
Century Media Records / VÖ: 13. März 2026 / Metal
lamb-of-god.com
Text: David Spring
Es gibt Bands, die sich ständig neu erfinden. Und es gibt Lamb Of God, die seit über dreissig Jahren stoisch groovend durch die Weltgeschichte walzen, als wären Stillstand und Kompromiss schlimme Schimpfworte. Nun kündigt die unaufhaltsame Truppe aus Richmond, Virginia, mit «Into Oblivion» ihr neustes Werk an. Die gute Nachricht: Wer auf eine radikale Kehrtwende oder eine kalkulierte Modernisierung hofft, ist hier an der falschen Adresse.
«Into Oblivion» versteht sich als selbstbewusstes Statement einer Band, die nichts mehr beweisen muss. Zehn Songs, die sich auf die eigenen Wurzeln besinnen und den unverkennbaren Groove an vorderster Front auffahren. Lamb Of God wissen, wo ihre Stärken liegen, und so unspektakulär es vielleicht klingen mag: Die Freiheit, sich von Trends zu lösen und einfach Musik zu machen, die man selbst cool findet, genau darin liegt das langlebige Geheimnis dieser Band. Bereits der titelgebende Opener liefert sämtliche Eckpunkte des bekannten Sounds: massive, wuchtige Riffs, vernichtend präzise Rhythmen und diese einzigartige Mischung aus technischer Finesse und roher Gewalt. Doch wäre das nichts ohne die unberechenbar geniale Stimme von Randy Blythe. Der scheint mit jedem Album noch angepisster und genervter zu werden und spuckt von der ersten Zeile an so glorreich Gift und Galle, dass es eine Freude ist.
Wenig überraschend geht es inhaltlich ähnlich unsanft zur Sache. Der Name ist Programm, denn betrachtet man den rasanten Zerfall des gesellschaftlichen Grundkonsenses auf der Welt, scheint kaum ein Weg mehr an Auslöschung und Vergessenheit, eben dieser «Oblivion», vorbeizuführen. Lamb Of God sind keine explizite Polit-Band im klassischen Sinn, doch ihre Musik war immer schon ein Ventil für Frust, Wut und Ohnmacht. Wer sich die Welt heute anschaut und das soziopolitische Klima verfolgt, wird vermutlich ähnlich wütend sein, wie sich rabiate Bretter wie das halsbrecherische «Parasocial Christ» oder das brachiale Sludge-Monster «Sepsis» anfühlen. Gerade letzterer zeigt Randy von seiner bedrohlichsten Seite: herausgekotzte Strophen, chaotische Schreie im beinahe Converge-artigen Schlussteil und angewiderte Lyrics über die Immigrationspolitik des Trump-Regimes – harter Stoff.
Genauso klingt die Platte. Die Aufnahmen tragen die Handschrift von Herkunft und Haltung: Die Drums entstanden in Richmond, Gitarren und Bass im Heimstudio von Mark Morton und Blythe sang seine Vocals im legendären Total Access Studio in Redondo Beach ein, einem Ort, an dem einst Black Flag oder die Descendents Punkgeschichte schrieben. Vielleicht ist es dieser Herangehensweise zu verdanken, dass «Into Oblivion» frischer und roher klingt als die letzten Alben. Zu keinem Zeitpunkt hört man Lamb Of God die über dreissig Jahre im Geschäft an. Songs wie das aggressiv fauchende «Bully» oder der groovende Wüstenstaub-Rocker «A Thousand Years» (ein heimliches Highlight) klingen nach einer Band in absoluter Hochform. Selbst «El Vacio», die obligate und inzwischen etwas vorhersehbare Halbballade mit cleanem Gesang, ändert daran nichts. Die Songs machen einfach tierisch Bock.
Mit über drei Millionen verkauften Alben, fünf Grammy-Nominationen und Milliarden Streams gehören Lamb Of God längst zur Speerspitze moderner Heavy Music. Dass eine solch erfolgreiche Band noch immer so starke Platten wie «Into Oblivion» abliefert, ist beachtlich. Wie es sich gehört, gibt es mit dem finalen «Devise Destroy» noch das epischste Stück zum Schluss, und so bleibt als Fazit: Der Untergang mag kommen, doch Kapitulation ist keine Option. Dann doch lieber einmal mehr mit Lamb Of God nostalgisch headbangend in den nächsten Tag starten – das macht einfach alles besser.
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