
Mittwoch, 27. Mai 2026
Melanie Curiger (Gitarre & Gesang), Fabienne Curiger (Bass & Gesang) und Roger Köppel (Gitarre & Gesang)
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Gespräch: Roger Strebel
An einem der wunderbaren Sommerabende Ende Mai fuhr ich nach Buchs im St. Galler-Rheintal, um mich mit Angry Rabbit für ein Interview zu treffen. Bei grossartiger Gastfreundschaft durfte ich ein paar spannende Einblicke in die (Schweizer) Musikszene und in die Band in Erfahrung bringen.
Roger: An eurem Konzert in der Jazzkantine Luzern im Februar 2026 habe ich zwei Tonträger mit nach Hause genommen. Die LP ist von Miss Rabbit und die CD von Röger Köppel (nicht zu verwechseln mit dem Medienunternehmer), unterstützt durch Angry Rabbit. Für mich und für alle, die euch nicht kennen: wer ist denn nun eigentlich Angry Rabbit?
Roger: Sie zwei (Anm. ARTNOIR: Fabienne Curiger und Melanie Curiger) haben 2010 zusammen mit einer Sängerin die Band Miss Rabbit gegründet, der ich mich in der Folge zusammen mit einem Schlagzeuger anschloss. Mit Corona kam es dann allerdings (wie bei vielen Bands) zu einem Bruch; Sängerin und Schlagzeuger stiegen aus. Wir drei wollten jedoch weitermachen (wenn auch unter einem anderen Namen), auch weil wir bereits zahlreiche Gigs gebucht hatten, die wir unbedingt spielen wollten. Da es nicht gelang, eine neue Sängerin zu finden, übernahmen Fabienne und Melanie (halt) auch noch den Gesang. Am Schlagzeug half uns ein Kollege aus; die Situation an den Drums ist bis heute vakant. Darum: Angry Rabbit sind wir drei.
Die angesprochene CD stammt aus meinem Solo-Projekt Roger Rabbit, das ich seit 2019 verfolge. In der Zwischenzeit spielen wir als Angry Rabbit auch Songs aus meinem Projekt, auch weil wir etwas am Merchstand anbieten wollen.
Auf Grund eurer Reaktionen schliesse ich, dass euch die Auflösung von Miss Rabbit nicht ganz leicht gefallen ist?
Roger: Absolut. 2020 hatten wir eine ausverkaufte Albumtaufe mit 300 Leuten. Es kamen zahlreiche Anfragen von Konzertveranstaltern und Radiosendern rein; wir standen auf dem Höhepunkt der bisherigen Bandgeschichte. Dann kam Corona – und wir begannen mehr oder weniger wieder von vorne.
Melanie: Wobei: nur schlecht war dieser Bruch auch nicht. Etwas Neues wagen und «nur» Als Trio unterwegs zu sein, hat auch seine Vorteile.
Ich wollte da auch gar nicht alte Wunden aufreissen, aber begreifen, was es mit diesen Hasen so auf sich hat. Und da schliesse ich jetzt für mich: Rabbit ist so etwas wie der Familienname; so wie bei den Ramones?
Roger: Ein schöner Vergleich. Rabbit gehört einfach irgendwie zu uns.
….. hätte es auch ein «hässiger» Tannenbaum sein können. Oder woher kommt dieser Hase?
Fabienne: Ich hatte Zwerghasen und einer der Häsinnen gab ich den Namen Miss Rabbit. Ich fand das ziemlich cool.

Hat sich mit Angry Rabbit auch euer Musikstil verändert?
Fabienne: Definitiv. Wir sind etwas rockiger und mitunter mehrstimmig unterwegs. Zudem haben wir neben Songs in Englisch auch die Songs von Roger auf Deutsch im Repertoire. Das ergibt nicht nur eine gute Abwechslung, sondern führt auch dazu, dass die Leute verstehen, was wir singen. Daher reagiert das Publikum auf die deutschen Songs ganz anders als auf die englischen.
Buchs liegt nicht nur auf dem Land, sondern auch ziemlich peripher (bezogen auf die Schweiz). Seid ihr hier alleine auf weiter Flur oder ist Buchs so was wie Rockcity?
