
Bogen F – Zürich
Donnerstag, 18. Dezember 2025
Text: Patricia Taubert
Los ging es am Donnerstagabend mit dem Support-Act M(h)aol – ausgesprochen wie das englische «male», wie das Trio gleich zu Beginn mit Augenzwinkern verlauten liess. Wenn nicht gerade ausgiebige Instrumentalparts dominierten, stand der Sprechgesang im Vordergrund. Was anfangs beinahe nach Durchsagen oder Zwischenrufen klang, entwickelte sich im Laufe des Auftritts zum ausdrucksstarken Schrei. Humorvoll gefärbte Songtexte wie «You Are Temporary, But The Internet Is Forever» wechselten sich ab mit eindringlichen Botschaften, die die Aufmerksamkeit auf alltägliche Probleme von Frauen richteten. So etwa die bildhafte Beschreibung des Schlüssels in der geballten Faust auf dem nächtlichen Nachhauseweg in «Pursuit», oder klare Mic Drop-Ansagen wie «Wenn du ein Mann bist, halt bei diesem Song besser den Mund, denn dieser richtet sich nur an Frauen».
Nachdem sich die Menge gut aufgewärmt hatte, stiegen zur fortgeschrittenen Stunde die sehnlichst erwarteten Lambrini Girls auf die Bühne. Das Set dauerte zwar gerade einmal eine Stunde – wer will es ihnen am Ende einer mehrmonatigen Tour verübeln – doch diese nutzten sie vollends aus und drehten den Bogen F einmal auf links. Ab der ersten Sekunde riss der bedrohlich dröhnende Bass alle mit; selbst auf den oberen Rängen gab es kein Halten mehr. Frontfrau und Sängerin Phoebe Lunny forderte nach jedem Song zum Moshpit auf und dirigierte die Crowd so, wie sie es wollte. Nicht umsonst trägt das aktuelle Album den Namen «Who Let The Dogs Out». Vielleicht aber auch deshalb, weil Phoebe Lunny geradezu ins Mikrofon bellt.
Nach dem starken Opener «Bad Apple» spielten sie sich einmal durch die Lieblingstracks – von «Love» bis «Lads Lads Lads». Die mitreissende queer-feministische Power wurde mit Songs wie «No Homo» und «Help Me I’m Gay» gefeiert. All das begleitet von zerrenden Riffs und treibenden Drums, die noch am Folgetag im Kopf nachhallen. Lunny stieg ganz in schwarz gekleidet auf die Bühne, Frontfrau Nummer 2 Selin Macieira-Boşgelmez schwebte mit ihrem Bass im schneeweissen Gewand engelsgleich umher.
Das aus Brighton stammende Duo mit wechselnder Begleitung an den Drums lieferte genau das ab, was von ihnen erwartet wird: ungezügelte Energie, starke, unmissverständliche Texte und eine angemessene Portion Wut. Nicht nur temperaturtechnisch fühlte es sich nach einem herzerwärmenden Abend im Bogen F an: Die Freude über den Enthusiasmus des Publikums stand der Band ins Gesicht geschrieben. Gerade deshalb schmerzte es ein wenig, dass nach dem Crowdsurfing-Moment, der mittlerweile fest zum Show-Repertoire gehört, ein zackiger Bühnenabgang folgte.
Die Lambrini Girls – übrigens benannt nach einem prickelnd-süssen Kopfwehgetränk aus Grossbritannien – haben schon in deutlich grösseren Hallen gespielt. Umso schöner und nahbarer nun der vergangene Abend in lauschiger Location in Zürich. Wer Lust hat, sich vom unaufhaltsamen Female Empowerment und Tatendrang anstecken zu lassen, dem sei ein Konzertbesuch bei der Punkband der Stunde dringend empfohlen.

