
el Lokal – Zürich
Montag, 6. Oktober 2025
Text & Bild: Torsten Sarfert
Passender hätte der Abend nicht beginnen können: Zu „Man With A Harmonica“ vom „Spiel mir das Lied vom Tod“-Soundtrack, schlichen die vier in schwarz gewandeten Gothic-Cowboys von XIXA auf die kleine Bühne im el Lokal. Ein knackiges One-Two-Three-Four von Drummer Winston Watson und ab ging der transnationale Americana-Express. Für ihr musikalische Amalgam aus Cumbia, Psychedelic Rock und Southern Gothic besitzen XIXA eine Exklusivität, mit der seelenlose Algorithmen so ihre Probleme haben. Entsprechend exklusiv war das überschaubare, jedoch restlos begeisterte Publikum im „best place in europe“ (Zitat Sänger und Gitarrist Brian Lopez) an einem Montag Abend. Wer das el Lokal kennt, weiss, dass das stimmt. Zumindest für diese Art von Musik.
Die Haudegen aus Tucson, Arizona ritten mit ihrem neuen Album „XOLO“ einmal quer durch Mictlán, die mythische atztekische Unterwelt, dann über die flirrende Panamericana und überquerten dabei gleich mehrmals den Rio Grande. Darüber hinaus grüssten sie Soulmate Bruce Springsteen, mit einer sensationellen Version von „Ghost Of Tom Joad“.
Ausgetüftelte elektrische und akustische Rock-Gitarrenarbeit und Gänsehaut evozierende Harmonie- und Duettgesänge trafen auf einen Rhythmusfundament, das durch nichts zu erschüttern war und unwillkürlich zum Tanzen zwang. Ay caramba – this is Cumbia, motherf****ers! Drei Wodka Soda und anderthalb mitreissende Stunden später, war die Grabes-Stimme von Mastermind Gabriel Sullivan weg und die Band nach überraschend kurzer Abwesenheit wieder zur Zugabe auf der Bühne („we locked ourselves out of the dressing room!“). Es reichte dann noch für drei Songs um hinter die Wüstenrocker mindestens ein dickes Ausrufezeichen zu setzen und deren digitalen Gig-Alarm zu aktivieren.
Was für eine Szene muss das bitte da drüben in Tucson sein, die mit eng befreundeten Bands wie Calexico, XIXA und Giant Sand diesen unwiderstehlichen Sound des amerikanischen Grenzgebiets in unsere Breitengrade bringt? Wer das wissen möchte, sollte öfters die allerletzte Insel an der Sihl besuchen.
Die nächstbeste Möglichkeit bietet sich übrigens schon am kommenden Samstag, dem 11.10.25 bei den bereits oben erwähnten Giant Sand, rund um Gründervater Howe Gelb. ¡Nos vemos!

