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Die Toten Hosen – Trink aus! Wir müssen gehen / Alles muss raus!

31/05/26
von Torsten Sarfert

Die Toten Hosen - Trink aus! Wir müssen gehen / Alles muss raus!

JKP / VÖ: 29. Mai 2026 / Deutsch-Punk
dth.de

Text: Torsten Sarfert

Das letzte reguläre Studioalbum der Toten Hosen beginnt ironischerweise mit einem Song von und mit Oberarzt Farin Urlaub. «Hier sind die Hosen» zieht damit einen eleganten Strich unter die vermeintliche Rivalität der beiden grössten deutschen Punkbands und stellt ganz unbescheiden fest: «Viele Metamorphosen – jetzt am Zenit». Weiter heisst es darin: «Wir sind die Hosen und wir singen euch ein Lied – für die Ewigkeit.» Das ist allerdings untertrieben, denn auf dem Schwanengesang «Trink aus! Wir müssen gehen» finden sich gleich 16 Original-Songs plus ein Bonus-Album, vollgepackt mit weiteren 25 von den Hosen kuratierten Cover-Songs mitsamt Features der Original-Interpret:innen. Alle für die Ewigkeit.

Die Opel-Gang feuert bei den Eigenkompositionen mit Ansage aus allen Rohren, die man von den einstigen Schrammel-Punks kennt: Punk, Rock, Indie und – nun ja – etwas Schlager. Bewährte Unterstützung auf Textseite gab es erneut von Marteria und bei der Produktion von Vincent Sorg. Ein zweites «Tage wie diese» ist nicht dabei, an grossen Emotionen fehlt es jedoch beileibe nicht. Im Gegenteil: Ob Gesellschaftskritik, Trauerbewältigung, Hoffnung, Glück oder einfach nur Spass an der Freude – kernkompetent schaffen es die Hosen, all diese Themen in grosse, unpeinliche Hymnen zu giessen und auf der Emotionsklaviatur sämtliche Tasten zu drücken, die für ein zünftiges Abschiedsalbum nötig sind.

Bei «Augen zu (Es regnet Blumen)» bleibt kein Auge trocken und bei «Wir waren nie weg» keine Luftgitarre ungespielt. Während der Songs «Die Show muss weitergehen» oder «Schlechte Nachbarn» checkt man sicherheitshalber noch mal seinen E-Mail-Posteingang mit den Tickets fürs kommende Konzert, und beim augenzwinkernden «Lass mal nicht machen» grüsst Drummer und Ex-Dr. & The Medics-Mitglied Vom Ritchie mit einer «Spirit in the Sky»-Referenz. «Lass mal nicht machen / oder vielleicht doch?» ist Motto und Erfolgsrezept zugleich.

«Was früher einmal war» arbeitet (nicht) ganz unsentimental «die Trümmer der Vergangenheit» ab, und «Nur nach vorn» blickt trotz Abschied in eine hoffnungsvolle Zukunft. Mit blossen Blicken wollen es die aufrechten Rocker allerdings nicht belassen und rütteln in «Was ist mit uns los» am Wahnsinn der Welt und verrohenden Gesellschaften. «Ich will» und «Glück» schwenken familiär ein, und bei der neuen Stadthymne «Düsseldorf» gehen versöhnliche Grüsse raus. Auch an Herbert Grönemeyer.

«Kein Blatt zwischen uns» ist dann die letzte grosse Liebeserklärung an Fans und Wegbegleiter:innen, bevor sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden: «Doch jetzt trink aus, wir müssen gehen. Waren eh schon viel zu lange unterwegs.» Die Fans werden das vermutlich anders sehen.

Über das Abschiedsgeschenk lässt sich jedoch ganz sicher nicht meckern, zumal die Hosen mit dem bereits oben erwähnten und nicht weniger grossartigen Bonus-Album «Alles muss raus» sprichwörtlich noch mal (fast) alles rauslassen, was sie auf ihrem 44-jährigen Weg bewegt und beeinflusst hat. Von Ampelstadt bis ZK, mit Punk, Pop, Protest, Singer/Songwriter und Schlager. Mit dabei unter anderem Justin Sullivan (New Model Army), The Specials, Sven Regner, Wolfgang Niedecken, Charlie Harper und Vicky Leandros (!) um nur einige zu nennen. Dazu finden sich im ausführlich und liebevoll gestalteten Cover-Artwork kleine, herzerwärmende Anekdoten zu jedem Song und dessen Bedeutung für die Band.

Darauf einen letzten grossen Schluck auf eine grosse Band mit grosser Haltung und einen mehr als würdigen, selbstgewählten Abschied. Das muss man so erst mal hinkriegen.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Die Toten Hosen, Punk, Torsten Sarfert, Trink aus! Wir müssen gehen / Alles muss raus!

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