
Teenage Bubblegums + Après La Chute + Wasteland Holiday
Ebrietas – Zürich
Freitag, 23. Januar 2026
Text: Roger Strebel
Der Nebel lag schwer auf der Stadt an diesem Freitag Abend. Eine Antwort darauf musste nicht, konnte aber und zwar ganz und gar, eine Portion Punkrock in den Katakomben des Ebrietas sein. Und wer sich dafür entschied, der bekam nicht eine, nicht zwei, sondern mit Holiday Wasteland, Après La Chute und Teenage Bubblegums gleich drei Bands serviert; gute Laune und ehrliche Emotionen inklusive.
Ein minimalistisches Schlagzeug, je ein Verstärker für Gitarre und Bass und ein langes Mikrophon-Kabel für Sänger Simon und schon legten Holiday Wasteland mit ihrem rohen, energetischen Old-School-Punkrock los, was die Technik hergab. Die anfänglich etwas klammen Finger waren rasch vergessen, was auch am Publikum lag, das sich inzwischen zahlreich eingefunden hatte. In ihrer Show legt(e) die Band grossen Wert auf den Inhalt ihrer Songs, die Themen wie chaotische Zustände in Flüchtlings-Camps, Femizide, gesellschaftliche Erwartungen oder unseren Umgang mit Nutztieren anprangern. Eine Untermalung hiervon mit lautem und kompromisslosem Punkt erscheint auf den ersten Blick vielleicht etwas unpassend. Bereits auf den zweiten Blick wird aber klar: eine gerechtere Welt entsteht nicht durch Bombast, grosse Worte und Überheblichkeit, sondern durch Zurückhaltung, konkrete Taten und Demut; das Miteinander und nicht das Gegeneinander steht im Fokus.

Dass Punkrock auch auf Französisch funktioniert, zeigten sodann die aus der Romandie stammenden Après La Chute. Eine kurze Umbauphase, da und dort eine leichte Anpassung beim Sound und den Monitoren und schon hiess es Daumen hoch und los. Mit ihrem melodiösen und gute Stimmung verbreitenden Punk hatte die Band das Publikum im Nu in ihren Bann gezogen. In ihren Songs thematisieren Après La Chute neben gesellschaftskritischen Aspekten auch persönliche Erfahrungen wie das Leben im Hier und Jetzt: «Ne me parle pas d’avenir» oder die Orientierungslosigkeit: «La solution pour être heureux est peut-être de fermer les yeux», heisst es dazu im Song «La Descente». 12 Songs, dreissig Minuten Lärm und alles, was gesagt werden muss, ist gespielt und gesungen.

Und dann waren da zum Grande Finale noch Teenage Bubblegums aus der Region Bologna mit ihrem rohen Punkrock über emotionale Zustände, Konflikte und persönliche Erfahrungen. Stand das Trio während der beiden vorgängigen Konzerte noch artig, brav und zurückhaltend im Publikum, verwandelten sich die drei Band-Mitglieder, erst einmal auf der Bühne, in wahre Punk-Berserker, die ihren Instrumenten zwar das Letzte abverlangten, gleichzeitig aber ein feines Gespür für eingängige Riffs und zarte Melodien zeigten, was nicht zuletzt auch auf die Gesangsharmonien von Bassistin/Sängerin Ally Bubblegum und Gitarristen/Sänger Billy Bubblegum zurückzuführen war.
Die Setlist von Teenage Bubblegums setzte sich im Wesentlichen aus Songs der Alben «Days Of Nothing» von 2016 sowie «Infamia» von 2024 zusammen. Besteht «Days Of Nothing» noch aus 10 Songs und einer totalen Albumlänge von rund 15 Minuten, dauert «Infamie» zwar ebenfalls plus/minus 15 Minuten, beinhaltet aber lediglich «noch» fünf Songs. Angesprochen auf diesen Umstand meinte Ally am Merch-Stand, den sie während des Gigs mit kaum zu überbietendem Charme beworb, dass sie sich als Menschen und Band weiterentwickelt hätten, was sich sodann auch auf das Songwriting ausgewirkt habe.

Nach 25 Minuten volle Kanne Highspeed-Punkrock war der grossartige Auftritt von Teenage Bubblegums zwar leider auch bereits wieder vorbei. Dafür gaben sich die drei Bandmitglieder am Merch-Stand noch ein Stelldichein und fanden im Publikum die eine oder andere des Italienischen mächtige Person. Mein Schul-Italienisch reicht zwar nicht weit über «grazie mille» hinaus, darf aber sicher stellvertretend für alle, die an diesem Abend im Ebrietas waren, den drei Bubblegums Ally, Billy und Fra mit auf den Weg gegeben werden, der sie zusammen mit Après La Chute tags darauf nach Langenthal ins LaKuZ führen sollte.

