
Grand Hotel van Cleef / VÖ: 20. Februar 2026 / Post-Hardcore
www.fjort.de
Text: Michael Messerli
Fjørt sind das notwendige Störgeräusch, wenn du wieder einmal in der Optimismusfalle feststeckst. Es geht auf «Belle Époque» nicht um Schönklang. Es geht um Widerstand, um dich und schliesslich um alles. «Weil wir Menschen schaltbar sind». Da musst du dann einfach durch, vielleicht auch einfach mal die Klappe halten und zuhören. Weil sich nicht alles um dich dreht und schon gar nicht um deine Meinung – wenn es denn überhaupt noch eine Meinung ist. Da du aber in einer Rezension nicht still sein kannst, darfst du dich von Fjørt angesprochen fühlen – und dich anzünden lassen. «Nimm dir das Öl für deine Stimme/ Doch das Feuer, das bin ich».
Und wenn du dann brennst, dann frag dich, wofür. Sicher für das hier, für solche Texte. Als Pazifist kämpfst du mit Worten. «Die Hoffnung ist ein Schlachtfeld». Aber reicht das? Ist das genug? Das fragten Fjørt bereits auf dem überragenden Vorgänger «Nichts». Du brauchst das Licht sowie die Wärme, die du spenden solltest, manchmal selbst. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Aber warum nur warten wir kollektiv immer, bis etwas schon passiert ist? «Wenn wir dann könnten, dann können wir nicht mehr».
«Belle Époque» geht brutal mit dir ins Gericht und zusammen mit dir in einer Lärmkulisse unter. Bis du sechs Fuss unter der Erde mit dem Teufel zum Fegefeuer der toxischen Männlichkeit tanzen musst. Sollte sich die Welt für dich dort angenehm anfühlen, wie eine Sauna mit einer Abkühlung im Infinity-Pool, dann hast du in deiner Wohlstandsverwahrlosung den Schuss nicht gehört. Aber natürlich sind die anderen Schuld. Nur ab wann ist dein Bauch genügend bis zum Hals gefüllt, bevor du deinen Kopf verlierst?
«Wenn man’s genau nimmt/ Sind wir das Ende». Du kannst auf «Belle Époque» gerne nach der emotionalen Tiefe graben, sie finden oder vermissen. Es geht aber nicht um Rührseligkeit oder darum, deinen FOMO-Schmerz zu lindern. Es muss erst weh tun, bevor du dich bewegst. Also beweg dich. Nicht zu dieser Musik. Sondern gegen das sich etablierende Vergessen und die Menschenverachtung. «Wir leben in Hakenkreuzzeiten».
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