
Freitag, 20. Juni 2025
Stavros Dzodzos (Gesang, Gitarre), Marco Mottolini (Bass) und Maxime Cosandey (Schlagzeug)
dirtysoundmagnet.com / Facebook / Instagram / Spotify
Gespräch: Adrian Portmann
Letzten Monat spielte die Freiburger Band Dirty Sound Magnet bei strahlendem Sonnenschein auf der Valley Stage des Hellfests. Nach einer energiegeladenen Show, dem Zusammenräumen und einer kulinarischen Stärkung versammelte sich die Band gut gelaunt im Pressebereich für unser Interview. Die Stimmung war locker und nach kurzem Smalltalk sprachen wir intensiv über ihre offenen Träume, ihr neuestes Album und ob sie allein mit ihrer Musik über die Runden kommen können.
Adrian: Hallo zusammen, danke nochmals, dass ihr euch die Zeit für uns genommen habt. War das Konzert gerade eben euer grösstes bis jetzt?
Stavros: Bis jetzt haben wir mehr als 800 Shows gespielt, wobei das Hellfest nun die grösste «offizielle Show» war. Bei einem Protest in Bern haben wir jedoch einmal vor 10’000 Leuten gespielt, das war aber kein Rockkonzert und zählt somit eigentlich für uns nicht.
Marco: Die PA’s waren damals zudem extrem schwach und so haben uns sehr wahrscheinlich gar nicht viele gehört oder bemerkt, dass wir dort waren. (lacht)
Wie war es nun für euch hier zu spielen?
Stavros: Ich denke, wir waren sehr gut auf die Show vorbereitet. Wir wussten bereits schon seit ein paar Monaten, dass wir hier spielen werden und so hatten wir genügend Zeit, uns darauf einzustellen. Auch wenn wir daran gewöhnt sind, viele Shows zu spielen und ständig auf der Bühne zu stehen, war das hier besonders: extrem kurzer Soundcheck, alles war sehr schnell getaktet. Dazu kommt, dass die Sets auf dieser Tour mit 40 Minuten sehr kurz sind.
Marco: Normalerweise spielen wir zwei Stunden Sets, das haben wir auch in den letzten Monaten immer so gemacht. Und plötzlich sind all diese Festivals für den Sommer gebucht und wir mussten alles zusammenstreichen, damit das Set kürzer wird, aber trotzdem 100 % von dem zeigt, was wir spielen. Es war also eine coole Herausforderung und ich denke, wir haben nun ein sehr solides Set für diese Tour kreiert. Es hat echt Spass gemacht, das auf der Bühne zu spielen.
Stavros: Vor dieser Tour haben wir natürlich auch schon 40 Minuten Sets gespielt, jedoch waren diese nie so gut vorbereitet wie jetzt hier. Wir haben uns diesmal viel Zeit genommen, um über die kleinen Details und die wichtigen Momente nachzudenken, die im Set nicht fehlen dürfen.
Marco: Die Leute haben sehr gut darauf reagiert!
Wie bereits vorher erwähnt habt ihr schon jede Menge Shows gespielt. Welcher Ort oder welches Event wäre für euch ein grosser Traum, bei dem ihr gerne einmal spielen würdet?
Stavros: Auf dem Mond! (alle lachen)
Marco: Nun ich denke der Madison Square Garden wäre so etwas wie der Höhepunkt beziehungsweise der ultimative Traum für jede Band, aber das scheint irgendwie ziemlich, na ja, unerreichbar.
Maxime: Für mich persönlich ist es ein grosser Traum endlich Mal an einem der ganz grossen Schweizer Festivals zu spielen.
Stavros: Als wir früher vor 50 Leuten gespielt haben, war für mich der Traum irgendwann vor 100 Leuten zu spielen. Ich erinnere mich an die Zeit als wir durch Europa getourt sind und noch ganz kleine Konzerte vor 20 Leuten, teilweise sogar vor niemandem gespielt haben. 2019 an einem Abend im Hotel sagte ich zu Marco: Wenn wir es eines Tages schaffen, jeden Abend vor 100 Leuten in einer vollen kleinen Bar zu spielen – Das wäre das grosse Ziel! Und nun spielen wir Headline-Shows mit 300 bis 400 Leuten und wir können ein zweistündiges Set spielen. Für mich ist das jetzt schon der absolute Traum, den wir leben.
Marco: Und wir sind dabei völlig frei. Wir managen die Band komplett selbst, wir können machen, was wir wollen. Wir haben mittlerweile auf der ganzen Welt tolle Agenten, mit denen wir zusammenarbeiten. Somit ist es ein echtes Vergnügen, dieses Leben so leben zu dürfen.
