
The Black Crowes + A Thousand Horses
Halle 622 – Zürich
Samstag, 4. Juli 2026
Text & Bild: Torsten Sarfert
Sowohl die Klimaanlage als auch Support-Act A Thousand Horses waren optimal eingestellt. So wehte eine in jeder Hinsicht kühle Brise von 90er-Rock durch die Halle 622. Sänger Michael Hobby hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt und sorgte mit Sonnenbrille und Gestik für Liam-Gallagher-Gedächtnismomente. Wären Oasis eine Band aus dem amerikanischen Süden, hätten sie an diesem Samstagabend wohl ähnlich ausgesehen und geklungen wie die Truppe aus Nashville. Leider war nach fünf überzeugenden Songs bereits Schluss. Dem hauptsächlich mittelalten, männlichen Publikum blieben nun 30 Minuten, um sich im Outdoor-Raucherbereich stilecht bei Burger und Bier auf den Hauptact einzustimmen.
The Black Crowes waren dann bereits mit dem Opener «No Speak, No Slave» auf hoher Betriebstemperatur und stellten die Klimaanlage gleich vor die nächste Belastungsprobe. Den Erfolg der Band darf man ihr nach über 40 Jahren ohne Zweifel gönnen – trotzdem gehören The Black Crowes eigentlich auf die Bühne eines verschwitzten Clubs. Umso bemerkenswerter, wie Chris Robinson selbst in der Halle 622 mit ausgedehnten Einlagen an der Blues Harp und einer zugewandten Publikumsansprache eine vergleichsweise intime Atmosphäre schuf. Die knackig kuratierte Setlist mit einigen Überraschungen und die ausufernden, aber nie selbstverliebten Band-Jams taten ihr Übriges und machten den Auftritt der Southern-Rocker aus Atlanta zu einem ebenso ungezwungenen wie hochklassigen Konzerterlebnis.
Und just in dem Moment, als man sich dabei ertappte zu denken, dass man – bereits glücklich & zufrieden – den grössten Hit «She Talks To Angels» heute eigentlich gar nicht mehr brauche, erklang selbiger und leitete das grosse Finale ein. Den grandiosen Schlusspunkt setzte das selten dargebotene Rolling-Stones-Cover «Bitch» – als Zugabe und zugleich als Ausblick darauf, was The Black Crowes möglicherweise noch alles vorhaben. Die Bühnen werden dann zwar kaum kleiner werden. Aber das ist irgendwie auch okay.
Bemerkenswert war übrigens das Fehlen eines jeglichen Kommentars zum 250.sten Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Wer die Black Crowes kennt, weiss, dass dies mehr aussagt als 1000 Worte.

