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Sir Donkey’s Revenge – Beyswind

05/06/26
von David Spring

SirDonkeysRevenge-Beyswind

Eigenveröffentlichung / VÖ: 8. Mai 2026 / Crossover, Rock
sirdonkeysrevenge.com

Text: David Spring

Die Schweiz sieht sich ja gern als Land der Individuen. Jeder Kanton bastelt in den meisten Belangen irgendwas Eigenes und meist will auch Dorf A alles besser wissen als Dorf B. Doch gibt es etwas, das uns alle zu einen scheint: die Bise! Jener kalte, beissende Wind, der dir selbst an einem sonnigen Tag jede Gemütlichkeit aus dem Körper prügelt. Doch natürlich heisst auch die Bise nicht überall gleich. Im schönen Engelberg nennt man sie zum Beispiel «Beyswind», logischerweise! Damit schliesst sich der Kreis zur einzig wahren Engelberger Dark-Mountain-Crossover-Grösse: Sir Donkey’s Revenge!

Nicht nur heisst deren neuste Platte ebenfalls «Beyswind», spannenderweise sind diesmal auch sämtliche Texte auf Mundart gehalten. Wir wissen ja längst, dass sich unser Schwiizerdütsch hervorragend für Sprechgesang eignet, und so verleiht die kantige, direkte Sprache den Songs zusätzliche Authentizität. Der knackige Opener «Fischer» holt dich unmittelbar ab und zieht dich mit. Der nostalgisch anmutende Text beweist sofort, dass der Entscheid für Mundart genau der richtige war, denn der coole, rhythmische Sprechgesang macht den Sound von Sir Donkey’s Revenge erst richtig einzigartig. Das folgende, heftige «Näbem Stollä» erzählt von Arbeit, dem langsamen Verlust des eigenen Willens und der endgültigen Aufgabe von Körper und Seele für das ewige Malochen. Selbst ein Sesselpupser wie ich fühlt hier ordentlich mit und reckt wacker die Faust in die Luft. Ich wage zu bezweifeln, dass englische Texte denselben Effekt gehabt hätten.

Sir Donkey’s Revenge kreieren ein erstaunlich eigenständiges Klangbild. Der Begriff «Crossover» ist ja nicht unbedingt einer, der allzu positive Erinnerungen weckt. Tribal-Tattoos, Baggy-Pants und die Abgründe des Nu-Metals. Zum Glück sind die Engelberger meilenweit von diesem 2000er-Mief entfernt und schaffen stattdessen etwas ganz Eigenes. Schwere Stoner-Riffs treffen auf psychedelische Klangflächen und sphärische Passagen, während der Gesang stets im Dienste des Songs bleibt. Ein groovendes Brett wie «Chnorz» (was für ein grossartiges Wort!) räumt ordentlich auf und lässt dich dank des bitteren und selbstkritischen Textes leer schlucken. «Höhlämänschemeidli» wiederum ist vielleicht der unerwartetste Track der Platte und schwebt ruhig, melancholisch und beinahe tranceartig irgendwo zwischen archaischem Folk und Psychedelic Rock. Eine faszinierende Komposition, die fast schon cineastische Ausmasse annimmt.

«Beyswind» ist ein Album geworden, das weniger auf klassische Hits als vielmehr auf Atmosphäre setzt. Die Songs wirken wie ein schwerer Nebel, der die Bergmassive umspielt und die Menschen im Tal in verrauchte Dorfbeizen treibt, wo Geschichten entstehen und von der Natur geformte Charakterköpfe gemeinsam einsam und eigenbrötlerisch bleiben. Mal aggressiv und beklemmend, dann plötzlich wieder erstaunlich verletzlich und introspektiv. Genau diese Mischung macht die Platte spannend und zeigt eindrucksvoll, wie gut Sir Donkey’s Revenge verstanden haben, dass Härte allein nicht alles ist. Die ruhigen, atmosphärischen Momente und die melancholischen Untertöne sorgen dafür, dass das hier weit mehr ist als einfach nur eine weitere Rap-Rock-Platte.

Mit «Im Argä» schliesst sich der Kreis nach nur knapp einer halben Stunde leider schon wieder, dafür aber nochmals mit einem Banger allererster Güte. Das brachiale Riff, die bizarren Stimmen im Hintergrund und die Dringlichkeit des Tracks hinterlassen nichts als Begeisterung. Sir Donkey’s Revenge haben das neuste Kapitel ihrer Geschichte erfolgreich begonnen und endlich mal wieder einen lautstarken Beweis dafür geliefert, wie hervorragend gute Rockmusik und Schweizer Mundart zusammengehen. «Beyswind» ist roh, schwer, einzigartig und immer aufrichtig ehrlich. Ein starkes Statement, vor allem aber ein verdammt gutes Album. Man möchte fast sagen: ein frischer Wind für die Szene!

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Beyswind, Crossover, David Spring, musiCH, Rock, Sir Donkey's Revenge

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