
DMB Records / VÖ: 13. März 2026 / Punk
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Text: David Spring
Was braucht es für ein gutes Album? Starke Songs wahrscheinlich, vielleicht noch ein cooles Artwork und eine schicke Produktion. Aber eigentlich gibt es nur etwas, das wirklich jedes Album automatisch noch besser macht: Lemmy Kilmister! Gelingt es dir, deine Platte mit ein paar von der seligen Motörhead-Legende gesprochenen Worten (egal, welchem bizarren Tondokument du sie entreisst) zu eröffnen, kann alles nur gut kommen.
Das dachten sich auch die Punkrocker von Must Be Wrong, und so beginnt ihr neustes, bombastisches Werk «Fool’s Paradise» mit güldenen Worten der einzig wahren Metal-Warze, bevor uns ein glorreiches Riff die Wintersmüdigkeit endgültig wegschmilzt. «Pearly Gates» räumt sogleich mit organisierter Religion auf und präsentiert uns eine Band, die vor Spielfreude, Wut und Energie schier aus den Kopfhörern zu explodieren droht. Was für ein Brett, da vergisst du mal eben, dass das Trio nicht etwa aus Kalifornien stammt, sondern aus Einsiedeln, dem punkigsten aller Orte. Mit «Words Untold» folgt ein Vollgas-Smasher, der auch auf einem Bad-Religion-Album gut zu Hause wäre. Wenn rasendschnelle Punk-Beats, melodiöse Gesänge und Chöre sowie erstklassige Musikalität dein Ding sind, findest du hier eine neue Lieblingsband.
Must Be Wrong bieten unglaublich viel Abwechslung. Der Titeltrack ist ein frohgemuter Rocker, in dem sich aggressive, beinahe geschriene Vocals mit eingängigen Hooks abwechseln. «Teenage Life Lessons» und «Part Of Me» sind unbändige Melodic-Hardcore-Songs mit kristallklaren Gitarren und massig Energie. Eines der Highlights der Platte ist das leicht nach Post-Punk klingende «Longing For Love», dessen unerwartet ruhiger Mittelteil sogar mit kurzem Sprechgesang aufwartet. Wundervoll! Jeder der acht Songs könnte gut und gerne auch auf einer Strike-Anywhere- oder No-Fun-At-All-Platte zu Hause sein. Zu diesem stark am US-Punkrock der 00er-Jahre orientierten Sound trägt auch bei, dass die Platte von niemand Geringerem als Jason Livermore in den legendären Blasting Room Studios in Colorado gemastert wurde, wo sich schon so ziemlich alles, was im Punkrock Rang und Namen hat, die Türklinke in die Hand gegeben hat. Keine Überraschung also, klingt die Platte so unverschämt tight und druckvoll!
Inhaltlich orientieren sich Must Be Wrong in eher bekannten Gefilden. Hier musst du keine weltbewegenden Neuheiten oder Abenteuer erwarten, dafür einfach starke, eingängige und angenehm emotionsgeladene Lyrics zu sämtlichen soziopolitischen und persönlichen Themen, die gewieften Menschen mit offenen Augen und Ohren so auf dem Herzen liegen. Das passt perfekt zum Sound der Band und lässt sich in jedem noch so wilden Moshpit mit geballter Faust in die Welt herausbrüllen. Um dies lautstark zu unterstreichen, wird das abschliessende «The Silent Price We Pay» mit einer feurigen Rede von Bruce Springsteen eröffnet, der das ekelerregenden Trump-Regime kritisiert. Passend dazu folgen die bis dato härtesten Riffs der Bandkarriere und eine brennende Kampfansage an all die neokapitalistischen Faschisten dieser Welt. Mit einem brachialen Gastspiel von Lukas Villiger (The Kate Effect), der sich kurz die Seele aus dem Leib schreit, ist der Track ein wahres Meisterwerk und der perfekte Schluss für dieses grossartige Album.
Must Be Wrong überzeugen in den knapp 30 Minuten Spielzeit von «Fool’s Paradise» voll und ganz. Ihr schnörkelloser Punkrock/Melodic Hardcore darf es sich ungeniert ganz oben gemütlich machen und es würde mich nicht überraschen, wenn die Drei in Bälde auf viel grösseren Bühnen tanzen. Ein wirklich unglaublich überzeugendes, emotionales und energiegeladenes Werk, das einmal mehr beweist, dass unsere heimische Punkszene ganz oben mitspielen kann. Must Be Wrong, Einsiedeln Rock City – und ganz so falsch ist das alles dann doch nicht! Da wird auch Lemmy zustimmen.
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