
Eigenveröffentlichung / VÖ: 13. März 2026 / Electro, Punk
Instagram
Text: David Spring
Trübsal blasen ist was Schönes. Schliesslich geht die Welt bestimmt bald unter und da scheint es nur angebracht, sich der schleichenden Verdrossenheit hinzugeben. Aber vielleicht geht es auch anders? Nein Danke zum Beispiel legen uns nahe, dass jeder Untergang auch ein Neustart sein kann. Und darum fragen sie nun: «Wo soll das alles enden?». Nicht als Verzweiflungsschrei, sondern als Aufbruch zu unbegrenzten Möglichkeiten.
Für die Uneingeweihten: Nein Danke sind ein No-Fi-Electro-Punk-Neuste-Deutsche-Welle-Duo aus Neuwied. Lass dir das mal auf der Zunge zergehen. Zusammengefasst klingt das in etwa so, als ob im Jahr 3000 jemand eine nostalgische NDW-Revival-Band aus den Trümmern der Gesellschaft herausstampft und unbekümmert die Clubs der Zukunft bespielt. Mal mit sanft wabernden Synths, mal mit stampfenden Techno-Beats und im Geiste immer Punk. Los geht es mit dem verträumten Titeltrack. Schnucklige Casio-Sounds und sphärische Synths tragen die sanfte Stimme von Sängerin Nadine und heissen dich willkommen in dieser bizarren Welt der Musik. Als Nächstes werden die BPM hochgefahren und das rabiate «Die Welt ist Lava» lässt Erinnerungen an die grossen Kochkraft durch KMA hochkommen. Aneckend und unbequem, irgendwie aber trotzdem eingängig, vor allem dank des charmanten Texts: «ich zieh die Gardinen wieder zu, lasst mich mit eurem Scheiss in Ruh».
Inhaltlich bewegt sich die Platte irgendwo zwischen lakonischer Weltbeobachtung und charmantem Kulturpessimismus. Die Welt ist halt ein merkwürdiger Ort geworden. Voller überfordernder Eindrücke, flackernder Bildschirme und latentem Endzeitgefühl. Doch statt im Doom-Scrolling zu versinken, verwandeln Nein Danke diese Stimmung in kurze, pointierte Momentaufnahmen. Mal sind es schlaflose Nächte wie im hibbeligen «Insomnie», mal ein ironischer Blick auf das zwanghafte Nicht-Dazugehören-Wollen im fantastischen «30 km/h». Dann wiederum ein leicht giftiger Kommentar auf zwischenmenschliche Absurditäten wie im grungeig unbequemen «Deine unzähligen Augen». Vieles wirkt bewusst fragmentiert und wie ein Gedankenstrom im grellen Neonlicht einer sehr langen Nacht. Genau darin liegt dann auch der Reiz. Denn die Songs versuchen sich gar nicht erst an den grossen Themen, sondern erzählen viel lieber kleine Geschichten und Beobachtungen aus einer absurden, seltsam vertrauten Welt.
Freilich ist das auch musikalisch herrlich schwer einzuordnen. Mal treiben stampfende Techno-Beats die Songs nach vorne, mal schleichen sich industrielle Klangfarben durch den Raum, dann wieder wabern plötzlich verträumte Synth-Flächen durch den Mix. Über all dem schwebt Nadines Stimme. Sanft, fast schon süsslich, als würde sie absichtlich im Kontrast zu den oft harschen, von Adnan gespielten und programmierten Beats stehen. Genau diese Reibung macht den Charme des Albums aus: Harte Maschinen-Rhythmen treffen auf beinahe loungeige Melodien, kalte Elektronik auf eine Stimme, die alles ein kleines bisschen wärmer erscheinen lässt. Das Resultat ist ebenso tanzbar wie eigenartig, anachronistisch und gleichzeitig der Zeit weit voraus.
Mit «Alles löst sich auf» entlassen uns Nein Danke mit dem elektro-punkigsten Track in die harsche Realität zurück. Am Ende bleibt ein faszinierendes, bizarres Album, das sich jeder einfachen Schublade entzieht. Punk ist das hier nur noch im weitesten Sinne. Wir bewegen uns eher irgendwo zwischen NDW-Nostalgie, Electro, Techno und einer guten Portion düsterer Club-Atmosphäre. Und trotzdem steckt im Kern genau jener punkige Spirit: Die Freude am Stören und die Weigerung, sich an Erwartungen anzupassen. Ein grossartiges Album also, aber keines für jede Gelegenheit. Wer einfache Kost sucht, ist hier falsch. Wer sich hingegen gerne herausfordern lässt und auch mal über den Tellerrand hinweg horcht, wird an Nein Danke viel Freude haben.
![]() |


