Beauty

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