Roger: Für unsere Art von Musik ist das St. Galler-Rheintal ein schwieriger Standort. Wir sind daher froh um Anfragen aus ….
Fabienne, Melanie, Roger: …. Luzern, Winterthur, Bern, Thun, Aargau; oh ja Aargau, dort spielen wir sehr viel – super Kanton für unsere Musik. Es gibt durchaus auch ein paar Metalbands im Rheintal, aber die kämpfen mit ähnlichen Problemen wie wir. Fangemeinschaften rund um Bands gibt es schlicht und ergreifend einfach nicht.
Auf Instagram (Stand heute) habt ihr 1’029 Follower. Bedeutet euch diese Zahl irgend etwas?
Fabienne: Nein! Wir sind diesbezüglich auch sehr faul. Melanie postet zwar immer mal wieder etwas, das ich selbst dann aber gar nicht like (lacht schallend). Wir finden es viel geiler, wenn die Leute an unsere Konzerte kommen und mit uns Spass haben und quatschen, statt uns einfach auf Instagram zu folgen.
Roger: Wir haben immer wieder auch Anfragen von Firmen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Im Klartext heisst das letztlich allerdings: wieviel Geld will man als Band für den eigenen Erfolg ausgeben….
Fabienne: … unseren Erfolg machen Fans aus, die (immer wieder) an unsere Konzerte kommen….
Roger: …. und gleichzeitig wird man halt schon auch aufgrund der Anzahl Leute bewertet, die einem auf Instagram folgen. Wenn das bloss ein paar hundert sind, führt das durchaus zur Einschätzung: vielleicht sind die doch nicht so gut. Und nicht selten wird man auch kritisiert von Leuten, die selber keinen einzigen Ton spielen können….
Melanie: … wobei sich das mit Angry Rabbit schon etwas verändert hat…. Miss Rabbit war aber auch eine andere Nische.
Roger:…. stimmt. Die Punk-Szene ist da viel offener. In der Rockszene gilt zudem und nach wie vor das Vorurteil, Frauen könnten keine gute Rockmusik machen.
Darf man sagen, Angry Rabbit ist euer Hobby?
Fabienne: Ja, es ist ein Hobby, wir arbeiten (fast) alle zu 100%. Es steckt aber auch ganz viel Leidenschaft dahinter und macht uns sehr viel Freude. Sobald ein Label mit im Spiel ist, kann Druck entstehen und dann wird aus der Freude plötzlich ein Müssen. Wir bleiben daher lieber unabhängig und können unser eigenes Tempo gehen.
…. mit dem Nachteil, dass man halt auch nicht Zugang zu grossen Festivals o.ä. findet!?
Roger: Absout; dessen sind wir uns auch bewusst. Obwohl: auf Wacken zu spielen wäre natürlich schon geil. Aber im Ernst: Angry Rabbit ist ein Hobby und wir haben auch keine Ambitionen mehr, eine grosse Band zu werden. Gleichwohl haben wir als Band Ziele und Träume. Aber wir lassen uns nicht (mehr) instrumentalisieren von Leuten, die mit Angry Rabbit nur Geld verdienen wollen, an uns als Band und Menschen aber eigentlich gar kein Interesse haben.
Irgendwo habe ich gelesen, eure Musik sei hart, dreckig und laut. Was fasziniert euch daran?
Roger: Ja, klar, das sind so Attribute, die nicht ganz falsch sind. Inzwischen bezeichnen wir unsere Musik aber selber als Terror Funny Bunny Punk, was es letztlich sehr gut auf den Punkt bringt. Zudem weiss niemand, was das genau sein soll, was uns ganz recht ist.
Gibt es eine Message, die ihr mit eurer Musik rüberbringen wollt?
Fabienne: Wir sind sicher keine Punkband, die die Welt verbessern will. Unsere Songs werfen vielmehr einen durchaus auch ironischen Blick auf Aktualitäten und nicht zuletzt auch auf uns selbst.
