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Kind Kaputt – Ins Blau

21/01/26
von David Spring

Kind Kaputt - Ins Blau

Uncle M / VÖ: 23. Januar 2026 / Alternative Rock
Instagram

Text: David Spring

Ich erinnere mich, als ob es gestern war. Im Herbst 2022 wanderte das Album «Morgen ist auch noch kein Tag» einer Band mit dem sympathischen Namen Kind Kaputt auf meinen digitalen Plattenteller. Danach war nichts mehr, wie es einmal war, denn diese Platte ist bis heute eine meiner absoluten Top-Favoriten des deutschsprachigen Post-Hardcores bis weit darüber hinaus. Was für ein Meisterwerk. Und mit «Ins Blau» wird nun das nächste, lautstarke Kapitel aufgeschlagen.

Der Opener «Teilnahmeurkunde» überrascht sogleich mit einem rasanten, punkigen Beat, doch die einzigartigen, überlebensgrossen Gitarren und die unvergleichliche Stimme von Johannes Prautzsch holen dich umgehend zurück in die wundervolle Welt von Kind Kaputt. «Aufgeben» zeigt danach so richtig, wie der Wind auf diesem neusten Album zu wehen hat. Mit einer munter gepfiffenen Melodie, die alsbald von unheilvollen Akkorden abgelöst wird, erwischt uns das kreative Trio auf dem falschen Fuss, nur um uns dann einen gar vorzüglichen Refrain auf die Ohren zu schmettern: «Gib es auf, lass es sein, einmal ja und zweimal nein. Es existiert kein Versagen im an den Nagel hängen.» Hach, da sind sie also wieder!

Was folgt, ist der glorreiche Beweis dafür, wie fantastisch gut diese Band ist. Die Post-Hardcore-Vergangenheit blickt immer mal wieder schelmisch ums Eck, doch ist dieses Korsett inzwischen viel zu eng. Indie? Vielleicht. Alternative Rock? Bestimmt. Kind Kaputt? Ja, aber hallo! Das Trio hat sich mehr denn je gefunden. Eines der Highlights, «Wie geht denn das», wechselt sich zum Beispiel zwischen mechanisch rhythmischem Sprechgesang und einem episch erhabenen Refrain ab und zieht dabei rockig flockig nach vorne. Auf der anderen Seite steht das sanfte «Angst», das stellenweise sogar an David Bowie erinnert. Versöhnlich und bewusst intim gehalten, bietet es einen unbeschönigt ehrlichen Text, der uns die Realität, in der wir leben, so brutal vor Augen hält, dass es dir kalt den Rücken runterlaufen wird.

Das Album und insbesondere der Titeltrack «Ins Blau» beschäftigen sich mit dem Gefühl, darauf zu warten, dass dieser gute Teil vom Leben, von dem alle immer sprechen, doch endlich einmal kommen möge. Gleichzeitig plagt die Frage, ob all das, was wir uns tagein, tagaus so antun – sei es der mühsame Job, unser hoffnungsloser Konsumwahn, die wuchernde Social-Media-Abhängigkeit oder auch einfach das ständige Verlangen nach mehr – überhaupt nötig ist. Wie gehen wir mit Erwartungsdruck von innen und aussen um, woher weiss man überhaupt, was einem noch guttut? Und was ist, wenn wir uns am Ende unserer Tage eingestehen müssen, dass wir unser Leben vielleicht gar nicht voll genug gelebt haben, sondern es doch weitestgehend an uns vorbeiziehen liessen? All diese Fragen sind in der heutigen Zeit aktueller denn je und werden von Kind Kaputt perfekt eingefangen. Jeder der insgesamt zehn Songs bietet so viele Facetten, sowohl musikalisch wie auch inhaltlich, dass es kaum möglich ist, einzelne herauszupicken.

Kind Kaputt treten in meinen Augen mit «Ins Blau» in beinahe unmöglich grosse Fussstapfen, die sie selbst mit ihrem genialen Vorgängeralbum hinterlassen haben. Umso erfrischender, dass die Band gar nicht erst so tut, als ob das Füllen dieser das primäre Ziel wäre. Viel wichtiger ist es, Musik zu schaffen, die etwas aussagt, die gleichermassen von Kopf und Herzen kommt und den zuhörenden Menschen emotionalen Rückhalt sowie vor allem Stoff zum Sinnieren, Reflektieren und Rebellieren liefern kann. Kind Kaputt zementieren ihren Stand als eine der vielleicht unterschätztesten, aber zweifelsohne cleversten, vielfältigsten und schlicht besten Bands unserer Zeit. Denn eines steht zum Glück nun fest: morgen ist schlussendlich doch noch ein Tag.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: Alternative Rock, David Spring, Ins Blau, Kind Kaputt, Rock

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