
Werk 21 – Zürich
Freitag, 21. November 2025
Text & Bild: Torsten Sarfert
Wenn du am nächsten Morgen völlig zerstört aufwachst und dir, während du den ersten Kaffee aufbrühst, trotzdem denkst: Scheisse, war das geil, dann stehen die Chancen gut, dass du am Vorabend auf einem Buster Shuffle-Konzert warst. In Zürich. Im Werk 21. Mit The Drowns als Support.
So geschehen am letzten Freitag. Entspannte Leute aller Couleur, manche mit regenbogenfarbenem Iro, andere mit Schiebermützen und wieder andere wie aus dem Fred-Perry-Katalog entlaufen, versammelten sich, um einem der heissesten Konzerte des Jahres beizuwohnen. Aber das konnten sie zu diesem Zeitpunkt zwar hoffen, aber natürlich noch nicht wissen.
Mit den ersten Takten der High-Energy-Power-Punks The Drowns war dann allerdings recht schnell klar, dass an diesem Abend Stillstand keine Option und Mineralwasser nicht das Getränk der Stunde war. Druckvoll und wie ein Uhrwerk hämmerte sich das Trio aus Seattle durch sein Set, nicht ohne eindeutige und wütende politische Positionierung: «Fuck Donald Trump – fuck Elon Musk – all Nazi scum fuck off!» So plakativ dies bei einer Konzertbesprechung klingen mag, so mitreissend und «from the bottom of my heart» schleuderte Sänger und Gitarrist Aaron-Rev Peters dies ins pogende Publikum. Als dazu noch kurz vor Ende ihres Auftritts eine Speed-Punk-Version des Jimmy-Cliff (R.I.P.!) Reggae-Klassikers «The Harder They Come» zum Besten gegeben wurde, blieb kein Bier mehr im Glas. Gut, dass dann die Umbaupause kam. Nach dem finalen «Them Rats» – mit dem Aufruf, «heute Abend unseren Move zu machen» – führte selbiger zum Refill erstmal direkt an die Bar.
Zu dieser – gelinde ausgedrückt – entsprechend gelösten Stimmung stiegen danach die Londoner Ska-Punks Buster Shuffle auf die Bühne und rissen die niedrige Decke des Werk 21 endgültig ab. Mit Honkytonk-Piano – wahlweise mit Hand oder Fuss bearbeitet – und ihrer ureigenen Mischung aus Ska, Punk und Rock’n’Roll mit Cockney-Charme, ging es ebenso munter weiter wie zuvor. Frontmann Jet Baker stachelte das Publikum unablässig mit coolen Posen dazu an, genau wie er ständig in Bewegung zu bleiben. Dies wäre zwar nicht nötig gewesen, denn die Mods, Punks, Rockers und der ganze euphorisierte Rest waren schon längst vollkommen ausser Rand und Band.
Bessere Stimmung vor und auf der Bühne habe ich schon lange nicht mehr erlebt, schon gar nicht auf retromanischen FOMO-Grossevents mit überdimensionierter Pyrotechnik und Publikum mit Social-Media Fetisch.
Leute, geht auf kleine Konzerte, kauft Merch und sauft die Bar leer. Es lohnt sich und ersetzt langfristig die Psychotherapie. Scheisse, war das geil.

