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Pastor Gerald – Planet der Pfaffen

11/11/25
von David Spring

PastorGerald-PlanetDerPfaffen

Dackelton Records / VÖ: 7. November 2025 / Punk, Rock
pastorgerald-band.de

Text: David Spring

Religion ist böse und viele der Weltenvertreter diverser Allmächtiger sind meist noch viel schlimmer drauf. Was da im Verlauf der Jahrhunderte an Missbrauch, Betrug und allerlei anderen Unmenschlichkeiten unter den vergoldeten Teppich gekehrt wurde, willst du dir gar nicht vorstellen. Zur Abwechslung wird diese traurige Sachlage hier aber mal nicht von einer morbiden Black-Metal-Kapelle moniert, sondern von einer aufgeweckten, jungen und überaus sympathischen Punk-Truppe namens Pastor Gerald. Mit «Planet der Pfaffen» gibt es nicht nur ihr fulminantes Debüt, sondern auch einen Anwärter auf den Albumtitel des Jahres.

Nach einem kurzen Opener geht es mit «Gottes Plan» gleich ordentlich gotteslästerlich los, denn wer sich allmächtig schimpft, muss auch die Schuld für all die regierenden Psychopathen, hungernden Kinder und toten Katzenbabys auf die eigene Kappe nehmen. In «Brotdose» wird es metaphysischer und wir tauchen ein in die Trauerlandschaft der deutschen Pausen-Snacks, bevor in einer eigentlich gar nicht einmal mehr so radikal klingenden Forderung die simpel anmutende Lösung für eine bessere Welt verlangt wird: «FDP hat Sexverbot». Du siehst, es wird aus vollen Kannen geschöpft und Pastor Gerald nehmen kein Blatt vor den Mund.

Andernorts werden die Abgründe noch tiefer, denn ein lumpiger Anti-Polizei-Song, das können alle. Bei Pastor Gerald hingegen wird gleich zur «A.E.K. (Allgemeine-Eichel-Kontrolle)» aufgerufen. Leckerschmecker! Warnungen gibt es auch lautstark vor der Epidemie der «Karens», auf die Gefahr des Mundhöhlenverstinkens durch elektronische Rauchware wird wiederum im schönen «Furzstängelpatrone» sehr bildlich hingewiesen. Köstlich! Und zum Schluss geht es dann, mit einer Sprengladung ausgerüstet, an den «Timmendorfer Strand» zum Aufräumen, bevor schlussendlich die grosse Hasstirade des Jahres Anno Domini 2025 in der Form von «Natural Born Müllers» auf uns herabprasselt. Da hilft auch keine Nächstenliebe mehr.

Jetzt haben wir viel von kruden Worten und spassig-ernsten Sätzen gesprochen, aber wie klingt die Chose denn eigentlich? Ja, das ist nämlich die Krux, denn wer bei all dem wütenden Klamauk irgendwelche bierseligen Schlachtrufe-BRD-Brüller erwartet, hat sich geschnitten. Pastor Gerald nämlich sind eine einwandfreie Rockband, die mit der kreativsten und unterhaltsamsten Gitarrenarbeit seit Langem aufwarten. Es gibt unendlich viele kleine musikalische Spielereien und Referenzen zu entdecken, die unglaublich Bock machen. Dazu noch die vorzügliche Stimme von Sängerin Maja Eysenbrandt, dank der die Songs sowohl die charmant-augenzwinkernd-angepisste Attitüde einer frühen Jennifer Weist, als auch die schmerzhafte Dringlichkeit einer Becca Macintyre (Marmozets) oder Beckx von Fucking Angry aufweisen und somit direkt ins Herz gehen.

«Planet der Pfaffen» ist eine wahrhaft göttlich gottlose Offenbarung im Zeichen des gepflegten Blödsinns und des vermaledeiten Rocks. Brennende Gesellschaftskritik trifft auf sardonischen Humor, bitterböses Sakrileg auf unverblümte Tanzbarkeit und ehrliche Wut auf den im Hals stecken bleibenden Witz. Kurzum also alles, was du heute von guter, deutschsprachiger Musik eigentlich haben willst. Pastor Gerald predigen mit scharfem Verstand und wundervollem musikalischem Können und zeigen dabei, dass Gevatter Punk nicht nur immer noch nicht totzukriegen ist, sondern auch weiterhin lacht, lärmt und lästert wie zu besten Zeiten. Amen, Hose runter und Halleluja!

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Pastor Gerald, Planet der Pfaffen, Punk, Rock

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