
Kidnap Music / VÖ: 3. Oktober 2025 / Punk
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Text: David Spring
Jede:r Self-Help-Coach wird es dir bestätigen: am wichtigsten bist du selbst! Und weil ich selbst das viel zu oft vergesse oder ignoriere, dachte ich mir, dass eine Band, die sich Waumiau nennt und einen Song namens «Danke David» hat, nur gut für mich sein kann. Wenn das Album dann noch «Good Vibes Only» heisst und mit einem freundlich lachenden Gesicht (naja) aufwartet, dann muss das doch einfach ein positives Zeichen sein. Oder so…
Ja, und wie es im Leben halt so geht, hat das Schicksal manchmal recht. Die vielleicht, vielleicht auch nicht nach einer Haustierversicherung benannte Band aus Düsseldorf vermag es problemlos, dir ein Lächeln ins Gesicht zu meisseln, ob du willst oder nicht. Vordergründig klingen Waumiau durchaus frohgemut, der titelgebende Opener rumpelt sich in bester DIY-Poppunk-Manier aus der Garage direkt auf deine Ohren. Schnell, treibend und unverschämt eingängig geht es nach vorne, mit rotzig sympathischer Stimme und ordentlich Attitüde. Doch natürlich ist da mehr drin als nur belangloser Schrammel-Punk. Die Band, die erst seit 2021 aktiv ist und hier bereits ihr zweites Album am Start hat, hat vieles zu sagen, weiss aber auch, dass zum effektiven Aktivismus immer auch ein kleines Augenzwinkern gehören sollte.
Das eingangs erwähnte «Danke David» zum Beispiel ist clevere Kapitalismus-Kritik, verpackt in eine Lobeshymne auf niemand Geringeres als den Friedenskämpfer Nummer eins: David Hasselhoff. Obwohl ich so immer noch auf mein eigenes Liebeslied warten muss, kann ich doch neidlos eingestehen, dass das so besser funktioniert. Damit hat es sich dann aber schon mit Liebhudelei, denn eigentlich sind Waumiau ziemlich heftig angepisst. «Düsseldorf kotzt» geht gnadenlos mit der NRW’schen Karnevalskultur ins Gericht. Anderswo kriegt der liebe Elon sein Fett weg, wenn der Tech-Oligarch in «Email von Elon Musik» durch den No-Future-Fleischwolf gedreht wird. «Null Komme Drei Cent» greift die katastrophale Vergütungsstrategie von Spotify auf und das glorreiche «Halt die Fresse» wird all denen aus dem Herzen sprechen, die im Alltag gerne ab und zu sagen würden, was sie denken.
Musikalisch bewegt sich das Ganze zwischen wildem Garagenkrach, räudigem DIY-Charme und erstaunlich vielen Melodien, die sich hartnäckig festbeissen. Keiner der 12 Songs dauert merklich länger als zwei Minuten, was dafür sorgt, dass hier nichts überflüssig ist: nur Hits, nur Haltung, nur Energie. Besonders erwähnenswert ist dann noch das vorzügliche «Menstruieren», ein wütender, kluger und zugleich herrlich eingängiger Song, der ein gesellschaftliches Tabuthema frontal aufgreift und zeigt, wie befreiend Punk sein kann, wenn er so richtig von Herzen kommt. Dass Waumiau dabei nie den Humor verlieren, sondern auch in der Wut Spass haben, macht die Platte erst recht erfrischend.
Der perfekte Abschluss kommt mit «Nazis aufs Maul», einem 29-Sekunden-Brett, das alles auf den Punkt bringt und exemplarisch für die kompromisslose Direktheit von Waumiau steht. Damit endet ein unglaublich abwechslungsreiches, unterhaltsames und pointiertes Album, wie du es nicht jeden Tag hörst. Waumiau schaffen es, dich im gleichen Moment lachen und wütend sein zu lassen, was «Good Vibes Only» schlussendlich so überzeugend macht. Bevor du also wieder nur noch schwarz siehst und die Hoffnung bei all den tagtäglichen Hiobsbotschaften verlierst, hör dir lieber diese Platte an und pack dir eine ordentliche Ladung Good Vibes auf den krummen Buckel. Nur so wirds irgendwann wieder besser.

