
Kidnap Music / VÖ: 10. Oktober 2025 / Punk
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Text: David Spring
Resignation wird immer mehr zum Wort des Jahres der deutschsprachigen Punkwelt. Schon so lange führen wir diesen Kampf, lassen uns von all den elenden Faschos, den blinden Klimalügnern, allen queerphoben Ewiggestrigen und natürlich den kapitalismusverkrusteten Multimilliardären nicht unterkriegen und gehen dann auch noch einem seelenlosen Tagesjob nach, nur um irgendwie über Wasser zu bleiben. Und irgendwann ist halt auch mal Schluss mit der ganzen Scheisse. Genau da, kurz vor der endgültigen Kapitulation, kommen die sympathischen Pogendroblem und ihr neustes Werk «Great Resignation» ins Spiel.
Die Great Resignation war ein Phänomen, das während der Corona-Jahre entstand. Vor allem in den USA kündigten massenhaft Menschen ihre Jobs, um in einem letzten Akt der freien Willensäusserung den katastrophalen Arbeitsbedingungen und so dem Versagen des Systems zu entfliehen. Doch irgendwann muss es wieder weitergehen, das dachten sich auch Pogendroblem, und so steht die wortgewaltige Post-Punk-Band aus der Region Köln nun beinahe unerwarteterweise mit einer neuen Platte am Start. Der titelgebende Opener ist gleich stoische Arbeitsmarkt-Kritik, verpackt in einem schnuckligen Liebeslied mit viel Chorus und wundervollen Chören. Bissig, clever und genauso, wie wir sie kennen und lieben.
Wer allerdings die Band aus irgendwelchen komischen Gründen bisher noch nicht kennt und liebt, merkt schnell, wie der Hase läuft. Schrammelige Gitarren mit grossen Post-Punk-Akkorden, treibende Beats und knackige Bässe, hier etwas Aggropop, da etwas NDW, dazu ein paar Prisen Hamburger Schule und ein Bisschen Kraut. Ah, und offenbar eine Brotschneidemaschine im FX-Loop auf dem zynischen Anachronismus-Hit «Chillig Chillig» (inkl. Feature von niemand Geringerem als Luise Funface!), damit sich auch die Audiophilen unter uns so richtig freuen können. Pogendroblem schöpfen zudem und trotz Arbeitsverweigerung auch inhaltlich aus dem Vollen. Sei es ein symbolisches Schlussmachen mit der nostalgischen Situationship in «Es kann nicht immer so weitergehen», ein herber Realitätscheck zum eigenen Aktivismus in «Die Sache» oder liebenswürdige Protest-Kleptomanie in «Self Checkout».
Doch auch wenn manche der Songs durchaus lustig ums Eck schielen und vielleicht sogar zum einen oder anderen Schmunzeln verleiten, das überragende Gefühl ist das der Ohnmacht, der Verwirrung, der Ziellosigkeit und ja, schlussendlich der Resignation. Ein Song wie «Unser Jahrzehnt» schöpft etwas Hoffnung und sagt der Untergangsstimmung den Kampf an, doch wir merken alle, wie die Mauern um uns herum, die alles Böse und Fremde von uns fernhalten sollten, inzwischen zu immer höheren Gefängnissen geworden sind. «Starke Schmerzen» ist vielleicht das pointierteste und traurigste Statement und beschreibt schonungslos, was wahrscheinlich viele von uns fühlen: «Mir geht es nicht gut, starke Schmerzen im Herzen.»
«Stillstand» zeigt mit anklagendem Finger nochmals auf die Wurzel allen Übels, den Kapitalismus. Und das abschliessende «Von gar nichts haben wir uns befreit» malt ein gar düsteres Bild, das dir nach dem letzten Ton wie ein hässlich klebriger Kloss im Hals stecken bleibt. Pogendroblem stecken die Finger in sämtliche unserer Wunden und haben so ein schmerzhaftes, überzeugendes und extrem wichtiges Werk geschaffen. «Great Resignation» ist ein herber Weckruf an uns alle, denn wir können es uns nicht leisten, komplett aufzugeben – so sehr wir das manchmal auch möchten. Immerhin dürfen wir uns dank grossartiger Bands wie Pogendroblem etwas weniger allein in all der Hoffnungslosigkeit und Resignation fühlen.
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