
Mittwoch, 21. November 2025
Anna (Gesang), Max (Bass) und Kay (Gitarre)
Gespräch: David Spring
Vor nicht allzu langer Zeit machte die Band mit dem sympathischsten Namen seit langem mit ihrem bereits zweiten Album «Good Vibes Only» von sich reden. Nicht nur, weil darauf ein grossartiges Lied namens «Danke, David» enthalten ist, dachten wir uns, dass es sich lohnt, hier mal ein paar Fragen in den grossen Kanton rüberzuschicken und reinzuhorchen, was der netten Band so durch die Köpfe geht. Lest selber, was uns Waumiau über ihre Entstehungsgeschichte, ihr neustes Werk, die Szene allgemein und natürlich David Hasselhoff zu erzählen haben.
Gratulation zum neuen Album! Wie waren die bisherigen Reaktionen, sowohl in den Medien wie auch auf Seite der Fans?
Max: Danke! Die Reaktionen waren grundsätzlich erst einmal ganz gut. Besonders grosses Lob oder ausufernde Verrisse und Beleidigungen sind allerdings bisher ausgeblieben.
Kay: Vielleicht kommt das ja noch. Als kleine Band laufen wir da aber ein wenig unter dem Radar.
Könnt ihr kurz erzählen, wer ihr seid, woher ihr kommt und wie WAUMIAU entstanden ist?
Kay: Wir sind Anna, Jan, Max, Kay und seit neustem Isa, die uns immer mal wieder am Synthesizer unterstützt. Wir wohnen alle in Düsseldorf und WAUMIAU ist ein klassisches «Corona-Projekt». Die Zeit im Lockdown hatte bei mir dazu geführt, dass ich viel Zeit zum Musikmachen hatte. Ohne Plan habe ich angefangen, zu Hause Songs aufzunehmen. Nach und nach dachte ich mir: Warum eigentlich nicht noch ein kleines Nebenprojekt gründen, bei dem der Spass im Vordergrund steht? Das war erst einmal der Ursprungsgedanke. Mit Jan, Faf und Anna haben wir uns dann schnell zusammengefunden. Wir kannten uns zwar vorher schon alle, haben aber noch nie zusammen Musik gemacht. Schnell war eine Platte fertig, aber Konzerte konnte man aufgrund der Corona-Bestimmungen noch nicht spielen. Hat sich schon komisch angefühlt in der Reihenfolge: erst Platte, dann irgendwann Konzerte.
Anna: Im Nachhinein ging es insgesamt wirklich echt schnell. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein bisschen überredet oder überzeugt werden musste, da ich es mir anfangs eigentlich gar nicht wirklich zugetraut habe. Ich frage mich inzwischen schon manchmal, woran das lag, ob es vielleicht an fehlenden Role Models und Strukturen lag.
Wie entstehen eure Songs? Schreibt ihr Songs zusammen, ganz klassisch im Proberaum oder habt ihr da eine Arbeitsteilung?
Max: In der Regel ist es so, dass bestimmte Personen fertige Demos oder ein gewisses Grundgerüst an Songideen mit in den Proberaum bringen. Das Gleiche gilt dann für die Texte. Im Proberaum selbst schauen wir dann, was wie wo zusammenpasst, passen die Songstrukturen gegebenenfalls an, spielen alles ein bisschen durch und dann ist das Lied irgendwann fertig.
Anna: Es gibt keine klassische Arbeitsteilung. Jede Person, die eine Idee oder ein Thema hat, bringt es mit und dann läuft es so, wie Max beschrieben hat. Textideen finde ich persönlich meistens im Alltag, z. B. wenn im Job wieder ein nerviger Satz fiel, ich zu viel in den Kommentarspalten bei Social Media abhing oder dran bin, Shirts und Platten am Merch-Stand zu verkaufen (Stichwort Mansplaining). Es gibt aber auch Themen, die ich aus Gesprächen mit Freundinnen mitnehme. So ist z. B. der Song «Spiessrutenlauf» von der ersten Platte entstanden. Da wünschte ich, behaupten zu können, dass ich aus stilistischen Gründen ein bisschen übertrieben habe, aber das war traurigerweise gar nicht nötig. Es ist mir dann eine Herzensangelegenheit, ein Sprachrohr sein zu können (zumindest ein kleines).
