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ANGER MGMT. – Anger Is Eternal

23/04/26
von David Spring

ANGER MGMT. - Anger Is Eternal

Noisolution Records / VÖ: 24. April 2026 / Post-Hardcore, Grunge
angermgmt.ch

Text: David Spring

Ein alternder, zunehmend irrelevanter werdender Herr, der vor vielen Jahren in einer nicht ganz unbekannten britischen «Punkband» das Mikrofon bediente, schrieb mal ein Buch. «Anger Is An Energy» hiess der Schunken und in der Tat ist der Typ auch heute noch ein konträrer, dauerwütender Energiebolzen, der seine Klappe nicht halten kann. Werbung für Butter und/oder Trump zu machen ist halt weder ein schönes Vermächtnis noch eine besonders gute Bewältigungsstrategie. Viel besser gelingt das den ebenfalls wütenden ANGER MGMT.!

Das neue Album der Winterthurer Truppe trägt den Titel «Anger Is Eternal». Mit dem fulminanten Debüt, dessen Titel «Anger Is Energy» zum Glück das Einzige ist, was an den in dieser etwas bizarr gewählten Einleitung erwähnten Sängerbuben erinnert, schlug die Band grosse Wellen und wurde augenblicklich zu einem ernstzunehmenden Player in der hiesigen Szene. Etliche Konzerte später, in einer Welt, die noch komplizierter und gefährlicher wirkt als schon 2023, zeigt sich, dass dem Trio die Wut nicht ausgegangen ist. Schon der wuchtige Opener «I Thought I’d Started To Make Progress Again» gibt die Marschrichtung vor: rastlos brachiales Riffing, peitschende Drums, unverschämt eingängige Melodien und die unverwechselbar raue Stimme von Nik Petronijevic. Wie dem Songtitel unschwer zu entnehmen ist, bleibt die schonungslose Offenheit im Umgang mit der Angsterkrankung des Sängers ein zentraler Eckpfeiler von ANGER MGMT. und verleiht den Songs ihre Intimität, Emotion und entwaffnende Ehrlichkeit.

Das Album steht selten still. «Torch The Lies» oder das hitverdächtige «Anything Ahead» treiben nach vorne, ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Selbst eine brachiale Hardcore-Explosion wie «Cut The Rot», bei dem Bubonix-Shouter Thorsten Polomski sich eine knappe Minute lang die Seele aus dem Leib schreit, ist räudig laut und genau das, was es braucht, um die grundlegende Botschaft der Platte auf den Punkt zu bringen: In einer Welt voller falscher Versprechen, sozialer Schieflagen, Lügen, Hass und Missgunst bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als wütend zu bleiben. Die ruhigeren, fast versöhnlichen Momente schneiden dadurch umso tiefer. «No Future» pendelt zwischen melancholischer Introspektive und vorsichtig hoffnungsvollen Höhepunkten, während «In This Body» mit seiner schlängelnden Melodie und dem betörenden Gesang stellenweise stark an Placebo erinnert, was der Band ausgesprochen gut steht.

Es ist beachtlich, wie sehr der Sound von ANGER MGMT. wie ein geschlossenes Ganzes wirkt und dabei dennoch abwechslungsreich bleibt und immer wieder überrascht. Das passt auch zum Thema der Ewigkeit, denn mit Stillstand kommt man hier nicht weit. Auch wenn es schwerfällt und weh tut, ist es besser, dranzubleiben und sich mitzuteilen. «Under My Skin» oder «Keep Trying» zeigen eine verletzliche innere Zerrissenheit und dieses permanente Ringen mit sich selbst, das sich mal in Lärm entlädt und mal in bedrückender Stille verharrt. Am Ende bleibt die Frage, ob wir uns von Angst und Wut bestimmen lassen oder das Ruder selbst in die Hand nehmen.

Passend dazu steht am Schluss das starke «Buzz». Auch wenn es vielleicht nicht ganz für ein wirkliches Happy End reicht, blitzt hier zumindest ein Moment der Hoffnung auf, wenn es heisst: «I’m drowning inside but I found a way to breathe, I feel better». Ein vorsichtiges Aufatmen ist erlaubt. ANGER MGMT. gelingt es mit «Anger Is Eternal», aus persönlichem Schmerz und gesellschaftlicher Frustration etwas zu formen, das laut, kreativ und vor allem relevant ist. Das ist beachtlich und in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Anger Is Eternal, ANGER MGMT., David Spring, Grunge, musiCH, Post-Hardcore, Punk

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