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Blaues Pferd Festival 2026 – Samstag

26/01/26
von David Spring

Blaues Pferd Festival 2026 – Samstag

blauespferd.ch
Must Be Wrong + Itchy + Alarmsignal + 100 Kilo Herz + For I Am + The High Times + Mistio

Reitschule – Bern
Samstag, 24. Januar 2026

Text: David Spring | Fotos: Sebastian Bongni (extern)

Das Beste am ersten Festivaltag ist ja eigentlich das Wissen, dass es am Tag darauf gleich so weitergeht. Natürlich ist das aber auch der Grund, warum man sich mit steigendem Alter ein bisschen vor diesem zweiten Tag fürchtet. Mit dem wundervollen Vortag noch in den Knochen, ging es also voller Vorfreude und undefinierbarer Schmerzen wieder los Richtung Bern und Reitschule. Denn am Samstag versprach das Blaue Pferd 2026 noch lauter, wilder, anstrengender und besser zu werden.

Täglich grüsst das Murmeltier – oder im Falle des Blauen Pferds: Mistio. Der Berner Troubadour spielte gestern noch oberhalb der Toiletten, heute hingegen machte er es sich auf einem kleinen Balkon über der Bar bequem. Immer Entertainer im Dienste des Publikums, merkte er sogleich an, dass er sich nicht wiederholen wolle. Als ihn die Veranstalter fragten, ob er an beiden Tagen spielen wolle, war für ihn schnell klar, dass er sich sicher nicht an zwei Abenden in Folge gleichviel Mühe geben würde. Viel eher wolle er heute ein paar Cover-Versionen zum Besten geben, etwa eine von Britney Spears. Und so kamen wir in den Genuss einer wundervoll trashigen Version von «Oops, I Did It Again». Doch Moment – die Ansage danach war fast identisch wie eben und dann folgte Britneys «Everytime», dann nochmals dieselbe Anmoderation. Und noch eine… Insgesamt wiederholte Mistio das Prozedere ganze vier Mal, jedes Mal mit einem neuen Britney-Hit. Die Gitarre klang immer verstimmter und die Stimme war hörbar überfordert, aber «Lucky», «Toxic» und «Hit Me Baby One More Time» klangen alle noch nie so gut. Was für ein legendärer Start – danke, Mistio!

Für alle, die aber merkwürdigerweise nicht nur für Pop-Songs vergangener Tage gekommen waren, ging es danach mit The High Times auf der Bühne richtig los. Die energiegeladene Punkband aus Zürich gehört meiner Meinung nach zu den besten, die unsere Szene aktuell zu bieten hat. Dieser Eindruck bestätigte sich erneut, denn Sängerin Domi und ihre Jungs legten sofort los, als gäbe es kein Morgen. Die melodiösen, rasanten Punk-Hymnen heizten der kalten Halle ordentlich ein. Zwar zögerte das Publikum noch etwas mit Bewegung, aber bei Songs wie dem neuen «Say» oder «Damage Control» war es kaum möglich, still zu stehen. The High Times verbreiten einfach gute Laune und massig Energie, das war die perfekte Eröffnung für einen Festivalabend. Immer wieder eine Freude!

Mit For I Am aus Belgien wurde das Tempo nochmals angezogen. Die sympathische Melodic-Hardcore-Band war sichtlich beeindruckt vom Reitschul-Komplex und von der bereits gut gefüllten Halle. Auch bei dieser Band war Stillstehen keine Option und schnell schon wurde vorne fröhlich gepogt. Neben der unglaublichen Geschwindigkeit der Songs fiel vor allem das spielerische Niveau der jungen Band auf. Besonders Bassist Bo Morris glänzte mit spektakulären Riffs und Läufen. Als er sich allerdings kurz die Schuhe binden musste, nutzte der Rest der Band die seltene Verschnaufpause, um ihn mit dem Vorschlag zu necken, er solle sich bitte zukünftig Klettverschlussschuhe zulegen. Sehr amüsant. Das war aber auch wirklich die einzige Pause und so spielten sich For I Am direkt in viele Herzen. Für mich auf alle Fälle die Entdeckung des Festivals.

Nach so viel Energie war klar, dass heute noch anstrengender als gestern werden sollte. Durchatmen war kaum mehr drin, denn nun folgten die Brasspunks von 100 Kilo Herz. Mit «Eh ok» und «Im selben Boot» ging es rasant los, der druckvolle Sound mit den mächtigen Bläsern ein gefundenes Fressen für das Blaue-Pferd-Publikum. Sänger Steffen begrüsste uns mit den Worten: «Damit eines klar ist: Wir sind eine antifaschistische Band!», was in der Reitschule natürlich offenen Türen einrannte. 100 Kilo Herz waren die mit Abstand politischste Band des Abends, thematisierten Missstände und lieferten gleichzeitig grossartige Musik. Unendlich sympathisch. Um das noch zu unterstreichen, riefen sie einen FLINTA*-only Moshpit inklusive Wall of Death aus. Grossartig auch, wie das Publikum dem ohne Zögern Folge leistete. Die freudigen Gesichter sprachen Bände. Mit dem fantastischen «Keine Zeit für Angst» ging der Abriss leider schon zu Ende. Fantastisch, dieser Auftritt, da konnte auch der zu den Britney-Covers passende Rausschmeisser «Let It Go» nichts dran ändern.

