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Gavial – Thanks, I Hate It

22/01/26
von David Spring

Gavial-ThanksIHateIt

Noisolution / VÖ: 23. Januar 2026 / Psychedelic Rock
Instagram

Text: David Spring

Wir sind uns einig: Künstliche Intelligenz ist nicht das, was wir uns dank all den SciFi-Filmen der 90er erhofft hatten. Wie so oft wird eine spannende Idee von uns Menschen verhackstückt und nur für Quatsch verwendet, und kaum irgendwo ist das schmerzlicher spürbar als in der Kunst. Es gibt nichts Peinlicheres als ein durch KI generiertes Album-Artwork, das aussieht, als hätte dein Grossonkel es in seiner ach so lustigen Metal-Gruppe auf Facebook gepostet. Zum Glück geht es aber auch anders, wie es zum Beispiel Gavial mit ihrem neuen Album «Thanks, I Hate It» eindrücklich vormachen. Ich meine, schau sich nur einer dieses glorreiche Cover an!

Wahrscheinlich überrascht es nun auch nicht, dass Gavial ausufernden, psychedelischen Blues-Rock spielen. Die Band stammt aus Berlin, Leipzig und Dresden und macht seit geraumer Zeit von sich hören. Neuerdings zu viert unterwegs und so gefestigt wie nie, klingen sie, als ob nun alle Puzzleteile zusammenpassten. Der Opener «Control» orientiert sich an einem coolen, trockenen Basslauf und klimpernden Gitarren und lässt sich ordentlich Zeit. Die Stimme von Benjamin Butter ist süffisant und schwebend, und ehe du dich versiehst, hat sich der Track in ein intensives Biest verwandelt, das dich in seinen Bann zieht. Ganz grosses Kino, wie die Band sich Zeit nimmt, Ideen wirken lässt und genau zu wissen scheint, wann ein Aufbau seinen Zenith erreicht hat und in einen neuen Part übergehen muss.

«Koru Mindset» zieht Tempo und Intensität an und zeigt, dass Gavial ordentlich abrocken können, wenn sie wollen. Das erinnert an Bands wie Dirty Sound Magnet, Annie Taylor oder (spannenderweise) Death Cab For Cutie und macht mächtig Laune. Danach wird es abgedrifteter und experimenteller. Das psychedelische «Pretender» nimmt dich an der Hand und malt kosmische Welten. Die Gitarren erinnern an lang vergangene Zeiten, der Bass rollt stoisch und unbeirrt nach vorne, und die Drums machen immer genau das, was von ihnen verlangt wird – nie zu viel und nie zu wenig. Auch «Leviathan» schlägt über sämtliche Stränge, vermischt beinahe folkige Momente mit einer faszinierend detailverliebten Instrumentierung und macht das Lauschen zum audiophilen Vergnügen.

Was man einer solch überbordenden Psych-Rock-Band eher nicht zutrauen würde, sind die äusserst realen und meist stark soziopolitisch motivierten Inhalte. Der Albumtitel ist nicht nur ein spassiges Bonmot, sondern widerspiegelt gut die Attitüde der Band gegenüber vielen Entwicklungen unserer Zeit. Ob hasserfüllte Gesellschaftsgruppen, Technologien, die uns krank und abhängig machen, ignorierte Menschenrechte, Militarismus, Korruption, Reichtum oder die schleichende Zerstörung unseres Planeten – danke, aber nein danke! Denn auch wenn man zu Gavials Musik gut einfach so die Augen schliessen und sich entführen lassen könnte, es lohnt sich enorm, genau hinzuhören.

Den Abschluss macht ein gewagtes Cover von Chris Isaaks «Wicked Game», das um ein Vielfaches verlängert und «verpsychedelifiziert» wurde. Man kann darüber streiten, ob ein fast achtminütiges Cover eines Pop-Hits auf ein Album gehört, aber es passt halt einfach verdammt gut. «Thanks I Hate It» bietet nichts, was du je hassen müsstest. Es ist ein Album, welches das alte Genre des Psych-Rocks ordentlich aufmischt und weiterentwickelt, und dabei genauso viel Spass macht, wie es zum Nachdenken anregt. Wer heute meint, Rockmusik habe nichts mehr Spannendes zu bieten, hat die Rechnung offensichtlich ohne Gavial gemacht. Und damit es nochmals gesagt ist: Wie grossartig bizarr und genial ist dieses Artwork bitte? Wundervoll!

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Gavial, Psychedelic Rock, Rock, Thanks I Hate It

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