
Noisolution / VÖ: 20. März 2026 / Stoner Rock, Psychedelic
yeast-machine.com
Text: David Spring
Was um alles in der Welt ist denn bitte schön eine Yeast Machine? Und warum soll ich schlechte Milch trinken wollen? Fragen über Fragen, und ob uns das Tübinger Quintett darauf irgendwelche Antworten liefert, ist wohl zu bezweifeln. «Bad Milk» heisst das neue Album auf jeden Fall, und ob es mehr gärender Kellerfund oder bewusstseinserweiternder, psychedelischer Wüstenritt ist, das finden wir nun heraus.
Der Ursprung dieser Band ist fast schon so klischeehaft wie sympathisch. Fünf Freunde, die zusammen wohnen, zusammen leben und irgendwann auch zusammen Musik machen. Was schnell nach WG-Romantik klingt, entpuppt sich als kreativer Glücksfall. Die Nähe, der ständige Austausch und dieser kollektive Puls sind auf «Bad Milk» schnell spürbar. Schon das düstere Intro «Globalized Condolences» und der glorreiche Rocker «Falling Rocks» zeigen, dass Yeast Machine keine sterile Studioarbeit abliefern, sondern Musik, die atmet und schwitzt und sich nicht davor scheut, auch mal etwas auszuarten. Erst recht der fantastische Titeltrack, der irgendwo zwischen stoneriger Trockenheit und episch nackenbrecherischem, modernem Metal liegt. Dazu kommt die äusserst wandelbare, sexy Stimme von Sänger Benny Frenzel, der seinen Tribut nicht selten dem grossen Josh Homme zollt und mal süffisant flüsternd, mal beeindruckend in der Kopfstimme und mal rau und losgelöst unglaublich viel zum Charakter des Sounds beiträgt.
Musikalisch bewegen sich Yeast Machine also irgendwo im Spannungsfeld zwischen Stoner Rock, Grunge und psychedelischem Alternative. Die Gitarren stampfen und türmen sich zu massiven Wänden auf, während sich immer wieder luftige, fast schwebende Passagen dazwischen mogeln. Songs wie das cool nach vorne treibende «Dust On The Radio» oder das wütend groovende und gleichzeitig unverschämt eingängige «Feeding Poison To The Spiders Was Never Really My Thing» (welch glorreicher Titel!) zeugen von der Kreativität und der frischen Herangehensweise der Band. Die Mischung aus Lässigkeit und unterschwelliger Dringlichkeit verleiht den Songs eine eigene Identität, die sich angenehm vom Genre-Einheitsbrei abhebt und trotz offensichtlicher Parallelen zu Queens Of The Stone Age oder Fu Manchu einen ganz eigenen Charakter trägt.
Inhaltlich ist «Bad Milk» nicht immer eindeutig einzuordnen, oft aber von einer gewissen unterschwelligen Unruhe geprägt. Da geht es um Enge, um Selbstzweifel und um das Gefühl, in Strukturen gefangen zu sein, aus denen kaum ein Ausbruch vorstellbar ist. Nach aussen hin funktioniert alles, aber in unserem tiefsten Inneren wird es immer leerer und kälter. Songs wie «The Golden Cage» bringen diese Stimmung auf den Punkt: nachdenklich, schwer, aber auch nie komplett hoffnungslos. Die beeindruckende Quasi-Ballade, die das Album schlussendlich beinahe versöhnlich zu Ende bringt, steht auch ein letztes Mal dafür, wie abwechslungsreich und in sich geschlossen Yeast Machine auftreten. Natürlich wird rege in mannigfache musikalische Richtungen genickt, aber am Ende des Tages steht die Band selbstsicher auf eigenen Beinen.
Was «Bad Milk» letztlich stark macht, ist diese Balance. Zwischen Druck und Atmosphäre, zwischen Eingängigkeit und Experiment, zwischen kollektiver Spielfreude und klarer Vision. Yeast Machine schaffen es, die Energie einer intensiven, wilden Live-Performance erstaunlich authentisch ins Studio zu übertragen und dabei munter ihren Weg zu gehen. Das Ergebnis ist ein vielseitiges Album, das nicht sofort alles preisgibt, aber genau deshalb hängen bleibt. Somit halten wir fest: Ganz so schlimm ist die Milch definitiv nicht, und lange stehen bleiben wird sie bei so viel freigesetzter Energie ohnehin kaum!
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