Politisch und rasant ging es weiter mit Alarmsignal. Nach einem amüsanten Soundcheck legten die gestandenen Punks aus Niedersachsen los. Die Energie auf der Bühne spiegelte sich im Publikum, das immer wilder wurde. Schön zu sehen war dabei, wie durchmischt das Publikum war – vom Rollstuhl bis zur Familie mit Kind war alles vertreten. Eine inklusive, aufgeweckte Band mit klarer Haltung wie Alarmsignal passt halt einfach perfekt hierhin. Sänger/Bassist Steff kündigte an, man wolle heute wenig reden, was natürlich nicht eingehalten wurde. Stattdessen gab es herzerfüllte Ansagen zu Mental Health, dem anhaltenden Clubsterben und der Wichtigkeit alternativer Orte. Und natürlich jede Menge Musik: «Kompass und Chauffeur», «Brennende Barrikaden» oder das unsterbliche «Wich Part Of F**k Off» sorgten für Ekstase. Was für ein Auftritt!

Und dann war es auf einmal schon Zeit für den Headliner: Itchy! Die Jungs aus der Weltmetropole Eislingen/Fils mussten letztes Jahr krankheitshalber absagen, heute aber stand einem prächtigen Konzert nichts im Weg. Mit dem brachialen «No One’s Listening» und «Faust» ging es los und damit lag Reitschule der Band augenblicklich zu Füssen. Wie es sich gehört, quatschten sich Sibbi, Panzer und Max bald schon um Kopf und Kragen und warfen gleich zu Beginn schon einem Typen in der ersten Reihe vor, dass dieser nur geradeaus starren würde. Ob das an ihnen liege, dass er so schlecht gelaunt sei? Nach dieser amüsanten Klärung durfte zum Glück weitergerockt werden und weil Itchy nun mal gottverdammte Rockstars sind, durfte auch die folgende legendäre Show-Einlage nicht fehlen: Sibbi, wie er auf einem vom Publikum getragenen Gitarrenkoffer steht und «Bro Hymn» von Pennywise performt. Einfach episch! Ebenfalls unumgänglich waren muntere Mitsingspielchen, bizarre Publikumsaktionen und natürlich ein endgeiler Hit nach dem anderen. Itchy sind echt unverschämt gut

Itchy sind bekannt dafür, ganz schöne Quasselstrippen zu sein, was immer witzigere Auswüchse mit sich bringt. Panzer bezeichnete unser Pfeifen in «Down Down Down» zum Beispiel als «krepierende Horde Katzen», und als Sibbi von seiner missglückten Fingernagel-Aktion vor «The Sea» erzählte, kam von Max nur: «Das ist das Dümmste, was ich heute von dir gehört habe!», was schon ganz schön viel über den Stumpfsinns-Output dieser Band aussagte. Dem entgegenhalten kann man nur, dass der arme Sibbi den mit Abstand geilsten Gitarrensound dieses Festivals hatte. Wahnsinn, wie das bretterte, wenn er in die Saiten griff! Und die Songs von Itchy sind halt sowieso top: wilder Circle-Pit bei «Out There», crazy Geschrei in «I Gotta Get Away», kollektives Ausrasten bei «Why Still Bother» – was willst du mehr? Itchy sind eine Macht und ein mehr als verdienter Headliner. Mit dem hibbeligen «Danger!» und dem sich selbst erfüllenden Icona-Pop-Cover «I Love It» war dann leider Schluss, doch es war einmal mehr nichts weniger als legendär!

Doch Moment, einen haben wir noch: Must Be Wrong! Die wundervollen Skatepunks aus Einsiedeln durften – oder besser: mussten – den Rausschmeisser geben. Und obwohl sich die Halle nach dem Headliner traditionell ziemlich stark leert, waren noch erstaunlich viele da und wurden vom Volle-Pulle-Punk der drei in Grund und Boden gerockt. Einfach geil, was diese Band abliefert: rasant schnell, melodiös und eingängig, und vor allem einfach unverschämt gut! Als sie dann noch ein neues Album ankündigten, war der Jubel entsprechend gross. Must Be Wrong liessen es nochmals richtig krachen, Wall of Death, Doublebass, Gitarrensoli inklusive. Eine bessere Abschlussband hätte es kaum geben können.

Und damit war endgültig Schicht im Schacht. Das Blaue Pferd 2026 ist Geschichte und es zeigt sich einmal mehr: Es gibt einfach nichts Besseres, als das Januarloch mit zwei Tagen köstlichem Punkrock und einem wilden, sympathischen Haufen feierwütiger Menschen zu überbrücken. Die nächste Ausgabe kann nicht früh genug kommen, denn nach dem Blauen Pferd ist bekanntlich vor dem Blauen Pferd. Oder wie Mistio sagen würde: Hit me baby, one more time! And again and again and again…

Blaues Pferd Festival 2026 – Freitag

Mistio
Mistio

Mistio
Mistio

Mistio
The High Times

The High Times
The High Times

The High Times
The High Times

The High Times
The High Times

The High Times
For I Am

For I Am
For I Am

For I Am
For I Am

For I Am
For I Am

For I Am
For I Am

For I Am
100 Kilo Herz

100 Kilo Herz
100 Kilo Herz

100 Kilo Herz
100 Kilo Herz

100 Kilo Herz
100 Kilo Herz - Publikum

100 Kilo Herz
100 Kilo Herz

100 Kilo Herz
Alarmsignal

Alarmsignal
Alarmsignal

Alarmsignal
Alarmsignal

Alarmsignal
Alarmsignal

Alarmsignal
Alarmsignal

Alarmsignal
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Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy
Itchy

Itchy

Eingeordnet unter Fotoreportage, Konzertbericht Schlagworte: Bern, Blaues Pferd, David Spring, Festival, Hardcore, Punk, Reitschule, Sebastian Bongni

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