
InsideOut Music / VÖ: 28. November 2025 / Prog Metal
dreamtheater.net
Text: David Spring
40 Jahre Karriere darf man durchaus feiern, das sollen die heutigen Jungspunde erst nachmachen. Im Falle der Prog Metal Titanen von Dream Theater gibt es in der vierten Dekade ihres Bestehens gleich mehrfach zu zelebrieren, denn nicht nur erschien mit «Parasomnia» im Februar ein viel gelobtes Album, sondern damit einhergehend natürlich auch die Rückkehr von Mike Portnoy hinter das stetig grösser werdende Drumkit. So ging es zur Feier des Tages ab nach Paris, wo in der Adidas Arena im November 2024 die neuste Live-CD/BluRay aufgezeichnet wurde.
«Quarantième: Live à Paris» nennt sich das gute Teil und umfasst ganze 19 Tracks mit einer für Dream Theater ungefähr durchschnittlichen Spielzeit von Zweidreiviertel Stunden. Bevor wir auf die Songs zu sprechen kommen, erst mal ein paar Worte zur BluRay. Diese ist nämlich super, aber auch nichts Weltbewegendes. Natürlich ist es eine schiere Freude, Mike Portnoy wieder hinter seinem imposanten Schlagzeug zu sehen und Jordan Rudess bei seinen zauberhaften Keyboard-Kapriolen zu beobachten, oder John Petruccis andauernde Verwandlung zum muskelbepacktesten Chewbacca aller Zeiten. Es ist immer ein Fest, diesen übertalentierten Menschen bei der Arbeit zuzusehen, die Kameramenschen liefern vorzügliche Arbeit und fangen jedes Solo sauber ein. Aber es ist nichts, was die anderen Live-DVDs der Band nicht auch schon gezeigt hätten.
Viel wichtiger ist die Musik, und die Songauswahl beweist den hochkarätigen Katalog dieser Band. In 40 Jahren Dream Theater haben sich einige Hits angesammelt, daran besteht kein Zweifel. Los geht es gleich mit «Metropolis Pt. I», «Overtüre 1928» und «Strange Déjà-Vu». Spannend, dass ich diese drei Songs wohl noch nie so aneinandergereiht gehört habe, denn das passt logischerweise perfekt. Es folgt eine muntere Riege an Songs, die uns querbeet durch das Schaffen der Band führt. Von alten Hüten wie «Under A Glass Moon» oder «The Mirror» über Klassiker wie «Home», «Constant Motion» oder «As I Am» bis hin zu Mangini-Ära-Tracks wie «Barstool Warrior» oder «This Is The Life» sowie dem neusten im Bunde, «Night Terror» vom aktuellen Album, ist von fast jeder Epoche etwas dabei.
Merklich fehlen aus der Portnoy-Zeit nur die Alben «Six Degrees Of Inner Turbulence» und «Black Clouds & Silver Linings», von denen komischerweise kein einziger Song auftaucht, wohingegen zum Beispiel «Metropolis» gefühlt auf jedem Dream-Theater-Live-Album enthalten ist. Obwohl so der eine oder andere Song der illustren Karriere fehlt, kann man sich wahrlich nicht beklagen. Die fast viertelstündige Improvisation zu «Hollow Years», das immer noch unerreichte Meisterwerk «Octavarium» in seiner vollen Pracht und mein persönlicher Favorit, das geniale Instrumental «Stream Of Consciousness», bieten mehr als genügend musikalische Höhepunkte. Ebenfalls positiv erwähnt werden muss noch die Performance von Sänger James LaBrie, die in der Vergangenheit vermehrt Grund für Kritik war. Er scheint sich endlich eingestanden zu haben, dass die allerhöchsten Töne vielleicht nicht mehr ganz im Bereich des Möglichen liegen, die Zeit der forcierten Quietscher scheint damit glücklicherweise vorbei zu sein.
Alles in allem ist «Quarantième» ein vortreffliches Live-Album einer legendären Band, die endlich wieder zu sich gefunden und auch nach 40 Jahren immer noch merklich Freude hat an dem, was sie tun. Es ist hart, aber ohne Mike Portnoy fehlte etwas, das hört man diesen aktuellen Live-Aufnahmen zu jeder Sekunde an. Dream Theater haben und machen einfach eine Tonne Spass. Wenn am Schluss das legendär abrupte Ende von «Pull Me Under» verklingt und die Menge in tosenden Applaus ausbricht, weisst du, dass Dream Theater unerreicht bleiben. Darum: Gratulation zum 40-Jährigen, mögen noch viele unmögliche Taktwechsel, blitzgeschwinde Solos und epische Musikmomente folgen. Der letzte Vorhang ist noch lange nicht gefallen.
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