
Bakraufarfita Records / VÖ: 13. März 2026 / Pop, Punk
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Text: David Spring
Sag mal, glaubst du noch an Engel? So mit Heiligenschein, flauschigen Flügeln und brav in Weiss – das ganze Programm? Falls ja, heisst es jetzt wacker sein, denn die Engelenergie, die dieser Tage freigesetzt wird, hat weniger mit himmlischem Firlefanz und deutlich mehr mit Frust und Wut zu tun. Fertig gekuschelt, jetzt wird gepogt und dem Patriarchat der Kampf angesagt, denn niemand Geringeres als The Toten Crackhuren Im Kofferraum sind mit Album Nummer fünf zurück! «Love, Hate & Engelenergie» heisst das gute Stück und Mäuschen, you are sowas von nicht ready!
Wo fangen wir an? Wenn du The Toten Crackhuren Im Kofferraum noch nicht kennst, ist diese Rezension kaum für dich, weil – naja – ist dir dann wirklich noch zu helfen? Aber die Eingeweihten unter uns, die kultivierteren, ja einfach besseren Menschen, wissen: Niemand macht Atzentaubenfotzenschlager so wie die Crackies! So werden wir auch gleich im Opener «Supernova (Intro)» bedrohlich flüsternd gewarnt, dass die Truppe entsandt ist, um uns zu geben, was wir verdienen, nicht was wir wollen. Auch wenn es wehtut. Mit dem nach Berlin-Lounge-um-drei-Uhr-morgens klingenden Dance-Track «In meinem Herzchen» wird es etwas versöhnlicher und wir werden in die Herzen dieser magischen Band eingeladen. The TCHIK schiessen aus den knuffigsten aller Rohre: Wann hast du schliesslich je einen Dance-Banger voller lustig blubbernder Synth-Spielereien und einem wundervollen, ehrlichen Text über Freundschaft wie «Du bist ’ne Geile» gehört?
Du merkst: Auf dieser Platte passiert einiges. Die zwar angeeckten, aber genauso süsslichen Stimmen der drei Sängerinnen reiben sich perfekt mit den im Verlauf des Albums immer wütender werdenden Texten. «Skincare Routine» ist ein gutes Beispiel dafür: ultraeingängig und tanzbar, dazu ein fabelhafter Text über unmögliche Beauty-Standards, die Frauen erreichen sollen: «warum stress ich mich mein ganzes Leben und heul in Therapie, warum geb ich einen Fick auf den scheiss BMI?» Kann man nur lieben. Genauso das punkige «Halt dein Maul», das gegen toxische Männlichkeit und die «Manosphere» wettert, wie es halt wirklich nur The Toten Crackhuren Im Kofferraum können. Ob eine versaute Liebeshymne wie «Lieber Gott» oder ein funkig-cooles Stück wie «Kink», das trotz des Namens vor allem das Gefühl echter Zuneigung feiert («mein Kink ist es, gut behandelt zu werden») und dann, ganz à la 90s-Hollywood, noch mit einem Saxophonsolo endet: So viel Kreativität und Liebe zum Detail findest du halt auch nicht überall.
Dann ist da noch «Meine Wut» und damit der endgültige Beweis, dass The Toten Crackhuren Im Kofferraum eben doch Hochkultur sind. Oder wann hast du das letzte Mal eine ultra-feministische EDM-Version der Zauberflöte gehört? Na eben. Dieses Kleinod sollte an jeder Schule, in jedem edlen Konzerthaus, in den Kneipen der Republik, im Plenarsaal, am Strand, beim Sonntagsbrunch mit der Familie und in jedem noch so abgeranzten Späti tagein, tagaus gespielt werden. Ein Traum. Das zu toppen ist schwierig, aber The TCHIK schieben noch eine Collab mit Remote Bondage namens «Nackt auf dem Balkon» und das Kleinod «Mach dir keine Sorgen, mach dir Nudeln» nach und ja, das ist halt einfach Weltklasse. Falls du denkst, dass hier übertrieben wird, rate ich dir: hör einfach mal selber rein. Und überhaupt, was fällt dir eigentlich ein, hier solche Zweifel zu äussern? Also bitte!
The Toten Crackhuren Im Kofferraum – haben wir etwas anderes als Perfektion erwartet? Das Schöne daran ist, dass es eh völlig egal ist, ob dir das gefällt oder nicht: Die Crackies, unsere allerliebsten Engelchen aus der Gosse, haben einmal mehr Grosses geschaffen und wir dürfen uns glücklich schätzen, einen heiss begehrten Platz in ihren Herzchen bewohnen zu dürfen. «Love, Hate & Engelenergie», meine liebe Frau Gesangsverein, was willst du denn auch mehr?
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