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Ein lauschiger Abend mit Machine Head

12/05/26
von David Spring

Ein lauschiger Abend mit Machine Head

Machine Head

Fri-Son – Fribourg
Samstag, 9. Mai 2026

Text: David Spring / Bilder: Sabrina Hänni

Es ist schön, für eine Show mal nicht immer nach Zürich jetten zu müssen, sondern nur zehn Minuten zu Fuss zur Venue spazieren zu können. Trotzdem versprach der Abend kein gemütlicher zu werden. Wenn sich 1’300 Metalheads in das ausverkaufte Fri-Son pressen, die Temperatur schon vor Konzertbeginn irgendwo zwischen Sauna und Hochofen liegt und dazu niemand Geringeres als Machine Head für ihre aktuelle «An Evening With»-Tour vorbeischauen, dann wirst du gefordert. Keine Vorband, keine langen Umbaupausen, kein Schnickschnack. Stattdessen fast zweidreiviertel Stunden Machine Head und ein Querschnitt durch mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte. Man gönnt sich ja sonst nichts…

Mit dem unkaputtbaren «Bohemian Rhapsody» wurden wir ab Band eingestimmt und unsere Stimmbänder gewetzt, bevor dann das mächtige «Imperium» den Abend eröffnete. Fribourg liess nicht lange auf sich warten, der Pit öffnete sich, erhobene Fäuste überall und im Zentrum der einzigartige Robb Flynn, der uns komplett in der Hand hatte. «Ten Ton Hammer» schob direkt nach und machte klar, dass das heute kompromisslos abgehen sollte. Der Sound war anfangs noch etwas matschig und überraschend leise. Doch zum Glück legte sich das nach einigen Songs und die ganze brachiale Pracht dieser Band entfaltete sich. Mit «Now We Die» gab es bald schon einen ersten grossen Höhepunkt. Das monumentale Dual-Gitarren-Solo, die mächtigen Harmonien und die unglaubliche Energie sind live einfach unwiderstehlich. Überhaupt wird an diesem Abend wieder einmal klar, wie absurd viele monströse Riffs Machine Head über die Jahre geschrieben haben. Songs wie «Beautiful Mourning» oder «Locust» sind pure Nackenbrecher, die unendlich Laune machen. Was für eine Naturgewalt!

Grosses Bühnenbild oder aufwendige Showeffekte suchte man vergeblich. Keine Pyros, keine Feuerfontänen, keine überladene Produktion. Stattdessen gab es eine simple Lichtshow und einen grossen Screen hinter dem Drumkit, auf dem allerlei stimmige Visuals eingeblendet wurden. Das Fehlen von Feuer ist wohl der Grösse der Venue sowie den neuen Post-Crans-Montana-Bestimmungen der Schweiz geschuldet, tat der Stimmung zum Glück aber keinen Abbruch. Mehr als Riffs braucht diese Band eh nicht. Machine Head funktionieren vor allem über ihre rohe Energie und die Verbindung zum Publikum. Besonders schön und angenehm kitschig gelang das bei «Is There Anybody Out There?», als im Refrain plötzlich eine Schweizer Flagge auf dem Bildschirm erschien, zusammen mit dem Text, was das gesamte Fri-Son lautstark mitsingen liess. Auch der gute Robb zeigte sich bestens gelaunt und publikumsnah, etwa bei einem kurzen Austausch mit einem neunjährigen portugiesischen Fan in der ersten Reihe, was den Frontmann ordentlich beeindruckte. Solche Momente machten das Konzert für eine solch etablierte Band überraschend persönlich.

Es darf aber auch gesagt werden, dass nicht jeder Song auf der die gesamte Karriere der Band abdeckenden Setlist dieselbe Intensität erreichte. Gerade der Mittelteil verlor mit Songs wie «Crashing Around You» oder «The Rage To Overcome» etwas an Momentum. Dazu kamen die relativ häufigen Pausen zwischen den Songs, während deren es statt Interludes, Videos oder atmosphärischen Übergängen jeweils einfach Dunkelheit und Stille gab. Einerseits durchaus verständlich, denn ein zweieinhalbstündiges Set fordert natürlich auch den Musikern einiges ab, die Herren auf der Bühne sind schliesslich keine Zwanzig mehr. Andererseits litt dadurch der Flow des Konzerts gelegentlich etwas, sodass böse Zungen vielleicht behaupten könnten, dass ein Support-Act und 30 bis 45 Minuten weniger Spielzeit nicht unbedingt geschadet hätten.

Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn bald schon zogen Machine Head das Tempo wieder mächtig an. Flynn liess uns abstimmen, ob «Blood For Blood» oder «Aesthetics Of Hate» gespielt werden sollte. Die Entscheidung fiel wenig überraschend zugunsten der ultimativ wütenden Dimebag-Hommage, was für ordentlich Bewegung im Haus sorgte. Um noch eins draufzusetzen, folgte mit «Game Over» gleich ein noch aggressiverer Hassbrocken eines Songs. Emotionen gab es derweil auch andere als nur Wut und Aggression. So erzählte Flynn ausführlich, wie während der Corona-Pandemie die Idee aufkam, auf Facebook Live-Streams mit Fans zu veranstalten und allerlei bekannte Metal-Songs auf Akustik-Gitarren zu spielen, während das eine oder andere Bier vernichtet wurde. So kam es dann auch, dass der ohnehin schon sehr emotionale und intime Song «Darkness Within» ein neues, akustisches Gewand erhielt. Wie das gesamte Fri-Son danach die fantastische Melodie zum Ende des genialen Tracks aus voller Kehle mitsang, war einer der schönsten Gänsehautmomente seit langem.

Trotz ein paar kleineren Hängern war das (überlange) Set mehrheitlich ein Hochgenuss der harten Musik und ein wahres Testament für die gewaltige Hitdichte dieser Band. Ein Song, der bei Machine Head natürlich niemals fehlen darf, ist das brachiale «Davidian» und es hat schon etwas debil Grossartiges, wenn tausend Kehlen fordern: «Let freedom ring with a shotgun blast». Glorreich! Damit kam, was irgendwann kommen musste: «Halo» und somit das Ende dieses fulminanten Abends. Doch was für ein absoluter Killer-Song das doch ist, einfach unerreichbar genial!

Man kann über Machine Head echt sagen, was man will, aber sie liefern halt auch 2026 immer noch ab wie kaum sonst jemand. War «An Evening With» vielleicht fast etwas zu viel des Guten? Eigentlich egal, so schnell macht ihnen das niemand nach und der Erfolg gibt ihnen recht. Denn niemand kann behaupten, dass wir an diesem Abend im Fri-Son nicht gehörig und gewaltig in Grund und Boden gerockt wurden. Machine f***ing Head – es ist immer wieder eine Freude!

Machine Head Setlist Fri-Son, Fribourg, Switzerland, An Evening With Machine Head EU/UK 2026
Machine Head
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Eingeordnet unter Fotoreportage, Konzertbericht Schlagworte: David Spring, Fri-Son, Fribourg, Machine Head, Metal, Sabrina Hänni, Thrash Metal

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