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JUST MUSTARD IM LE TRABENDO, PARIS

19/04/26
von Roger Strebel

JUST MUSTARD IM LE TRABENDO, PARIS

Just Mustard + The Altered Hours

Le Trabendo – Paris
Freitag, 17. April 2026

Text: Roger Strebel

Als Fontaines D.C. noch Platz fanden im Saal des Dynamo Zürich, war da diese Support-Band mit dem gleichermassen vielversprechenden wie rätselhaften Namen Just Mustard. Wie die inzwischen ziemlich gross gewordenen Fontaines D.C. stammt das Quintett rund um Sängerin Katie Ball ebenfalls aus Irland. Dem Post-Punk mischen Just Mustard aber nicht nur eine grosse Portion Shoegaze bei, sondern reichern das Ganze mit einem kräftigen Schuss Noise und Trip Hop an. Die Band kreiert dadurch einen ganz eigenwilligen, bis dann und wann schon fast sperrigen Sound, wie im Song «That I Might Not See» aus dem aktuellen dritten Album «We Were Just Here». Eigenwillig ist nicht zuletzt auch die hallende Stimme von Katie Ball, die mich auf Grund ihres mitunter mädchenhaften Klangs stark an Cranes resp. Alison Shaw erinnert.

Mein persönliches Highlight der damaligen Performance von Just Mustard im Zürcher Dynamo war der Song «Still» aus dem zweiten Album «Heart Under» vom Mai 2022, der sich durch an Industrial angelehnte Strukturen mit verzerrten Gitarren und repetitiven Offbeats auszeichnet und zwischen poppig luftiger Leichtigkeit und beklemmender Enge mäandriert. In der Hoffnung, «Still» ein weiteres Mal live zu hören, reiste ich am letzten Donnerstag daher nach Paris, wo Just Mustard ihre Headline-Tour auf dem europäischen Kontinent nach acht Konzerten beendeten; eine gute Woche steht jetzt noch in UK auf dem Programm. «Still» war dann tatsächlich auch mit auf der Setlist. Dazu aber später, denn selbstverständlich war ich auch sehr gespannt auf die Live-Performance der Songs aus dem bereits erwähnten dritten Album «We Were Just Here» des irischen 5-piece. Daher und zur Einstimmung auf meine Paris-Reise hatte ich im Vorfeld des Gigs die in tollem Purple gehaltene LP schon mal durchsichtig gespielt.

JUST MUSTARD IM LE TRABENDO, PARIS

Als Opener wählten Just Mustard «Endless Deathless» aus «We Were Just Here», das die Band im Oktober 2025 veröffentlicht hatte. Der von Katie Ball selber als existentielles Liebeslied bezeichnete Song eröffnet mit seinen energiegeladenen Klangwänden einen exemplarischen Einblick in das künstlerische Schaffen der Band. Der Song wurde vor Kurzem auch als Remix (Daniel Avery Remix) herausgegeben, der die Klangstrukturen noch weiter in Richtung Electronica verschiebt. Mit dem Song «Seven», den die Band im November 2019 als Single herausgegeben hatte, kam das Publikum im Le Trabendo ein erstes Mal so richtig in Stimmung. Auf Grund des tollen Übergangs mit feiner Bass-Linie zu «I Am You» übertrug sich diese sogleich auch auf die Band. Für mehr als ein schüchternes Merci (das Publikum lechzte inzwischen nach ein paar Worten von Katie Ball), die sich auf der Bühne wie immer kaum bewegt(e), sollte es bis zu Konzertmitte allerdings nicht reichen. Kaum waren das Merci verhallt und «Deaf» angestimmt, wurde es schon beinahe emotional: Gitarrist und Sänger David Noonan, der Katie Ball am Gesang immer mal wieder unterstützt und/oder begleitet, schrie seine Worte regelrecht heraus und griff in die Saiten, als würde das Gitarrenspielen morgen verboten werden.