Wo und mit wem habt ihr das Album aufgenommen? Und was habt ihr bei diesem Album-Prozess (Songwriting, Pre-Production, Aufnahmen etc.) anders gemacht als zuvor?
Max: Aufgenommen haben wir mit Dominik Hoh, einem Kumpel aus dem näheren Umfeld. Dominik macht Live-Sound und Aufnahmen professionell. Wir haben das Ganze aber so kostengünstig wie möglich mit ihm im Proberaum und bei ihm zu Hause aufgenommen. Die Songdemos und Vorproduktionen waren zu dem Zeitpunkt alle im Kasten, sodass es glücklicherweise keine grossartigen Überraschungen gab. Anders als zuvor wurde diesmal durch die richtige Seite des Mikrofons der Gesang aufgenommen.
Wie entstanden der Albumtitel und das Artwork?
Kay: Es gab zuerst den Song, bevor es das Cover gab. «Good Vibes Only» ist einfach ein bescheuertes Motto, wenn man das so nennen kann. Gerade in dieser Zeit wirkt der Spruch, wenn ernst gemeint, einfach zynisch und verkehrt. In Kombination mit den bunten Farben und dem traurigen Smiley entsteht etwas Visuelles, das nicht zusammenpassen will. Ich glaube, mir hat dieser Kontrast damals einfach gefallen.

Gibt es Songs der neuen Platte, die euch besonders am Herzen liegen? Oder Songs, um Menschen, die euch noch nicht kennen, von euch zu überzeugen?
Max: Es gibt Songs, die sich jetzt im Live-Set definitiv besser anfühlen als zuvor gedacht. Dazu gehören für mich z. B. «Menstruieren» und «Survival Of The Richest». Besonders am Herzen liegt uns allen vielleicht «Danke David», weil sich der Song textlich ein wenig mit der Zusammenführung dieser Band beschäftigt.
Anna: «Danke David» zeigt eigentlich gut, dass wir auch Boomer-Humor können (richtig überzeugende Werbung für uns). Wir mussten nämlich feststellen, dass der Witz hinter dem Song etwas veraltet ist. David Hasselhoff hat kurz nach dem Mauerfall ein Konzert an der Berliner Mauer gegeben, und damals hiess es oft, er habe mit diesem Auftritt die Mauer zu Fall gebracht. Auf einer sehr langen Rückfahrt von einem Tourwochenende nach Hause kam uns im Tourbus der Gedanke, dass es WAUMIAU ohne «The Hoff» vielleicht nie gegeben hätte, schliesslich bin ich in der DDR geboren. Der Song liegt mir persönlich aber nicht nur deshalb (oder wegen David Hasselhoff) am Herzen. Die DDR war ein Unrechtsstaat, eine Diktatur, und es gibt Menschen, die sich diesen Staat in seiner damaligen Form zurückwünschen. Viele verklären und glorifizieren diesen Teil ihrer Vergangenheit komplett. Bei allem Klamauk steckt auch absolutes Unverständnis darüber in dem Song. Aber auch ein wenig Kapitalismuskritik. Das Lied ist also ein bisschen wie ein Kinder-Überraschungsei (drei in einem) aus dem Intershop.
Der Song «Menstruieren» hingegen kommt nicht nur von Herzen, sondern eigentlich direkt aus dem Unterleib. Ich fühle den live vielleicht manchmal fast ein bisschen zu sehr. Übrigens ist es auch der einzige Song der Platte, den Spotify als «explicit» eingestuft hat.
Was macht für euch ein perfektes Konzert aus? In welcher Grössenordnung findet ihr inzwischen ungefähr statt?
Max: Zu einem perfekten Konzert gehören im Grunde eigentlich nur nette Leute. Seien es die Menschen vom Laden, im Publikum oder der anderen Bands. Wir hatten zuletzt sehr viel Glück in allen drei Kategorien <3.
Anna: Mir macht es immer besonders viel Spass, wenn ich sehe, dass sich die Leute im Publikum wohlfühlen und wenn jede Person ihren Raum haben darf, egal ob vorne im Pogo oder weiter hinten. Wenn aufeinander geachtet wird, das spürt man einfach. Es ist schön, dass es auf den meisten unserer Konzerte so ist.