Stavros: Jetzt auf diesen Festivals zu spielen, ist für uns eine ganz neue Erfahrung. Früher wurden wir nicht oft auf Festivals eingeladen. Wir sind keine typische «Festival-Band». Deshalb ist dieser Sommer mit einer Menge Festival-Auftritten für uns wirklich etwas Besonderes.
Ist es denn für euch derzeit möglich, ausschliesslich von eurer Musik zu leben?
Marco: Ich würde nicht sagen, dass wir davon leben können, aber wir können «überleben». Wir widmen uns seit mittlerweile zehn Jahren zu 100 % der Band. Damals haben wir entschieden: keine anderen Jobs, keine anderen Bands, keine Nebenprojekte – Voller Fokus auf die Band. Ich finde, das ist ziemlich selten, denn ich kenne viele professionelle Musiker, die meistens drei oder vier Projekte gleichzeitig haben, um zu überleben. Auch wir haben für eine Zeit lang Musikunterricht gegeben. Aber wie Stavros vorher schon gesagt hat: Wir leben aktuell unseren Traum. Zudem haben wir eine Menge Nebenaufgaben für die Band zu erledigen. Wenn wir in der Schweiz sind, spielen wir eigentlich jeden Tag und arbeiten an neuen Sachen, wie zum Beispiel an unserem neuen Album. Vormittags kümmern wir uns wiederum um organisatorische Aufgaben, Mails beantworten und weitere technische Dinge. Wir haben eigentlich nie wirklich Ferien, aber alles fühlt sich trotzdem an wie «der Traum», also machen wir einfach immer weiter.
Stavros: Ich würde auch sagen, es ist sehr gesund, das eigene Management und Marketing selbst zu übernehmen, weil alles auf einer menschlichen Ebene bleibt. Dadurch, dass wir uns selbst darum kümmern, stellen wir uns immer wieder Fragen wie: Wie viel verdienen wir bei diesem Festival? Was geben wir aus? Dieses Bewusstsein hält uns geerdet. Wenn man nur noch spielt und andere alles für einen regeln, besteht die Gefahr, dass man mit der Zeit den Bezug zur Realität verliert. Deshalb denke ich, dass dieses Modell für uns bisher sehr gut funktioniert hat.
Fühlt ihr euch also selbst wie euer eigenes Unternehmen?
Marco: Ja, definitiv! Eine künstlerische Firma, wobei auch hier das Ziel ist, grösser zu werden.
Stavros: Was wir nicht haben, ist eine Altersvorsorge. Das heisst also, Bühne für immer und damit komme ich klar.
Marco: Ja, das stimmt. Es gibt schon einige Opfer, die man bringt, wenn man den Schweizer Lebensstil betrachtet. Geld für die zweite und dritte Säule zurückzulegen, ist für uns momentan keine Realität. Vielleicht können wir das irgendwann nachholen, wenn die Band erfolgreicher wird. Aber fürs Erste haben wir keinen Plan für den Zeitpunkt, an dem wir zu alt sind. Nun ja… Wir spielen weiter!
Stavros: Wir spielen! (lächelt zustimmend)
Marco: Wir spielen! (lächelt)

Nun zu einem anderen Thema. Vor einer Woche habt ihr verkündet, dass ihr in der Endphase eurer neusten Platte seid. Wie war es für euch, dieses Album zu entwickeln?
Stavros: Es ist immer sehr aufregend, an einem neuen Album zu arbeiten, vor allem weil es so ein langer Prozess ist. Jedes Mal denkt man, es wird einfacher, aber das trügt. Ich denke, man kann es mit dem Produzieren eines Filmes vergleichen, wobei so viele Dinge bedacht und zusammengefügt werden müssen. Wir sind zwar weniger Leute, aber es gibt ebenfalls eine Menge zu bedenken, damit das Endprodukt, die Story, der Sound und alles zusammen funktionieren. Die Konzeption dauert dementsprechend oft mehrere Jahre – von der ersten Idee, übers Song- und Textschreiben, bis zur gemeinsamen Arbeit als Band. Es braucht einfach Zeit und jedes Album ist eine neue, aufregende Reise.
Besonders toll war es dieses Mal, explizit mit Leuten zusammenzuarbeiten, die wir seit langem kennen und denen wir vollkommen vertrauen. Wir haben die Songs in Deutschland in einem Studio eines Freundes aufgenommen und anschliessend die Tracks zu Hause fertiggestellt. Somit denke ich, haben wir auch bei der Produktion einen Schritt nach vorne gemacht, denn früher haben wir immer in unserem Proberaum aufgenommen.
