
Cooking Vinyl / VÖ: 7. August 2026 / Punk, Cabaret
dresdendolls.com
Text: Cyril Schicker
The Dresden Dolls sind vor zwei Jahrzehnten grosskalibrig aufgefahren, dann kleinkalibrig heruntergefahren. Jetzt nimmt das unterhaltungsschwangere Punk-Cabaret-Duo aus den USA erneut Fahrt auf.
Nicht nur mit gutem Material, sondern auch mit gutem Grund: Zum 20. Jubiläum ihres zweiten Studioalbums veröffentlichen Amanda Palmer und Brian Viglione – The Dresden Dolls – die neu aufgenommene Version des Kultalbums „Yes, Virginia“.
Eine erste Erkenntins: The Dresden Dolls schaffen mit minimalen Effekten maximale Akustik. Überwältigend.
Egal, ob du zu den Punks gehörst, zu den Kabarettisten, zu den Gauklern, zu den Rockern, zu den Pianisten, zu den Bühnenberserkern, zu den Goldkehlchen, zu den Schauspielern und Schaustellern, zu den … The Dresden Dolls lege ich dir in den CD-Player, ähm, ans Herz.
Wo The Dresden Dolls draufsteht, stecken Anarchie, Cabaret, Punk und eine ungebändigte Spielfreude drin. Mitunter kommen noch Augenzwinkern (Tailor’s Version), Monologe, Theatralik – und Angriffslust (Backstabber), dazu:
Rotten like a crackwhore
Begging out the backdoor
Show us what you’re good for
Post it to the Noise Board
Come on join the bloodsport
Show us some support
Still working at the drugstore
Is it because you’re
A fucking
Backstabber! Hope grabber!
Greedy little fit haver!
God I feel for you fool
You shit lover! Off-brusher!
Jaded bitter joy crusher!
Failure has made you so cruel
…
Amanda Palmer offeriert einige Einblicke in die Entstehung der Jubiläumsedition: „Die Herausforderung im Studio bestand darin, etwas einzufangen, das ständig in Bewegung ist – diese Songs wurden immer im Dialog mit dem Publikum gespielt. Die Aufnahme musste nicht perfekt sein, ganz im Gegenteil: Sie musste lebendig und eindringlich wirken.“
Sie weiter: „Es war fast beunruhigend, wie aktuell diese Texte auch im Jahr 2026 noch sind, besonders die Themen Unruhe, Ohnmacht, das schleichende Aufkommen des Faschismus, Abtreibungsrechte; es gibt sogar einen Song, der sich die Übernahme des Weltraums durch Konzerne vorstellt. Es ist wie: Wow, schau mal, wie wenig wir vorangekommen sind.“
Yes, Virginia, liebe Leserin und lieber Leser, du bist sicher viel weiter vorangekommen. Einen (Entwicklungs-)Schritt weiter geht aber immer: Reinhören und Album kaufen.
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