Kay: Was die Grösse der Konzerte angeht, kommt es ganz darauf an, mit wem wir zusammenspielen und wo das Konzert ist. Anfragen erreichen uns vor allem von kleinen, selbstverwalteten Läden und AZs. Da, würde ich sagen, fühlen wir uns auch am wohlsten. Auf einem Festival oder als Supportband für eine bekanntere Band in einem etwas grösseren Klub zu spielen, macht aber auch Spass.

Gibt es Bands oder Künstler:innen, mit denen ihr unbedingt mal noch eine Bühne teilen möchtet? Und Orte/Lokale/Bühnen, auf denen ihr unbedingt mal spielen möchtet?
Max: So Bands und Künstler:innen im Sinne von «Idole» wären mir gar nicht so wichtig. Mir ist definitiv lieber, mit befreundeten Bands wie z. B. Disgusting News, Akne Kid Joe, Marode, Theilen, Scherben oder Spacemaus in tollen Läden wie dem Linken Zentrum/Düsseldorf, der Villa Wuller/Trier, dem Knup/Oerlinghausen oder dem Kafe Marat/München zu spielen.
Anna: Mit David Hasselhoff.
Wie geht es der Szene aktuell? Was hat sich in Bezug auf Awareness, FLINTA*-Anteil, #punktoo etc. aber auch VVK-Zahlen und Konzertabsagen verändert? Welche Baustellen bestehen noch?
Max: Wir beobachten das Ganze sehr aufmerksam und finden die aktuelle Entwicklung in erster Linie erst einmal spannend. Wir freuen uns zum einen sehr über die wachsende Awareness und die FLINTA*-Anteile. Gleichzeitig sehen wir aber immer noch genug Akteure in der Szene, die sich den Thematiken entweder verschliessen oder sie einfach so auslegen, wie es ihnen passt.
VVK-Zahlen wiederum sind für uns nicht relevant, weil wir eine kleine Kack-Band sind, die für Door-Deals durch die Städte tingelt. Und das ist auch gut so. Konzertabsagen haben uns bisher nur getroffen, weil wir oder Freund:innen aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten. Sowas ist natürlich immer schade, aber «et kütt wie et kütt».
Anna: Ich habe ja schon erwähnt, dass ich das Gefühl habe, dass sich das Publikum bei unseren Konzerten meistens wohlfühlt. Das ist mit Sicherheit der wachsenden Awareness geschuldet. Wir erleben immer mehr Awareness-Konzepte oder Konzertgruppen, die sich dahingehend auf den Weg machen. Das ist wirklich eine super Entwicklung. Auf unseren Konzerten gehe ich gerne mal ins Publikum und auch in solchen Momenten merke ich das sehr stark. Es wird dann ebenfalls auf mich aufgepasst. Leider ist das aber nicht flächendeckend so. Ich persönlich meide entsprechend manche Konzertveranstaltungen oder -räume inzwischen. #punktoo hat so viel offengelegt: Nicht nur, dass Sexismus, Diskriminierung und Machtmissbrauch auch Teil der Punkszene sind, sondern es haben sich auch viele mit ihrer Reaktion darauf selbst entlarvt. Wie Max schon sagte: Es gibt auf der einen Seite eine spürbar positive Entwicklung, aber gleichzeitig weiterhin festgefahrene Strukturen.
Gibt es Organisationen, NGOs etc., die euch zurzeit speziell am Herzen liegen und die unbedingt einen Shoutout verdient haben?
Kay: Im Osten gibt es z. B. Polylux. Die fördern vor allem unkompliziert und unbürokratisch Projekte, Initiativen und Veranstaltungen in ländlichen Regionen. Das können auch kleine Veranstaltungen sein oder sie übernehmen den Druck für Konzertposter, wenn die Kohle fehlt. Den Ansatz, dass es niedrigschwellig bleibt, finde ich richtig gut. Wenn ihr also aus dem Osten seid, checkt mal: https://polylux.network/de
Max: Antifa e. V.
Danke, habt ihr euch die Zeit genommen, unsere Fragen hier zu beantworten! Und danke für die Musik, ohne Bands wie euch wär’s doof!
(Alle Fotos von Tim Mithöfer)