Könnt ihr bereits einzelne Details über das Album verraten?
Stavros: Das letzte Album war eher zart und leicht, etwas, das man in der Badewanne hören kann. Das neue wird das Gegenteil: härter und dunkler!
Marco: Auf dem Album ist ein Song, den wir schon sehr, sehr lange in der Schublade hatten, so etwa 10 Jahre, vielleicht sogar länger. Es ist definitiv einer meiner Favoriten und ich wartete viele Alben ab, um ihn endlich aufzunehmen. Und genau an dem Tag, an dem wir den Song aufnehmen wollten, was passiert? Ich schneide mir beim Kochen in den Hauptfinger, mit dem ich Bass spiele. Somit musste ich zwar beim Aufnehmen leiden und habe die ganze Zeit geblutet, aber wir haben es geschafft!
Stavros: Das Album trägt den Namen «Me And My Shadow» und wird am 31. Januar veröffentlicht. Zudem wird es auch eine grosse Tour geben, wobei wir nur zwei Shows davon in der Schweiz spielen werden: im Docks und im Dynamo.
Zurück zur Produktion eurer Musik. Wie entstehen euer Songs?
Stavros: Ich schreibe das grobe Arrangement und Texte in meinem Schlafzimmer und dann, sobald die Idee da ist, bringe ich sie in unseren Proberaum und dann wird die Idee zu einem Dirty Sound Magnet Song.
Marco: Manchmal geht der Prozess sehr schnell, so in ein, zwei Proben ist der Song bereits da, dann noch kleine Anpassungen und wir können ihn schon final aufnehmen. Und manchmal dauert es Jahre, bis ein Song wirklich fertiggestellt wird. Wenn wir proben nehmen wir immer gleich auf und so sind über die letzten Jahre tausende Aufnahmen entstanden. Oft ist es dabei 100 Mal derselbe Song, der sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Einige Ideen, die stark mit den frühen Phasen der Band verbunden sind, sind immer noch unverwendet, reifen weiter und vielleicht schaffen sie es eines Tages auf ein Album. Weisst du, manchmal ist meine grösste Sorge nicht, dass uns die Ideen für den Rest unserer Bandkarriere ausgehen. Die eigentliche Sorge ist aber eigentlich eher, ob wir überhaupt genug Zeit haben werden, all diese coolen Ideen aufzunehmen.
Stavros: Ich kann endlos durch mein Smartphone scrollen, da sind so viele Ideen. Das setzt natürlich auch unter Druck. Aber der ganze Prozess ist immer sehr spannend, besonders ab dem Moment, zu dem sich ein Song gemeinsam mit der ganzen Band weiterentwickelt.
Marco: Proben starten bei uns jedoch immer mit einer grossen Jam-Session.
Stavros: Sicherlich die ersten 30 Minuten, wo wir einfach frei herumspielen, unsere Augen schliessen und währenddessen teilweise auch miteinander plaudern. Es herrscht dabei jeweils eine sehr freies Gefühl. Dieses Gefühl vermisse ich, wenn wir auf Tour sind.
Marco: Wir improvisieren zwar eine Menge auf der Bühne, aber es ist nicht dasselbe, wie in unserem eigenen Raum, wenn wir allein sind und einander zuhören.
Kommen wir zur letzten Frage. Vielleicht erinnerst du dich (Stavros) noch an unser amüsantes Gespräch in Glasgow. Damals sprachen wir darüber, dass du dem Schauspieler Cillian Murphy ähnlich siehst und deine Mutter zunächst dachte, du würdest bei Peaky Blinders mitspielen, als sie die Serie sah. Daher die Frage: Dachte deine Mutter zuerst auch, dass du beim Film «Oppenheimer» dabei warst? (Alle lachen)
Stavros: Das denke ich nicht. Sie mag einfach Peaky Blinders besonders gerne und redet auch immer gern davon. Wenn sie mich vermisst, schaut sie sich Peaky Blinders an.
Marco: Mir persönlich fällt es auch schwer, die Serie anzuschauen und ich denke mir jedes Mal: «Oh Stavros, was machst du da? Du bist doch so eine nette Person!» (alle lachen)
Stavros: Das glaub ich dir nicht. (lacht)
Danke euch vielmals für eure Zeit und noch viel Spass beim Herumschlendern an diesem Festival!
Band: Vielen Dank!
Anmerkung zum Interview: Seit dem 25. Juli 2025 ist die erste Single «Dead Inside» vom neuen Album online und bietet einen energischen Vorgeschmack darauf, was am 31. Januar kommen wird.


