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Fievel – Fievel

27/03/26
von David Spring

Fievel - Fievel

Eigenveröffentlichung / VÖ: 27. Februar 2026 / Punk, Hardcore
Instagram

Text: David Spring

Phu, ich werde alt. So vieles liegt schon so weit zurück, dass ich mich nur noch schemenhaft daran erinnere. Zum Beispiel gab es da mal Feivel, den Mauswanderer, jene kleine russische Maus, die als Flüchtling in den USA, dem gelobten Land der unbegrenzten Möglichkeiten, landete. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diesen Zeichentrickfilm, doch die Realität ist wohl, dass das mehr Propaganda als alles andere war. Die USA machen derzeit deutlich mehr kaputt als nur Erinnerungen. Da passt es, dass auch Fievel aus Bern diesen süssen Namen ohne Rücksicht auf Verluste mit Stiefeln treten und dazu glorreichen Lärm veranstalten.

Damit hier niemand den Faden verliert: Feivel heisst auf Englisch Fievel. Logisch also, nennt sich eine Berner Band Fievel und nicht Feivel! Klar soweit? Gut, denn Fievel sind keine Unbekannten. Mit ehemaligen Mitgliedern von Moustache Boys, Fluffy Machine und Unified Move ist das fast schon ein kleines Who’s Who der Schweizer Punk- und Hardcore-Szene. Entsprechend überrascht es nicht, dass die Platte von der ersten Sekunde an klingt, als würde dir eine besonders wütende, schnoddrige Maus an den Gehörgängen nagen. Das ist Punkrock, der noch wehtut. Die Dead Kennedys und Black Flag lassen grüssen und schon der rasante Opener «For Those Who Fight» kommt mit klaren Akkorden und enormer Energie daher, wirkt gleichzeitig frisch und doch irgendwie 40 Jahre alt. Beeindruckend.

In ähnlichem Ton geht es weiter, mal punkig und rotzig, mal brachial im Hardcore verankert. Die Produktion wird in Zeiten glattpolierter, austauschbarer Meterware zwar keine Grammys gewinnen, dafür erobern Fievel umgehend die Herzen aller Freund:innen des DIY. Authentizität und Spielfreude stehen hier klar über Studio-Firlefanz oder steriler Perfektion. Trotz aller Rohheit geht das Wesentliche nie verloren. Ein starkes Beispiel ist «Riot II». Die Einleitung bildet eine Gänsehaut-Rede von Esther Bejarano, einer der letzten Überlebenden von Auschwitz, die eindringlich vor der Richtung warnt, in die sich unsere Gesellschaft bewegt. Es folgt eines der härtesten Stücke der Platte, inklusive brachialer Riffs und bewusst chaotischer Sound-Artefakte, die klingen, als würde sich jemand das Mikrofon gegen den Kopf schmettern. Genau das bringt die Haltung von Fievel auf den Punkt: Die Welt ist kaputt, aber ohne ein wenig Spass kommt auch niemand durch.

So finden sich auf «Fievel» neben bitter-ernsten Tracks wie die traurige Geschichte über eine in die rechte Ecke verlorene Freundschaft («Gone Forever II») oder die zynische Abhandlung mit dem Werten der westlichen, weissen Welt («Thank you») auch sich eher im spassigen bis komplett sinnfreien Bereich befindenden Songs wie der Lobeshymne an alle Postmänner in «Postie» oder einer Ansammlung wilder Schreie und dem schönen Satz «I can’t live without pills» in, naja, «Pills». Dieser Track hat übrigens auch eine ganze Liste an Gast-Schreier:innen aus der illustren Szene der Schweiz. Mit Zirka, Fluffy Machine, Unified Move, Malewicz, Bunker Boys, Füsiker, Alli Vibes und Tierli Im Wald haben Fievel hier eine beachtliche Anzahl Sänger:innen versammelt, die sich in dem äusserst gehaltvollen Track die Seele aus dem Leib schreien. Köstlich!

Abwechslung wird bei Fievel grossgeschrieben. Die Balance zwischen Ernst und Klamauk funktioniert ebenso gut wie der Wechsel zwischen halsbrecherischem Tempo und groovigem Punk. Dass das Ganze so roh, direkt und angenehm ungeschliffen klingt, macht die Platte erst richtig rund. Schön gibt es noch solche Bands, denn es kommen fürwahr schwierige Zeiten auf uns zu. Vielleicht wird noch alles gut, vielleicht müssen wir irgendwann aber auch wie die namensgebende Maus auf Wanderung und auf die Suche nach einem neuen, gelobten Land… Auch wenn es dann nur bis Bern reicht!

Eingeordnet unter Musik-Rezension Schlagworte: David Spring, Fievel, Hardcore, musiCH, Punk

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