Nach dem wunderbar schleppenden Shoegaze-Song «Tainted» aus dem Album «Wednesday» von 2018, der eine geradezu spirituelle und melancholische Stimmung verbreitete, und dem akustischen Abklingbecken «The Steps» setzten Just Mustard zum grossen Finale an. Dieses wurde eingeläutet durch «Pollyanna» und ging dann endlich und tatsächlich über zu «Still». Ganz offensichtlich bin ich nicht der einzige Fan dieses Songs, geriet Le Trabendo doch beinahe schon ins Beben, welches mit «We Were Just Here», dem Titeltrack des neuen Albums der Band, seine Fortsetzung fand. Mit «Seed» aus «Heart Under» zeigten Just Mustard zum Schluss auf, dass sie auch elektronische Klangstrukturen beherrschen, womit sie musikalisch wieder zum Anfang zurück fanden.

JUST MUSTARD IM LE TRABENDO, PARIS

Wer etwas Musse und Lust auf Smalltalk hatte, konnte nach dem Gig mit der Band noch ein paar Worte wechseln. Dabei lüftete Bassist Robert Clarke mir gegenüber u.a. auch das Geheimnis um den Namen der Band; dass dieser etwas Rätselhaftes hat, ist durchaus willkommen. Letztlich geht er aber (vollkommen unspektakulär) auf einen Freund aus dem Umfeld von Just Mustard zurück, der stets mit senffarbener Kleidung (Shirt wie Hose), just mustard eben, herumlief. Alles andere ist Geschichte. Zur Geschichte der Band gehört auch, dass sie bei ihrem letzten Gig, den sie in der Schweiz (Albani, Winterthur; ich war selbstverständlich auch dort) spielte, eine sehr gute Zeit verbrachte. Die Hoffnung, dass das sympathische 5-piece bei seiner nächsten Tour auch in die Schweiz kommt, ist also durchaus berechtigt.

Als Support für Just Mustard eröffnete mit The Altered Hours eine ebenfalls aus Irland stammende fünfköpfige Band den Abend. Das 2010 gegründete Quintett hat seither neben mehreren EPs im November 2025 ihr selbstbetiteltes drittes Album herausgegeben. Mit ihrem rohen und direkten Noir-Rock aus Shoegaze, Psychedelic -Rock und Post-Punk zählen The Altered Hours zu den beliebtesten Underground Bands Irlands. Leider hatten sie bloss eine halbe Stunde resp. sieben Songs Zeit für ihre Performance. 

Den Einstieg machte die Band mit «Open Wide», gefolgt von «Turn Away», dem Opener aus dem jüngsten Album. Mit «Thistle» aus dem Album «Convertible» von 2021, einem von der kräftigen Stimme von Sängerin Elaine Howley wunderbar getragenen Song, der Anziehungskraft und Abwehr (ähnlich einer Distel) gleichermassen thematisiert, zeigten The Altered Hours auf, dass sie weit mehr sind als eine blosse Support-Band.

THE ALTERED HOURS IM LE TRABENDO, PARIS

Wie beim Titel «TNT» nicht anders zu erwarten, langten The Altered Hours in der Folge kräftig zu. Der Song mit seiner wunderbaren Basslinie und den kreischenden Gitarren scheint wie gemacht für ein irisches Pub und verwies auf die Dualität der Band in Sachen Gesang. Letzteren teilen sich Sängerin Elaine Howley und Gitarrist/Sänger Cathal MacGabhann entweder untereinander auf oder bestreiten ihn als Duett. Mit dem Lied «Special Things», das im Wesentlichen aus dem Gesang von Elaine Howley und den Drums von Nora Lewon lebt, verabschiedeten sich The Altered Hours vom Le Trabendo und machten (aus Sicht eines Konzertabends viel zu früh) die Bühne frei für ihre Landsleute.

Quelle: Setlist.fm


 

Eingeordnet unter Konzertbericht Schlagworte: Just Mustard, Le Trabendo, Paris, Post-Punk, Roger Strebel, Shoegaze, The Altered Hours

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