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Ideal – Ideal (2025 Mix)

25/08/25
von David Spring

Ideal - Ideal (2025 Mix)

Warner Music / VÖ: 26. Juni 2025 / NDW
Instagram

Text: David Spring

1980 eröffnete Bundesrat Hürlimann den Gotthard-Strassentunnel, John Lennon fand in New York sein plötzliches, tragisches Ende und in Deutschland gründeten sich die Grünen. Gleichzeitig veröffentlichten Ideal ihr heute legendäres, selbstbetiteltes Debütalbum. Sie prägten so die Neue Deutsche Welle mit ihrem lakonischen Minimalismus und verliehen ihr eine Ernsthaftigkeit, die vielen anderen Acts fehlte. Kurze 45 Jahre später gibt es das unvergleichliche Werk nun in einer neu restaurierten Version, die das Herz aller Nostalgiker:innen höherschlagen lässt.

Schon bei den ersten Klängen des rabaukischen Openers «Berlin» verstehst du, warum Ideal mehr waren als nur ein weiteres NDW-Phänomen. Die Quietsch-Synth-Melodie, der rasant treibende Beat, der bedrohlich knackende Bass und natürlich die unvergleichliche Stimme von Annette Humpe, die ihre zwiegespaltene Haltung gegenüber der Hauptstadt wie keine Zweite in Worte fasst. Dabei fällt schnell auf, dass diese Neuveröffentlichung mit viel Liebe zum Detail bearbeitet wurde. Tatsächlich kommen nur Gerätschaften zum Einsatz, die es auch damals schon gab, was zu einer authentischen, respektvollen Aufarbeitung führte. Auch das sich neu an zweiter Stelle befindende «Rote Liebe» klingt frisch, warm und dennoch originalgetreu. Der Song ist mein persönlicher Ideal-Favorit und in der heutigen Zeit genauso aktuell wie damals in den wilden 80ern.

Wer wie ich damals noch nicht dabei war, wird an dieser Neuveröffentlichung grosse Freude haben. Selbst wenn die Songs 2025 erstaunlich gut funktionieren, gibt es Stücke, die wie wundervolle Zeitkapseln aus einer lang vergangenen Ära wirken. Das düster-lakonische «Telepathie», gesprochen von Bassist Ernst-Ulrich Deuker, ist heute kaum mehr vorstellbar, in seinem Spannungsaufbau aber trotzdem wirkungsvoller als so mancher Pop-Hit. Auch das viel später von niemand Geringerem als der Terrorgruppe gecoverte «Hundsgemein» wirkt wie ein musikalischer Anachronismus, vor allem durch den dieses Mal von Gitarrist Eff Jott vorgetragenen Gesang, der in starkem Kontrast zu Humpes rotziger Stimme steht. Genau darum macht die Platte so viel Spass, sie ist sowohl ein wundervolles Zeitdokument als schlicht auch einfach ein fantastisches Album.

Inhaltlich waren Ideal ohnehin ihrer Zeit voraus. Während «Irre» Freiheit und (sexuelle) Doppelmoral betrachtet, der heimliche Hit wider Willen «Blaue Augen» ungeschönt schmachtet sowie flirtet und «Telephon» sich ganz dem emotionalen Wahn hingibt, wird in «Luxus» und «Roter Rolls Royce» heftigst auf übermässigen Konsum und das Streben nach materiellem Wohlstand gewettert. Und die Slacker-Hymne schlechthin, das wundervolle «Da leg’ ich mich doch lieber hin», könnte nicht besser in unsere viel zu schnelle heutige Zeit passen. Ganz ehrlich: Es will schon etwas heissen, wenn ein 45 Jahre altes Album pointierter, relevanter und vielleicht sogar besser ist als vieles, was heute so erscheint.

«Ideal» bleibt auch all die Jahre später ein Meisterwerk der reduzierten Popkunst. Es ist ein Statement gegen Konsumwahn, Liebesklischees und gesellschaftlichen Druck. Die Band hat mit ihrem Debüt ein Album geschaffen, das bis heute unangenehm ehrlich, radikal und gleichzeitig unfassbar catchy ist. Wer es damals verpasst hat, bekommt nun nochmals die perfekte Gelegenheit, sich zu verlieben. Die liebevolle Restaurierung lässt die Platte nicht einfach hell und kalt neu erstrahlen, sondern in altem, warmem, wohligem Glanz. Die Augen sind so blau wie nie zuvor, die Liebe roter denn je, und Ideal zeigen uns nochmals, wie es sein muss.

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Ideal, NDW, Neue Deutsche Welle, Punk, Wave

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