Roger: In meinen Songs schreibe ich gerne darüber, dass ich kein Rockstar bin, gerne aber einer wäre ….. Item. Als Band sind wir grundsätzlich unpolitisch. Zudem kann es durchaus vorkommen, dass man seine Meinung im Lauf der Jahre ändert und plötzlich gar nicht mehr zu seinen eigenen Texten (von früher) stehen kann. Man wird also unglaubwürdig und das wollen wir vermeiden. Gleichzeitig wollen wir uns nicht mit billiger Propaganda einschleimen.
Aktuell seid ihr auf der ToRtOuR 2o26 – Tour. Es gibt ein Amateur-Velorennen, das ebenfalls Tortour heisst. Kommt der Name eurer Tour davon, weil ihr da schon mitgefahren seid?
Fabienne, Melanie, Roger: Stimmt: irgendwo im Netz haben wir so etwas gefunden. Aber: nein, gar nicht. Wir geben unseren Touren aber gerne immer wieder neue Namen; Kranke Schwestern-Tour war so ein Name.
…. aber eure aktuelle Tour ist keine Tortour, oder?
Roger: Nein, nein, gar nicht. Sie kam zwar eher mühsam ins Laufen; Anfang Jahr waren bloss zwei Termine bestätigt. Inzwischen läuft es aber ganz gut und wir haben insgesamt so plus/minus zehn Konzerte in diesem Jahr.
Melanie: Wir haben Daten bis im Dezember. Dann spielen wir wieder im Aargau, am 19. glaubs (Anm. ARTNOIR: Angry Rabbit – 19. Dezember 2026 – Tommasini, Lenzburg).
Was ist euch von den bisherigen Gigs der Tour besonders gut in Erinnerung geblieben?
Fabienne: Der erste Gig in der Belinda-Discothek war sehr cool. Die Belinda ist die älteste Rock-Discothek Deutschlands. Zuerst waren wir etwas skeptisch und dachten: wo sind wir denn da wieder gelandet. Aber dann war das super toll. Die Leute in Deutschland sind irgendwie besonders zugänglich für unsere Art von Musik. Auf jeden Fall haben die uns so richtig abgefeiert.
Roger: Oftmals geht man mit einer bestimmten Erwartung zu einem Konzert und sehr häufig sind genau jene Gigs letztlich die besten, von denen man sich nichts Besonderes erhofft hat.
Ich habe schon von verschiedner Seite gehört, dass Deutschland der wichtigste Markt für Rockmusik sei. Habt ihr auch diesen Eindruck?
Melanie: Absolut. Die Leute geben tatsächlich ihr Geld noch aus für Rockkonzerte.
Roger: Gleichzig sind die Gagen halt schon ziemlich mager; als unbekannte Band fährt man für ein besseres Trinkgeld nach Deutschland. Aber die Leute haben Freude und machen Komplimente. In der Schweiz ist das Publikum eher kritisch und wartet dann und wann sogar mit einem abschätzigen Spruch auf. Daher gehe wir immer wieder gerne nach Deutschland, auch wenn es sich finanziell absolut nicht lohnt.

Abgesehen von eurem Traum einmal auf Wacken spielen zu können: was für Pläne habt ihr. Beabsichtigt ihr bald einmal als Angry Rabbit einen Tonträger herauszugeben?
Roger: Im Moment sind wir eher etwas planlos unterwegs. Wir spielen unsere Gigs und das läuft ganz gut. Um einen Tonträger herauszubringen, müssten wir recht viel Geld investieren, vor allem für die Werbung.
Melanie: …. dafür läuft der andere Merch ganz gut: T-Shirts, Pullovers, u.ä….
Roger: ….. LPs sind teuer und wir verkaufen vielleicht eine pro Gig. CDs hingegen sind zwar relativ günstig, aber die Leute kaufen keine CDs mehr und haben ausser im Auto kaum mehr einen CD-Player. Daher stellt sich für uns aktuell die Frage: was machen wir in dieser Situation. Für den Moment haben wir uns für das Nichtstun, resp. für das Spielen von Konzerten entschieden. Und das macht uns, wie erwähnt, viel Freude und läuft auch ganz gut.
Dann wünsche ich euch auf eurer ToRtOuR 2o26 – Tour weiterhin viel Freude und bedanke mich herzlich für eure Zeit und euer Interesse.
Bilder & Video zVg gestellt von angryrabbit.ch

