
Kaserne – Basel
Samstag, 30. Mai 2026
Text: Michael Messerli / Bilder: Anna Wirz
Ein letztes Mal Asbest. Das Basler Trio gab ihr Abschiedskonzert in der Kaserne. Nach zehn Jahren und zwei Alben, die sich unter anderem mit Randphänomenen und marginalisierten Gruppen befassen. Auch eine Beziehung innerhalb der Band zerbrach. Asbest schienen eine innere wie äussere Zerreissprobe zu beenden, laut und wütend, bevor die Gefahr bestand, selbstreferentiell zu werden. Auch das Thema Transidentität steckt in diesen Songs: «I exist between the lines». Sängerin Robyn Trachsel bezeichnete den Titelsong der EP «Interstates» als ihren vielleicht besten. An diesem Abend war es «Autodigestion». Warum der Noise von Asbest für andere eine Zerreissprobe sein könnte, wird schnell klar, wenn man sich die beiden Platten «Cyanide» und «Driven» anhört. Einfach machten sie es sich und uns nie. Eine Textzeile, die an diesem Abend hängen blieb: «No one is special». Diese sympathische, im besten Sinne zähe und (an)klagende Band war aber einzigartig und es ist schade, dass sie einen Schlussstrich zieht.
Bei Coilguns lichteten sich die Reihen dann leider. Wer nicht da war, verspasste die Parade. Das Quartett aus La Chaux-de-Fonds ist eine tolle Liveband. Ihr bisher bestes Album «Odd Love» veröffentlichten Coilguns im Jahr 2024. Nun kündeten sie eine neue Platte an und spielten dann auch gleich zwei Songs daraus, darunter die Single «Peace Trader». Während Asbest zurückblickten, fokussierten sich Coilguns mit klarer Haltung nach vorne. Es war eine atemberaubende Performance mit absolut grossartigem Sound und virtuosen Musikern, die allesamt überzeugten. Das schweisstreibende Schlagzeugspiel von Luc Hess war dabei mehr als nur ein Motor, seine Kollegen wurden davon richtiggehend angepeitscht. Wenn die Westschweizer mit dem nächsten Album noch einen drauflegen können, dann kommt da Grosses. Wissen tut man das nach diesem Konzert zwar freilich noch nicht, hingehen sollte man beim nächsten aber trotzdem. Die Energie war hochansteckend, der lärmige Post-Hardcore manchmal schräg (grandios: der Pfeifrefrain in «Placeholders») und maximal inklusiv. Und was man gar nicht so vermutet hätte: Der ganze Abriss machte tatsächlich Spass. Nebst dem musikalischen und inhaltlichen Tiefgang sowie der Heavyness gab es dank Sänger Louis Jucker eine gewisse Leichtfüssigkeit. Nicht selten ein bisschen in Schieflage, oft am Herumwirbeln und doch nie ganz drüber. «Don’t be tough / Be weird», traf als Motto direkt ins auf den Bandshirts abgebildete Herz.





































