
Eigenveröffentlichung / VÖ: 29. November 2025 / Punkrock
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Text: David Spring
Süsses ist gut für dich, das wusste schon die Oma! Und Fehler gehören ja schliesslich zum Erwachsenwerden dazu, wär ja langweilig sonst. Naja, ob wirklich jeder Fehler so absolut nötig war, ist vielleicht zu bezweifeln, frag nur mal deinen Zahnarzt … Aber so geht es nun mal im Leben, jetzt haben wir den Salat, zum Glück aber auch das wunderbare Debüt von Fehlerfabrik: «Süsses für die Welt».
Fehlerfabrik , das sind Meike an Gesang und Gitarre, Veith an den Drums und Georg am Bass. Das Trio stammt aus Köln und hat sich ganz dem lauten, aufmüpfigen Punkrock verschrieben. Gleich schon beim Opener «Make The World» weisst du wie der Hase läuft. Ruppige Schrammelriffs paaren sich mit der schroffen Stimme der Sängerin, dazu gesellen sich mutige Gitarreneffekte, ein knackiger Bass und treibende Drums – mehr brauchst du nicht für einen tollen Song. Ah Moment, doch, natürlich gibt es auch einen vorzüglichen Text: ein Plädoyer für eine Welt, die dank Kapitalismus und Egoismus endlich wieder so richtig toll wird. Eine Hymne also, hinter der wir uns problemlos vereinen können: «make the world lebensfeindlich again!»
Fehlerfabrik verstehen es gut, soziale Missstände, kleine und grosse Probleme der Gesellschaft und auch die eigene Unzulänglichkeit pointiert und nicht selten mit einer guten Portion Humor in Worte zu fassen. «Narzisstische Person» spricht zum Beispiel von all den Menschen, die uns in der Politik, auf der Arbeit oder in der Bar das Leben versauen. Die Rock-Hymne «Unverträglichkeit beim BBQ», für die sich Iron Maiden dank des vorzüglichen Basssounds in den Hintern beissen würden, zelebriert das Nicht-Dazugehören und die Ablehnung des Small Talks. Und während «Schlechte Laune» ebendiese besingt, lassen das wütende Hardcore-Brett «Mackeranfall» und das brachiale «Frollein» keinen Zweifel daran, wie wenig die Band für die abartigen Auswüchse des Patriarchats übrig hat. Eine kleine, ironische Selbstbeweihräucherungs-Ode gibt es mit «Fehlerfabrik Anthem» auch noch. Klar ist: Das Trio hat vieles zu sagen und erfindet in bester Punkrock-Manier zwar das Rad nicht neu, macht aber trotzdem alles richtig.
Auch musikalisch geht es vielfältig zur Sache. Natürlich ist alles relativ geradliniger, rotzig gespielter Punkrock. Doch zeigen Fehlerfabrik viel Gespür für coole, eingängige Melodien und scheuen sich auch nicht davor, hie und da mal ein Basssolo oder einen etwas vertrackten Drumbeat einzubauen. Immer wieder scheinen musikalische Referenzen durch, von gelegentlichen Post-Punk- und gar NDW-Einflüssen bis hin zu anerkennendem Kopfnicken in Richtung der Terrorgruppe. Gerade das abschliessende «Schischa (Schicht im Schacht)» ist ein Paradebeispiel für die Qualität des guten, alten Aggropops der Kreuzberger Schule, nicht zuletzt, weil auch noch die alte Bundeshymne durch den kapitalismuskritischen Fleischwolf gedreht wird. Frisch, roh und voller Ecken und Kanten macht das alles tierisch Bock.
Punkrock made in Deutschland ist immer gut, der grosse Nachbar bringt echt immer wieder glorreiche Bands aus dem Sumpf hervor. Fehlerfabrik reihen sich wacker und lautstark in die Riege vieler grossartiger Gruppen ein und bringen uns mit «Süsses für die Welt» ein vortreffliches Debüt, das sich hören, sehen, fühlen und bestimmt auch riechen lassen kann. Die Oma hat einmal mehr recht behalten: Süsses ist gut für dich, aber noch viel besser ist eine neue, schicke, intelligente und vollends überzeugende Punk-Platte.

